SRF-Familie Volk in Kanada: «Würden heute nicht mehr auswandern»
Seit rund elf Jahren lebt Familie Volk in Kanada. Mit Nau.ch blicken die SRF-Auswanderer auf die letzten Jahre voller herausfordernder Momente zurück.

Das Wichtigste in Kürze
- Simone und Christian Volk wanderten 2015 mit ihrem Forstunternehmen ins kanadische Clearwater aus.
- Der Alltag zwischen Holzfällen, Ferienhäusern und Tieren bringt immer wieder neue Herausforderungen.
- Inzwischen hätten sie sich ein «sehr gutes Leben» aufgebaut, doch auswandern würden sie nicht nochmals.
2015 wagte Familie Volk aus Benken ZH einen grossen Schritt. Sie verliessen ihre beschauliche Heimat, um sich in Kanada ein neues Leben aufzubauen. Doch der Start im tiefverschneiten Clearwater erwies sich als schwieriger als gedacht. SRF begleitete die Volks bei ihrem Vorhaben im Rahmen der «Dok»-Reihe «Auf und davon».
Die dreiköpfige Familie zog zunächst mit einem befristeten Visum ins Ausland, um dort ihr Forstunternehmen zu etablieren. Bürokratische Hürden zwangen sie zur Geduld, bis nach langer Wartezeit die Zukunft mit den erforderlichen Papieren gesichert schien.

Doch nur kurze Zeit später erreichte Simone und Christian Volk die nächste Hiobsbotschaft. Das Sägewerk in Clearwater, das mit ihrem Forstunternehmen eng zusammengearbeitet hatte, stellte überraschend den Betrieb ein. «Von der Verkündung der Entscheidung bis zur effektiven Schliessung waren es zwei Wochen», erinnert sich Simone im Interview mit Nau.ch.
Aufwind dank Corona
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Familie die Firma weiter ausgebaut und über 1,1 Millionen Franken in neue Maschinen investiert, um dem rauen Klima in Kanada gerecht zu werden. Umso einschneidender der Moment, als die Arbeit mit ihrer Holzernte durch die Schliessung des Sägewerks plötzlich ausblieb.
Einen finanziellen Ruin konnten die Volks jedoch abwenden. «Glücklicherweise konnten wir unsere Maschinen ohne zu grosse Verluste wieder verkaufen», erklärt Simone.

2020 führten sie das Forstunternehmen mit einem neuen Absatzweg weiter, fortan lag der Schwerpunkt ihrer Geschäftstätigkeit auf der Durchforstung. Im Zuge des Corona-Lockdowns explodierten die Schnittwarenpreise, die Holzwirtschaft kam wieder ins Rollen. Endlich Aufatmen bei Familie Volk.
Zwischen Ferienhäusern und Farmarbeiten
Dank des finanziellen Erfolges kaufte die Familie ein Jahr später ein Nachbargrundstück. Aus dem sogenannten Homestead und einer Cabin entstanden zwei renovierte Ferienhäuser, die sie von Mai bis Oktober jeweils an Touristen vermieten. Und es läuft: «Wir sind sehr gut ausgebucht», so Simone.
Mit der Haltung von Mutterkühen, Schafen und Hühnern generiert die Familie zusätzliches Einkommen. Doch mehr als ein Hobby sei das nicht. Laut Simone sei hauptsächlich die Holzernte der wirtschaftliche Antrieb. Wenn diese nicht läuft, sei es sehr schwierig, über die Runden zu kommen.

2023 schloss sich ihr Forstunternehmen mit einem neuen Sägewerk zusammen, das den Einschlag in ihrer Region übernommen hatte. «Wir haben unsere Kapazitäten wieder erhöht, neue Mitarbeiter angestellt und alles lief gut», verrät Simone Volk. Das Geschäft blühte – bis das Sägewerk durch die schweren Waldbrände im Sommer beinahe abbrannte. Schon wieder ein Schicksalsschlag.
Durch den Wiederaufbau, fehlende Stromversorgung und zerstörte Strassen musste der Betrieb für mehrere Monate unterbrochen werden. Auch finanziell sei es eine «sehr schwierige Situation» gewesen, erinnert sich die inzwischen zweifache Mutter.

Nach dem Wiederaufbau sorgten die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle auf Schnittwaren für zusätzlichen Ärger. Simone Volk: «Die ganze Holzwirtschaft kam unter Druck, die Sägereien verlieren Geld, die Margen der Unternehmer sind nur noch sehr klein und alles ist schwierig.» Mittlerweile beschäftigt ihre Firma elf Mitarbeiter.
Bis zu 14 Stunden täglich arbeiten die Volks in der Holzwirtschaft. Durch die Farmarbeit und den Unterhalt der Ferienhäuser bleibt nur wenig Freizeit. Austoben kann sich die Familie an den gesetzlichen «Long Weekends» – dann meist mit Sea-Doos (Jetskis) auf einem Fluss. «Was will man in die Ferien, wenn man dort wohnt, wo andere Ferien machen», meint Simone.
Familie Volk vermisst Schweizer Käse und Cervelat
Nach mehreren Hürden scheint die Familie in ihrem Traum angekommen – auch wenn nicht immer alles leicht war. Die ersten Jahre im neuen Land plagte Simone starkes Heimweh und für Sohn Gion war die neue Schule eine grosse Umstellung. Nach der Schliessung des Sägewerks 2018 spielten sie gar mit dem Gedanken, wieder umzukehren.

Ihre Heimat Schweiz tragen sie bis heute im Herzen. Besonders wehmütig stimmt sie der Kontakt zu Familie und Freunden. Ehemann Christian hingegen vermisse das Vereinsleben, welches in Kanada in dieser Art nicht existiere. Auch kulinarische Leckerbissen aus ihrer Heimat fehlen: «Wir vermissen auch den guten Käse, gutes Brot oder sogar manchmal einen Schweizer Cervelat.»
In Sachen Freiheit zieht Simone Volk Kanada der Schweiz aber vor. «Ich denke, ein grosser Vorteil in Kanada ist, dass, wenn man etwas erreichen möchte, und wirklich darauf hinarbeitet, sind die Chancen grösser als in der Schweiz, es auch wirklich zu erreichen.» Dort bestehe im Gegensatz zur Schweiz etwa noch die realistische Möglichkeit, ein Haus zu kaufen.
«Haben hier ein sehr gutes Leben aufgebaut»
Für Familie Volk überwiegen die Vorteile in ihrer neuen Heimat. In die Schweiz zurückziehen wollen sie nicht mehr, dort sei es ihnen mittlerweile zu eng. Umso überraschender wirkt diese Aussage: «Wenn wir mit dem heutigen Wissen nochmal vor elf Jahren anfangen könnten, würden wir nicht mehr auswandern.»

Bereuen würden sie mit der damaligen Entscheidung nichts – sondern nur dann, wenn sie den Schritt gar nicht erst gewagt hätten. Simones Fazit? «Wir haben uns hier ein sehr gutes Leben aufgebaut, es ist nicht immer einfach, aber wo ist es das schon. Unsere Kinder sind glücklich hier, und das ist das Wichtigste.»
















