Gewalt

Gewalt und Femizid-Aussage: Geht Reality-TV zu weit?

Cheri Reinhardt
Cheri Reinhardt

Deutschland,

Zwei RTL-Shows sorgen zurzeit für Empörung. Reality-Insiderin Eli Simic sagt: Bei Gewalt müsse die Produktion eingreifen.

Aleks Vanessa
Aleks Petrovic schüttete Vanessa Nwattu bei «Prominent getrennt» Sekt ins Gesicht. Die Szene sorgt für heftige Kritik. - RTL

Das Wichtigste in Kürze

  • Reality-TV sorgt derzeit gleich mehrfach für Kritik.
  • Bei «Prominent getrennt» eskalierte ein Streit vor laufender Kamera.
  • Auch die RTL-Show «Bad Boyfriends» schockt viele Fans mit einer Femizid-Aussage.
  • Reality-Insiderin Eli Simic sieht eine klare Grenze überschritten.

Reality-TV lebt von Streit, Tränen und Eskalation. Doch gerade stellt sich immer öfter die Frage: Wann ist es einfach zu viel?

Gleich zwei aktuelle RTL-Formate sorgen derzeit für heftige Kritik. Erst eskalierte bei «Prominent getrennt» ein Streit zwischen Aleks Petrovic (35) und seiner Ex Vanessa Nwattu (26).

Der Reality-Star schüttete ihr Sekt ins Gesicht. Kurz darauf zerschmetterte er ein Glas vor ihren Füssen.

Vanessa erklärte später auf Instagram, sie sei durch Glassplitter verletzt worden. Bis heute habe sie eine Narbe am Bein.

Moderatorin spricht von Gewalt

Die Szene löste im Netz einen Shitstorm aus. Viele Zuschauerinnen und Zuschauer fragten sich: Warum greift die Produktion nicht ein? Warum wird Aleks nicht aus der Show genommen?

So fand Moderatorin Lola Weippert deutliche Worte. In ihrer Instagram-Story sprach sie von Gewalt.

Lola Weippert
Lola Weippert kritisiert die aktuellen Szenen im Reality-TV scharf. Die Moderatorin spricht von Gewalt. - RTL

Solchen Menschen dürfe keine Plattform mehr geboten werden, kritisierte sie sinngemäss.

Eli Simic: «Dann ist es keine Unterhaltung mehr»

Reality-Insiderin Eli Simic (37) sieht bei den aktuellen Fällen eine klare Grenze überschritten.

«Reality-TV darf polarisieren, es darf emotional sein, es darf in einem Rahmen eskalieren», sagt Simic zu Nau.ch. In einem gewissen Rahmen gehöre das auch zum Format.

Wäre bei der Sekt-Szene ein Rauswurf nötig gewesen?

Doch für sie gibt es eine klare Grenze. «Sobald Aggressionen, Einschüchterungen oder sogar Gewalt ins Spiel kommen, ist für mich Schluss. Dann ist es keine Unterhaltung mehr.»

Gerade beim Fall um Aleks Petrovic und Vanessa Nwattu hätte die Produktion laut Simic eingreifen müssen. «Ohne Diskussion.»

Ihr sei bewusst, dass Reality-TV von Aufmerksamkeit, Schlagzeilen und Einschaltquoten lebe. «Aber eine Quote, die über das Wohl der psychischen oder körperlichen Gesundheit geht, ist ein No-Go.»

«Schon die Einladung war ein Fehler»

Simic kritisiert nicht nur die konkrete Szene. Aus ihrer Sicht begann das Problem schon früher.

«Die erste Grenzüberschreitung ist schon mal, dass man Petrovic überhaupt noch in so ein Format einlädt», sagt sie.

Die Produktion habe wahrscheinlich bereits dort den ersten grossen Fehler gemacht. Denn es sei klar gewesen, dass es mit ihm Drama geben werde.

Eli Simic
Eli Simic war 2017 Bachelorette und durfte sich einen Mann aussuchen. - 3+

Simic sagt es deutlich: «Dieser Typ hat ja offensichtlich wirklich ein Problem.»

Problematisch sei auch, wenn eine Frau in einem solchen Setting vor allem dazu diene, eine Eskalation auszulösen.

Im Nachhinein könne man zwar immer sagen, jemand hätte die Situation verlassen können. Doch das greife zu kurz.

«Wenn man eingeschüchtert, überfordert ist oder Angst hat, kann man nicht mehr rational handeln», sagt Simic. Genau darum trage die Produktion eine riesige Verantwortung.

Wenn sich eine Situation immer weiter hochschaukle und niemand deeskaliere, müsse eingegriffen werden.

Femizid-Aussage bei «Bad Boyfriends»

Nun sorgt aber schon die nächste RTL-Show für Entsetzen.

In «Bad Boyfriends» muss Kandidat Maki sein Handy an seine Freundin Michelle übergeben. Sie darf es durchsuchen – und findet intime Bilder einer anderen Frau.

Michelle ist sichtlich geschockt. Maki versucht, die Fotos zu erklären. Die Aufnahmen seien ihm ungefragt über Instagram zugeschickt worden und dann automatisch in seiner iCloud gelandet.

Doch dann fällt in der Sendung ein Satz, der viele Zuschauer verstört. Maki behauptet, die Frau auf den Bildern sei inzwischen von ihrem Freund getötet worden.

Bad Boyfriends
Michelle und Maki in Bad Boyfriends - RTL

Weitere Details nennt er zunächst nicht. Die Aussage steht plötzlich im Raum – mitten in einem Reality-TV-Streit um Nacktfotos, Vertrauen und Beziehungskrisen.

Genau das sorgt nun für Kritik. Viele Fans stören sich nicht nur an der Aussage selbst. Sondern daran, wie beiläufig ein möglicher Femizid in der Sendung auftaucht.

RTL betont Schutz der Teilnehmenden

RTL sieht die Kritik anders. Auf Anfrage von Nau.ch erklärt eine Sprecherin, Reality-TV sei ein wichtiger Bestandteil des Programms.

Der Anspruch sei es, «authentische zwischenmenschliche Dynamiken abzubilden». Dazu gehörten auch Konflikte und emotionale Ausnahmesituationen.

Der Schutz der Teilnehmerinnen und Teilnehmer habe für RTL aber «grundsätzlich in jedem Format höchste Priorität».

Zur Kritik an «Prominent getrennt» schreibt RTL, problematische Verhaltensweisen würden nicht ausgeblendet, sondern bewusst gezeigt. So sollten Dynamiken nachvollziehbar gemacht und «nicht verharmlost» werden.

Entscheidend sei die Einordnung. Die Szene stehe laut RTL nicht isoliert und werde nicht normalisiert.

Innerhalb der Folge werde sie durch Reaktionen der Beteiligten und anderer Teilnehmender klar bewertet.

Dazu gehöre auch, dass Aleks sein Verhalten unmittelbar als Fehler bezeichnet und sich bei Vanessa entschuldigt habe.

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten vor und während der Produktion jederzeit die Möglichkeit einer medizinischen und psychologischen Betreuung gehabt.

RTL: Szene ist Teil der Beziehungsgeschichte

Auch zu «Bad Boyfriends» nimmt RTL Stellung. Die Konfrontation mit den Inhalten auf dem Zweithandy sei ein wesentlicher Bestandteil der Beziehungsgeschichte von Michelle und Maki.

Gleichzeitig lege man grossen Wert darauf, mit sensiblen Themen verantwortungsvoll umzugehen und die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu schützen.

Geht Reality-TV inzwischen zu weit?

Die Darstellung beschränke sich laut RTL auf das für die erzählte Handlung erforderliche Mass.

Auch bei «Bad Boyfriends» habe den Teilnehmenden während der Dreharbeiten psychologische Betreuung zur Verfügung gestanden. Zudem würden sie während der Ausstrahlung begleitet.

Wann kippt Drama in Gewalt?

Die Debatte ist damit aber nicht beendet. Denn Reality-TV lebt davon, dass Menschen an ihre Grenzen kommen.

Paare streiten, Ex-Partner treffen aufeinander, alte Verletzungen werden vor Kameras wieder aufgerissen.

Das ist Teil des Geschäftsmodells. Je mehr Drama, desto mehr Aufmerksamkeit.

Doch was passiert, wenn aus Drama Gewalt wird? Wenn Demütigung nicht mehr nur unangenehm, sondern gefährlich ist? Wenn reale Gewalttaten plötzlich als TV-Moment auftauchen?

00:00 / 00:00

Auch Ariel und Giuliano waren schon in «Prominent getrennt» - Instagram / @prominentgetrennt.rtl und _ariel__61

Simic sieht darin eine gefährliche Entwicklung. Sie habe den Eindruck, dass die Grenzen im Reality-TV in den letzten Jahren immer weiter verschoben worden seien.

Der nächste Skandal und die nächsten Schlagzeilen würden immer stärker zählen. «Ich finde, das ist eine wahnsinnig gefährliche Entwicklung», sagt sie.

Es dürfe nie der Eindruck entstehen, dass Einschüchterung, Gewalt oder schwere Aussagen Teil der Unterhaltung seien.

Weiterlesen

Eli Simic pfeift auf Photoshop
Ariel und Giuliano streiten sich gerne
69 Interaktionen
«Halts maul»
a
Vergewaltigung

MEHR IN PEOPLE

Prinzessin Charlotte
9 Interaktionen
Nach Stalker-Vorfall
a
8 Interaktionen
Experten schätzen ein
-
Dubai-Hochhaus
Danilo Sellaro Cati
21 Interaktionen
Zoff mit Ex

MEHR GEWALT

Häusliche Gewalt
2 Interaktionen
«Tabu brechen»
paris
10 Interaktionen
In Paris
Von der Leyen
31 Interaktionen
Cork
Palästina Demo Eskalation ESC
8 Interaktionen
Bern

MEHR AUS DEUTSCHLAND

a
112 Interaktionen
«Untragbar»
Bushido
34 Interaktionen
Verliess Haus nicht
13 Interaktionen
Düsseldorf