Kanton Graubünden: Aktionstage rücken digitale Gewalt in den Fokus
Im Kanton Graubünden finden vom 25. November bis 10. Dezember 2026 die Aktionstage gegen häusliche Gewalt statt. Im Zentrum steht diesmal digitale Gewalt.

Digitale Technologien sind fester Bestandteil heutiger familiärer und partnerschaftlicher Beziehungen. Während sie uns neue Wege der Kommunikation und Nähe eröffnen, können sie zugleich Räume für Kontrolle, Überwachung und Gewalt schaffen. Aus diesem Grund widmen sich die diesjährigen Aktionstage gegen häusliche Gewalt im Kanton Graubünden dem Thema «Digitale Gewalt».
Passend zum Thema finden vom 25. November bis 10. Dezember 2026 im ganzen Kanton zahlreiche Veranstaltungen statt.
Häusliche Gewalt kennt keine geografischen, kulturellen oder sozialen Grenzen. Sie tritt in unterschiedlichen Formen auf – körperlich, sexuell, psychisch und wirtschaftlich – und betrifft Menschen innerhalb der Familie oder zwischen (ehemaligen) Partnern. Häusliche Gewalt ist keine Privatsache – sie ist strafbar und wird in unserer Gesellschaft nicht toleriert.
Digitale Gewalt hat viele Gesichter
Dieses Jahr legt Graubünden einen besonderen Fokus auf digitale Gewalt. Diese Form der Gewalt ist kein eigenständiges Phänomen, sondern meist die Fortsetzung und Verstärkung bestehender Gewaltverhältnisse. Dazu gehören etwa die permanente Belästigung durch unerwünschte Nachrichten und Anrufe, die heimliche Standortüberwachung mittels GPS-Geräten, Bluetooth-Trackern oder Überwachungsapps sowie der unerlaubte Zugriff auf E-Mail-, Bank- oder Social-Media-Konten. Eine weitere Form ist die bildbasierte Gewalt.
Dabei werden echte oder mit künstlicher Intelligenz erzeugte intime Inhalte ohne Zustimmung verbreitet. Gewaltbetroffene Personen können digitaler Gewalt rund um die Uhr ausgesetzt sein.
Die räumliche Trennung bietet keinen Schutz, da Drohungen und Belästigungen jederzeit in den privaten Raum eindringen.
Vielfältige Veranstaltungen im ganzen Kanton
Die Aktionstage gegen häusliche Gewalt sollen für die verschiedenen Formen von Gewalt in Partnerschaften und Familien sensibilisieren, zum Gespräch anregen und auf bestehende Hilfs- und Unterstützungsangebote aufmerksam machen.
Im ganzen Kanton finden dazu Veranstaltungen und Aktionen statt: Referate zu digitaler Gewalt, Musikdarbietungen, eine Filmvorführung, Orientierungsläufe mit interaktiven Posten in verschiedenen Regionen, Angebote für Jugendliche und Eltern, Weiterbildungen für Fachpersonen sowie zum Abschluss ein Charity-Eishockeyspiel der HCD Ladies gegen die SCB Frauen zugunsten des Frauenhauses Graubünden. Dazu verkaufen verschiedenen Bäckereien und Läden im ganzen Kanton ihr Brot in speziellen Tüten, an Infoständen wird bei Punsch über Hilfsangebote informiert, eine Kunstinstallation macht Femizide sichtbar und zahlreiche Gebäude leuchten orange. Ergänzend macht eine kantonale Kampagne mit Slogans wie «Gewalt ist nicht privat.» auf das Thema aufmerksam, begleitet von einer interkantonalen Social-Media-Kampagne zu psychischer und digitaler Gewalt.
Hilfe und Unterstützung vorhanden
Viele Opfer schweigen aus Angst oder Scham. Auch Angehörige und das soziale Umfeld wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen. Im Kanton Graubünden gibt es zahlreiche Hilfs- und Unterstützungsangebote für Betroffene und Angehörige.
Diese Angebote sollen während der Aktionstage bekannt gemacht werden:
In akuter Gefahr: Polizei 117, Sanitätsnotruf 144
Opferhilfe Graubünden: kostenlose, vertrauliche und auf Wunsch anonyme Beratung für gewaltbetroffene Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche
Nummer 142: die schweizweite Kurznummer der Opferhilfe, rund um die Uhr erreichbar, kostenlos und vertraulich
Frauenhaus Graubünden: Schutz, Unterkunft und Beratung für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder, 24 Stunden erreichbar
Beratungsstelle für gewaltausübende Personen: kostenlose und vertrauliche Unterstützung für Menschen, die Gewalt ausüben oder befürchten, gewalttätig zu werden.
Kinder und Jugendliche: Beratung rund um die Uhr über die Nummer 147 (Pro Juventute)










