Waffenfabrik-Anschlag «könnte man als Terrorismus bezeichnen»
Eine Thuner Firma wurde mutmasslich Zielscheibe von Linksextremisten. Nun rüstet die Waffenindustrie auf, während ein Experte Linksextremismus-Alarm schlägt.

Das Wichtigste in Kürze
- Nach dem Brandanschlag auf den B&T-Hauptsitz in Thun vermuten Experten einen linksextremen Hintergrund.
- Extremismus-Forscher Dirk Baier warnt vor Nachahmertaten.
- B&T und andere Waffenhersteller überprüfen und verstärken nun ihre Sicherheitsmassnahmen.
In der Nacht auf Donnerstag brannte der Hauptsitz des Thuner Waffenherstellers B&T lichterloh. Erst am späteren Nachmittag konnte das Feuer vollständig gelöscht werden.
Wie die Polizei mitteilt, wurde das Feuer wohl mit Absicht gelegt. Vieles deutet darauf hin, dass der Brandanschlag dem linksextremen Milieu zuzuordnen ist.
Ein mutmassliches Bekennervideo auf einer französischen linksextremen Website stellt einen Zusammenhang mit den Gen-Z-Protesten in Frankreich her. «Wie so oft kann man sich auf die Schweizer verlassen, wenn es um Präzision, das richtige Timing und Effizienz geht.»
Ins Visier geriet B&T, weil das Unternehmen Gummigeschosswerfer herstellt, die unter anderem die französische Polizei gegen Demonstrierende einsetzt.
Wer tatsächlich hinter dem Anschlag steht, ist bislang nicht bekannt. Die Ermittlungen zum Vorfall laufen.
Die Folgen für B&T sind erheblich: Das Unternehmen kann den Betrieb erst in den nächsten drei bis vier Monaten wieder aufnehmen. Und auch dann nur eingeschränkt.
Waffenfirmen schrauben jetzt Sicherheit hoch
Das Sicherheitskonzept werde nun überprüft und ergänzt.
Die Geschäftsleitung von B&T schreibt auf Anfrage von Nau.ch: «Grundsätzlich haben wir ein solches Szenario nie vollständig ausgeschlossen. Dass das Ausmass des Sachschadens jedoch derart gravierend sein könnte, hätten wir uns nicht vorstellen können.»
Die Sicherheitsvorkehrungen hätten bereits einem sehr hohen Standard entsprochen. «Das Firmengelände war durch eine Umzäunung, Videoüberwachung sowie eine entsprechend gesicherte Gebäudehülle geschützt.»
Doch: «Gegen einen Brand dieses Ausmasses konnten jedoch auch diese umfassenden Schutzmassnahmen letztlich nichts ausrichten.»
Aus dem Vorfall wolle die Firma Konsequenzen ziehen. «Selbstverständlich ziehen wir aus diesem Vorfall unsere Lehren und werden entsprechende Erkenntnisse auch in unsere Überlegungen einfliessen lassen.» Weiter ins Detail geht die Firma nicht.
Auch andere Waffenhersteller rüsten nach dem Vorfall auf. Saltech, ein Hersteller von Kleinkalibermunition aus Däniken SO, schreibt: «Wir haben Sicherheitsmassnahmen getroffen, um potenziellen Risiken zu begegnen.»
Saltech beobachte laufend neue Entwicklungen und mögliche Sicherheitsrisiken und stehe dazu in Kontakt mit den Behörden. Die Sicherheit der Mitarbeitenden und der Produktionsstätten nehme die Firma «sehr ernst».
«Könnte man schon fast als Terrorismus bezeichnen»
Extremismus-Forscher Dirk Baier ist erstaunt, dass der Vorfall in der Öffentlichkeit nicht noch mehr Aufmerksamkeit erhält. Der hohe Sachschaden und die gezielte Brandstiftung seien alarmierend. Hinter der Tat stecke mit hoher Wahrscheinlichkeit eine linksextreme Gruppierung.
«Solch gezielte Anschläge auf Feind-Objekte eines Extremismus könnte man schon fast als Terrorismus bezeichnen», sagt er zu Nau.ch.
Doch: «Ich würde das im Moment noch nicht tun, weil ich auch keine Angstmache betreiben möchte.»

Eine aus linksextremer Sicht erfolgreiche Aktion könne allerdings dazu führen, dass ähnliche Anschläge auch bei anderen Zielen versucht würden. «Andererseits dürfte der Nachrichtendienst die Gruppen nun noch stärker überwachen, Waffenhersteller dürften ihre Objekte noch besser schützen.»
Das könnte linksextreme Gruppen wiederum abschrecken.
Baier rät daher zu einer stärkeren Überwachung. «Wahrscheinlich braucht es noch eine stärkere Überwachung der Objekte durch Sicherheitsdienste, wobei die Objekte auch jetzt schon überwacht werden.»
Der Experte rät zudem zu technischer Überwachung und KI-gestützten Videosystemen.
Und: «Wichtig wäre, dass man sich untereinander über best practices austauscht, sodass die Unternehmen voneinander lernen können.»
Linksextreme Gewalt nimmt zu
Jenseits davon könnten die Waffenhersteller selbst nicht allzu viel tun. Wichtig sei, dass Planungen solcher Anschläge früher aufs Radar gerieten. «Da sind aber Nachrichtendienst und Polizei gefordert, nicht die Hersteller.»
Gleichzeitig betont er: «Es gibt aber keinen Schutz, weder technischer noch menschlicher, der garantieren kann, dass solche Anschläge hundertprozentig verhindert werden.»
Grundsätzlich gelte: «Die Bedrohungslage ist erhöht, im Übrigen nicht nur für die Waffenindustrie.»
Denn: «Der Linksextremismus hat bekanntlich auch andere Hass-Objekte auf seiner Feindesliste stehen. So beispielsweise Banken, die Polizei und andere weltweit agierende Grossunternehmen.»
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) weist auf das erhebliche Gewaltpotenzial innerhalb der linksextremistischen Szene hin. Im aktuellen Lagebericht registriert er für das vergangene Jahr 215 Ereignisse mit linksextremistischem Hintergrund. Bei 63 davon kam es zu Gewalt.


















