Nach Hans Jucker: SRF stellte 2022 Sexualstraftäter an
Dass das SRF mit Hans Jucker (†65) einen verurteilten Sexualstraftäter angestellt hatte, verurteilt die SRG. Doch nun zeigt sich: Jucker war kein Einzelfall.

Das Wichtigste in Kürze
- Obwohl Hans Jucker (†65) 1971 wegen sexuellen Handlungen mit Jugendlichen verurteilt worden war, machte er später Karriere bei SRF.
- SRG-Generaldirektorin Susanne Wille sagte dazu: «Wir verurteilen als SRG SSR jegliche Form sexueller Gewalt.»
- Doch nun zeigt sich: SRF stellte 2022 erneut einen Sexualstraftäter an. Dieser befindet sich «in einem gekündigten Verhältnis».
Der 2011 verstorbene SRF-Kommentator Hans Jucker (†65) gerät 15 Jahre nach seinem Tod in die Schlagzeilen.
Denn der 71-jährige Willie Fegbie erklärt dem «Tagesanzeiger», dass ihn Jucker Anfang der 70er-Jahre schwer missbraucht habe.

Fegbie war damals 15 Jahre alt. Jucker wurde 1971 wegen sexuellen Handlungen mit Jugendlichen verurteilt. Dennoch konnte er später Karriere beim SRF machen.
SRG verurteilt «jegliche Form sexueller Gewalt»
SRG-Generaldirektorin Susanne Wille schrieb am Montag dazu auf «Linkedin»: «Zuerst denke ich an die Kinder und Jugendlichen, denen Leid zugefügt wurde. Und an alle, die bis heute damit leben. Das erschüttert mich.»
Und weiter: Wille weiter: «Wir verurteilen als SRG SSR jegliche Form sexueller Gewalt. Und distanzieren uns in aller Form und mit aller Deutlichkeit von den gerichtlich dokumentierten Straftaten dieses ehemaligen Mitarbeiters.»

Dass das Urteil bereits 1971 gefällt wurde, spiele keine Rolle: «Auch wenn dieser Fall fast ein halbes Jahrhundert zurückliegt: Die SRG nimmt ihre Verantwortung wahr. Wir werden deshalb eine unabhängige, externe Aufarbeitung starten», so Wille.
Weiterer Sexualstraftäter beim SRF
Trotz der «Verurteilung» dieses Verhaltens zeigt sich nun aber, dass Jucker kein Einzelfall war. Denn wie «20 Minuten» berichtet, stellte SRF 2022 ebenfalls einen verurteilten Straftäter an.
Ein Bezirksgericht im Kanton Zürich hatte diesen 2002 wegen sexuellen Handlungen mit Minderjährigen in vier Fällen zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 14 Monaten verurteilt. Deswegen hatte er sogar zwei Monate in U-Haft verbracht.

Der damals 29-Jährige hatte dem Urteil zufolge eine Liste über seine Sexualpartner geführt. Damit hätte ihm bekannt sein sollen, dass die Opfer knapp 14 bis 15 Jahre alt gewesen waren. Ein psychiatrisches Gutachten sah aber weder eine pädophile Veranlagung bei ihm noch eine Rückfallgefahr.
Nachdem er später aus seinem Heimatland Deutschland wieder in die Schweiz gekommen war, fand er 2022 eine Anstellung bei SRF. Dort arbeite er demnach seither als Produzent im Newsroom.
Ist «in einem gekündigten Verhältnis mit SRF»
Zwischenzeitlich sei er sogar befördert worden. Und: Erst in der zweiten Oktober-Hälfte sei noch eine tagesaktueller Beitrag von ihm in einer SRF-Nachrichtensendung ausgestrahlt worden.
Auf Anfrage von «20 Minuten» schreibt SRF nun dazu: «Grundsätzlich gilt: SRF nimmt diese Ereignisse sehr ernst und analysiert den damaligen Umgang von SRF als Arbeitgeberin in diesem Fall sorgfältig.»
Man werde auch diesen Fall extern aufarbeiten lassen. Zudem befinde sich die Person «in einem gekündigten Verhältnis mit SRF». Wegen des Persönlichkeitsschutzes könne der Sender nicht mehr dazu sagen.
Offen bleibt deswegen, weswegen der Person gekündigt wurde.
Brauchst du Hilfe?
Bist du Opfer von sexualisierter Gewalt geworden? Die Opferhilfe hilft dir dabei, die Erfahrung zu bewältigen und informiert dich über deine Rechte und weitere Schritte: www.opferhilfe-schweiz.ch.












