Coronavirus

    Gewerkschaften ziehen düstere Corona-Zwischenbilanz

    Michael Bolzli
    Michael Bolzli

    Bern,

    Die Lage von zahlreichen Arbeitnehmer habe sich in der Corona-Krise verschlechtert, sagt der Schweizerische Gewerkschaftsbund. Er fordert konkrete Massnahmen.

    SGB
    Pierre-Yves Maillard ist Präsident des SGB. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Gemäss dem SGB sind Einkommen von Tieflöhnen im Schnitt um 300 Franken gesunken.
    • Die Gewerkschaften kritisieren prekäre Jobs bei Kurieren und im Onlinehandel.

    Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) zieht Corona-Zwischenbilanz. Und die fällt schlecht aus. Aber auch der Ausblick.

    «Die Aussichten für die nächsten Monate sind beunruhigend», schreibt der Gewerkschaften-Dachverband. Auch während der zweiten Welle seien viele Berufstätige ohne Arbeit. Davon überproportional betroffen sind jüngere und ältere Arbeitnehmer.

    Tieflohn
    Besonders im Tieflohnbereich haben Arbeitnehmer Einbussen. - Keystone

    Gemäss dem Gewerkschaftsbund sind Tieflöhner von der Pandemie besonders betroffen. Der SGB schätzt, dass Personen mit einem Lohn von bis zu 4000 Franken im Schnitt 300 Franken weniger Einkommen haben. «Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit haben zu schmerzhaften Einkommenseinbussen geführt.»

    Gleichzeitig haben Top-Verdiener mit Löhnen über 10'000 Franken bis 400 Franken mehr in der Tasche. «Sie geben weniger aus – bei ungefähr gleichbleibendem Einkommen.»

    Arbeitslosenquote
    Die Arbeitslosenquote ist bei der Generation Ü60 überdurchschnittlich gestiegen. - SGB

    Mehr Jobs in prekären Bereichen

    Durch die Krise seien prekäre Jobs entstanden, etwa bei Food-Kurieren oder im Onlinehandel. «Die neuen Stellen entstehen im unregulierten Bereich: das sind die Temporärangestellten, Subunternehmen, Scheinselbstständige», so Daniel Münger, Präsident der Gewerkschaft syndicom. Für ihn ist klar: «Nur allgemeinverbindliche Branchen-Gesamtarbeitsverträge schützen wirksam vor Prekarisierung.»

    Gemäss der Gewerkschaft Unia hat sich nicht nur die Einkommenssituation verschlechtert: «Wer trotz Lockdown weiterarbeiten konnte, musste oft weitere Verschlechterungen in Kauf nehmen», sagt Präsidentin Vania Alleva. «Der Druck, solche Verschlechterungen einfach zu akzeptieren, ist immens. Denn schliesslich geht es denen, die in Kurzarbeit stehen, ja noch schlechter.» Daher brauche es einen 100 Prozent Lohnersatz bis 5000 Franken und mehr Branchen-GAV.

    unia
    Vania Alleva, Präsidentin Unia, an einer Medienkonferenz des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes. - Keystone

    SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard fordert: «Nach dem Kampf gegen die Pandemie ist eine Offensive für mehr soziale Sicherheit nötig.» Gegen Arbeitslosigkeit, Prekarität und steigende Ungleichheit brauche es bessere Löhne.

    Haben Sie durch die Krise finanzielle Einbussen?

    Weiter fordert der SGB einen Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde und allgemeinverbindliche GAV bei Kurieren und im Onlinehandel. Ebenso eine Rückerstattung der rund 5 Milliarden Franken an überschüssigen Krankenkassenprämien, Jobgarantien und Verhinderung von Sparprogrammen – insbesondere beim Bund.

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