Woke Bäckerei verkauft jetzt Palästina-Cola

Riccardo Schmidlin
Riccardo Schmidlin

Bern,

Eine vegane Bäckerei-Kette verkauft neben Gebäck auch Cola in Solidarität mit Palästina. Durch die Getränke kamen bereits Tausende Franken an Spenden zusammen.

Palestine Cola
In der veganen Bäckerei «Bakery Bakery» gibt es seit letztem Sommer «Palästina»-Colas zu kaufen. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Die vegane Kette «Bakery Bakery» verkauft Palästina-Cola aus Solidarität.
  • Die Firma dahinter, «Palestine Drinks», spendet an Projekte in Palästina.
  • Der Getränkeverkauf brachte Tausende Franken an Spenden ein.

Spitzbuben heissen hier «Spitzmenschen», Schinkengipfeli «Ginkenschipfel»: Die vegane Berner Bäckerei-Kette «Bakery Bakery»auf Expansionskurs in der ganzen Schweiz – ist auf woke gedreht.

Und auch im Getränkeregal wirds politisch: Statt Coca-Cola oder Pepsi verkauft die Bäckerei ein «Palestine»-Cola. Eine Dose kostet 3.50 Franken.

Wie bitte?

Nau.ch weiss: «Bakery Bakery» hat die Getränke seit letztem Sommer im Angebot.

Würdest du bei einem «Palestine»-Cola zugreifen?

Die Marketingverantwortliche Saba Sandahl erklärt gegenüber Nau.ch: «Ja, das war absolut beabsichtigt und ein Akt der Solidarität mit Palästina. Wir tun auch andere Dinge, um uns gegen den Völkermord zu wehren.»

Und: «Das Palästina-Getränk ist eines davon und dient eher als Symbol und Erinnerung daran, was gerade passiert.» Das sei zwar nicht viel, «aber immerhin etwas», sagt sie.

Israel wird Völkermord in Gaza vorgeworfen

Worauf sie damit abzielt: Während Israels Krieg gegen die palästinensische Terrororganisation Hamas im Gazastreifen seit 2023 hat Israel mutmasslich einen Völkermord begangen.

Gemäss palästinensischen Angaben sollen mindestens 70'000 Palästinenserinnen und Palästinenser im Gaza-Krieg getötet worden sein.

friedensrat gaza
Gemessen am realen Bedarf sind fünf Milliarden Dollar vom Friedensrat für Gaza nur wenig. - keystone

Auf diese Angaben stützt sich auch die Uno. Israel tat die kommunizierten Todeszahlen lange als Hamas-Propaganda ab.

Inzwischen akzeptiert aber auch die israelische Armee die Daten als «weitgehend korrekt». Das soll die Armee kürzlich in einem Hintergrundgespräch mit israelischen Journalisten bestätigt haben. Der Armeesprecher reagierte darauf allerdings mit einer Zurückweisung auf X. Die veröffentlichten Details würden keine offiziellen Daten der israelischen Armee widerspiegeln.

Gestritten wird auch über die Frage, bei wie vielen davon es sich um zivile Opfer handelt. Eine «Guardian»-Recherche basierend auf internen Daten der israelischen Armee besagt, dass 83 Prozent aller Getöteten in Gaza Zivilpersonen seien. Israel behauptet, der Anteil der Zivilisten sei deutlich geringer.

Derzeit läuft ein Verfahren vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag gegen Israel. Völkerrechtlich ist der Vorwurf des Völkermordes somit noch nicht geklärt.

«Palestine»-Cola stammt aus Schweden

Das «Palestine»-Cola der «Bakery Bakery» stammt jedoch nicht aus Palästina, sondern aus Schweden. Drei palästinensische Brüder aus Malmö riefen das Unternehmen «Palestine Drinks» 2024 ins Leben.

Importeur Halil Kilbüker verkauft die Getränke seither auch hierzulande.

Er erklärt gegenüber Nau.ch: «Meine persönliche Motivation war es, eine bewusste Alternative zu bestehenden Produkten anzubieten. Und gleichzeitig einen positiven Beitrag zu leisten, der im Einklang mit meinen religiösen und menschlichen Werten steht.»

Kilbüker ergänzt: «Als Muslim empfinde ich es als Verantwortung, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen und Solidarität zu zeigen.»

Zehn Rappen pro Dose und zehn Prozent der Netto-Einnahmen spendet «Palestine Drinks» darum an Projekte in Palästina.

Ein 6er-Pack Cola kostet 11.90 Franken. Im Shop gibt es aber auch Orangen- oder Zitronenlimonade sowie Energydrinks zu kaufen.

Bereits 28'000 Franken an Spenden gesammelt

Und da kommt einiges zusammen: «Im ersten Jahr konnten wir 23’000 Franken sammeln. Nach mittlerweile 15 Monaten beträgt die Gesamtsumme der Spenden 28’000 Franken», sagt er.

Er sei überzeugt, dass die Unterstützung «einen wichtigen Beitrag geleistet hat und weiterhin leistet».

Hast du für Gaza gespendet?

Die Spenden gehen laut Kilbüker an Islamic Relief. Das ist eine international anerkannte Hilfsorganisation, mit der auch schon die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) zusammengearbeitet hat.

Islamic Relief Switzerland mit Sitz in Genf bestätigt gegenüber Nau.ch, dass Palestine Drinks seit Monaten regelmässig Spenden leistet. «Diese Spenden sind dazu bestimmt, die Opfer des Konflikts in Gaza zu unterstützen.»

Vegan-Beck erhält «überwiegend positives Feedback» zu Palästina-Cola

Zurück zur «Bakery Bakery». Welche Reaktionen hat die vegane Bäckerei-Kette zur Solidaritätsaktion im Getränkeregal erhalten?

«Ehrlich gesagt haben wir überwiegend positives Feedback erhalten», sagt Marketingverantwortliche Saba Sandahl. «Unsere Kundschaft mag uns, weil wir zu solchen Themen Stellung beziehen.»

Denn: «Unsere Werte sind Fürsorge, Herausforderung und Verantwortung. Und genau deshalb sind wir vegan und setzen uns für Menschenrechte ein.»

Bäckerei–Kette hat «Vegan» aus Logo entfernt

Spannend: Inzwischen hat die boomende Bäckerei-Kette das «Vegan» aus dem Logo entfernt.

Co-Founder Kevin Schmid erklärte den Schritt kürzlich in einem Interview mit dem BärnerBär (gehört wie Nau.ch zur Interact Media Group): «Vegan ist für uns selbstverständlich geworden.»

Bakery Bakery Vegan
Haben die vegane Bäckerei «Bakery Bakery» 2019 gemeinsam gegründet: Lycra Stattmann und Kevin Schmid. - zVg/Bakery Bakery

Und weiter: «Wir sind eine klassische Bäckerei, die halt vegan ist und nicht jeden Trend mitmacht. Entscheidend ist, dass die Leute wegen der Produktqualität und des Ambientes, sowie des Vertrauens zu uns kommen.»

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