Die Hilfswerke der Landeskirchen machen Kampagne für mehr Klimagerechtigkeit. Und kritisieren dabei den Fleischkonsum. Das kommt bei Bauern schlecht an.
Landwirtschaft
Die Landwirtschaft steht vermehrt in der Kritik. - sda - Keystone/CHRISTIAN BEUTLER

Das Wichtigste in Kürze

  • Brot für alle und Fastenopfer machen eine Kampagne zum Thema Klimagerechtigkeit.
  • Bauern kritisieren, dass die Kampagne ein falsches Bild des Fleischkonsums zeige.

Der Klimawandel beschäftigt die kirchlichen Hilfswerke. In der aktuellen Kampagne von Brot für alle und Fastenopfer steht darum das Thema Klimagerechtigkeit im Fokus.

Dabei werden verschiedene Bereiche behandelt. Etwa Flugreisen, Palmöl, Pestizide und Fleischkonsum. Um Aufmerksamkeit zu generieren, setzen die Hilfswerke auf starke Bilder und einprägsame Worte.

So zeigt ein Plakat ein Paar vor dem Grill. Hinter ihnen steht in Grossbuchstaben: «Weniger Fleischkonsum. Mehr Regenwald.»

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Mit diesem Plakat thematisieren die Hilfswerke der Landeskirchen die Klimakrise. - zvg

Das kommt bei den Bauern nicht gut an, wie ein offener Brief zeigt, der in der aktuellen «Bauernzeitung» veröffentlicht wurde. Stefan Heller, Geschäftsführer Luzern Bäuerinnen- und Bauernverband, macht damit seinem Ärger Luft.

«Aussage trifft nicht zu»

Tipps für Klimaschutz seien zu begrüssen. Doch: «Die Aussage ‹Weniger Fleischkonsum. Mehr Regenwald› trifft auf die Schweiz nicht zu.» Er argumentiert, dass 84 Prozent der Futtermittel aus dem Inland stamme.

«Zudem achten Schweizer Landwirte beim Import von Futtermitteln auf die Herkunft: 95 Prozent der Sojaimporte stammen aus zertifiziertem Anbau.»

Damit entstehe ein verfälschtes Bild der Landwirtschaft. «Wir sind klar der Meinung, dass dies nicht die Aufgabe der Kirche ist und sie hier die Gesellschaft falsch informiert.»

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Die Fleischproduktion belastet die Umwelt. - Keystone

Auch der Schweizerische Bauernverband sieht die Kampagne kritisch. Gegenüber Nau.ch erklärt Sprecherin Sandra Helfenstein, dass eine standortangepasste Landwirtschaft ein wichtiger Faktor für eine umweltverträgliche Ernährung sei.

Ackerbau nicht überall möglich

«So hilft die tierische Milch- und Fleischproduktion in der Schweiz, die vorhandene Ressource Gras optimal in menschliche Ernährung umzuwandeln. An diesen Standorten ist eine ackerbauliche Produktion nicht möglich.» Der Schweizerische Bauernverband hat darum den Hilfswerken einen Brief geschickt und um einem persönlichen Austausch gebeten.

Die Hilfswerke erhalten viel Feedback zur aktuellen Kampagne. Positive wie negative. «Wir nehmen die Rückmeldungen sehr ernst und suchen den Kontakt mit den Personen», sagt Kampagnenkoordinator Mischa von Arb. Sobald man aufzeigen könne, dass es mit der Kampagne um einen bewussten Konsum gehe, verstünden die meisten Leute den Ansatz.

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Tiere fressen nicht nur Heu, sondern auch Kraftfutter. Das wird oft importiert. - Keystone

Von Arb stellt klar, dass sich die Sujets nicht grundsätzlich gegen die Landwirtschaft oder die Fleischproduktion wenden. Im Gegenteil. «Wir sind überzeugt, dass eine nachhaltige Landwirtschaft, welche auch die Tierhaltung einschliesst, einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Klimaproblematik leisten kann.»

Essen Sie weniger Fleisch, um die Umwelt zu schützen?

Das kritisierte Plakat spitze das Thema Klimagerechtigkeit zu. Doch: «Für den globalen Fleischkonsum werden in Indonesien und Brasilien riesige Flächen Regenwald gerodet, was den Klimawandel antreibt.»

Die Aussage auf dem Plakat sei darum in einem globalen Kontext zu sehen. «Die industrielle Fleischproduktion ist nur einer der Treiber der Klimakrise. Wir plädieren deshalb für einen bewussten Konsum – von Fleisch, aber auch Gemüse. Damit unterstützen wir auch die Schweizer Landwirtschaft: Wer bewusst konsumiert, wird sich mehr für regionale, nachhaltig produzierte und saisonale Produkte entscheiden.»

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Die Hühner-Produktion in der Schweiz benötigt Import-Futter. - Keystone

Dass Fleischkonsum die Umwelt belastet, ist unbestritten. Gemäss dem Umweltbericht des Bundes verursacht ein Fleischesser jährlich doppelt so viel CO2 wie ein Veganer.

Unbestritten ist auch, dass sich nicht alle Landwirtschaftsfläche für Ackerbau eignet. Eine Studie der ZHAW hat längst gezeigt, wie eine umweltfreundliche Landwirtschaft in der Schweiz aussehen könnte. Vor allem die Schweine- und Poulet-Produktion müsste dann stark zurückgehen, der Rinderbestand bliebe praktisch gleich.

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