Hoffentlich berührt Sie dieses Thema kaum. Falls Sie doch Erfahrung mit Mobbing machten, ist dieser Brief unseres Halleluja-Kolumnisten an Sie gerichtet.
Sam Urech
Sam Urech besucht die Freikirche FEG Wetzikon. - Fotograf: Sebastian Heeb

Das Wichtigste in Kürze

  • Sam Urech aus dem Zürcher Oberland ist Halleluja-Kolumnist auf Nau.ch.
  • Den Autor erreichen Sie via samurech.ch oder auf Social Media.

Liebe Leserin, lieber Leser

Es gibt da diesen einen Moment in der 5. Klasse. Zuvor und danach hatte ich nie Mobbing erlebt, war immer einer der Stärksten, ein Anführer, laut.

Auch dass ich als Sohn eines Pastors sogar im Gebäude der Freikirche aufwuchs, brachte mir keine gemeine Sprüche ein. Ich hatte Glück! Bin dankbar dafür.

Paulus-Kapelle
In dieser Paulus-Kapelle wuchs Sam auf. Unten der Gottesdienst-Saal, oben die Wohnung. - zVg

Aber da war in der Parallelklasse dieses Mädchen, das viele mobbten. Sie war ja auch komisch, dachte ich. Ihr Schicksal war mir egal.

Nun hatte sie dummerweise ein Auge auf mich geworfen und plötzlich wurde ich deswegen ausgelacht. Nur eine leichte Mobbing-Erfahrung – doch wie war meine Reaktion?

Panisch: Ich habe sie blossgestellt, in der Hoffnung, dass sie mich nachher nicht mehr mag. Einer der grössten Fehler meiner Kindheit.

Gespräch mit einem Mobber

In der Zwischenzeit traten Menschen in mein Leben, die in ihrer Jugend radikal gemobbt wurden. Ich realisierte mehr und mehr, wie scheusslich Mobbing ist.

Es ging zufälligerweise eine Türe auf, die mir ermöglichte, in den letzten Jahren in einer Berufsschule Vorträge zum Thema Mobbing halten zu dürfen.

Unzählige Gespräche mit 16-Jährigen ergaben sich daraus: Tränen, Diskussionen, eine Versöhnung zwischen Mobber und Gemobbten vor versammelter Klasse – berührende Erlebnisse.

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Ein Bild aus dem Jahr 2017: Sam spricht über Mobbing. - wkvw

Etwas bleibt mir besonders in Erinnerung. Bei einem Vortrag spürte ich, dass hinten rechts ein übler Mobber sass. Er störte, wo er konnte, lachte viel zu laut, war nervös, schaute kaum nach vorne.

Als anschliessend alle Lernenden das Schulzimmer verlassen hatten und ich meine Unterlagen zusammenpackte, kam er zurück. Wir unterhielten uns.

Dieser Typ lebte in einem schrecklichen Elternhaus. Horror! Nun versuchte er, mit Gemeinheiten seine Seele zu entlasten.

Gesunde Menschen verabscheuen Mobbing

Bevor er ging, versprach er mir, er wolle nie mehr mobben. Hoffentlich hat er es geschafft. Ein guter Vorsatz reicht aber meist nicht aus. Mobber brauchen professionelle Hilfe.

Denn systematisch mobbt oft nur, wer innerlich kaputt ist. Natürlich gibt es auch Mitläufer, die von Angst und Feigheit getrieben sind. Aber auch für sie gilt: Gesunde Menschen verabscheuen Mobbing.

Falls Sie gemobbt wurden oder noch immer werden, sollten Sie dies bitte niemals vergessen: Nicht Sie sind hässlich, komisch oder dumm – wer Sie mobbt, ist krank.

Es gibt keinen Grund, Sie zu mobben! Egal, wie Sie aussehen, wie Sie sich verhalten, wo Sie schwach oder anders sind – gar nichts an Ihnen ist ein Grund, Sie zu schikanieren.

Bitte keine Scham!

Und doch passiert es leider überall. Etwa jeder zehnte Jugendliche in der Schweiz wird gemobbt.

Wurden Sie schon mal gemobbt?

Sie sind nicht alleine! Bitte schämen Sie sich nicht. Oft hörte ich von Jugendlichen, dass sie nicht mal ihrer Familie von Mobbing-Erfahrungen erzählen wollten.

Kann ich verstehen. Wenn mir jeden Tag Leute sagen, ich sei wertlos, beginne ich es zu glauben. Bitte nicht: Es sind Lügen. Dreckige Lügen!

Mobbing
Oft schämen sich Mobbing-Opfer – aber es gibt keinen Grund dafür! - Getty Images

Lügen mit derart grosser Kraft, dass sie auch Jahrzehnte später prägen. Vielleicht kommt Ihnen gerade jetzt eine Szene aus längst vergangenen Zeiten in den Sinn. Bitte schauen Sie hin.

Bitte beginnen Sie darüber zu reden. Gibt es niemanden, dem Sie vertrauen, möchte ich Ihnen einen Anruf bei der «Dargebotenen Hand – Telefon 143» ans Herz legen.

Gott kennt Ihren Schmerz

Falls Sie gemobbt wurden oder werden, will ich Ihnen noch zwei Dinge sagen: Bitte lesen Sie meine Kolumne, die ich vor drei Wochen geschrieben habe. Darüber, wie wertvoll Sie in den Augen von Gott sind. (Hier klicken)

Und dann noch das: Gott kennt Ihren Schmerz. Er lässt Ihr Schicksal zu, das tut mir leid. Oft verstehe ich nicht, warum Gott Böses zulässt. Was ich aber immer wieder in schwierigen Momenten spüre: Wie Gott mich tröstet, mir Mut schenkt und mich aufbaut.

Wann immer ich in Not bin, rufe ich zu Jesus Christus. Dafür muss man kein Bibelkenner sein, keine Kirche besuchen, keine tollen Worte auswendig lernen. Alles, was es dafür braucht, ist, dass Sie ein Gebet wagen wollen.

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Das Wichtigste im Leben von Sam: Jesus Christus. - Printscreen «The Chosen»

Nicht sicher, dass Jesus Ihre Herausforderungen deswegen sofort aus dem Weg räumt. Aber ganz sicher ist: Er wird Ihnen neue Hoffnung schenken und Sie durchtragen.

Danke fürs Lesen! Ich wünsche Ihnen Trost, Hoffnung, Kraft und dass jede Wunde, die Mobbing in Ihrem Leben riss, heilen und dass Mobbing für immer aus Ihrem Leben verschwinden möge.

Liebe Grüsse, Sam

***

Zum Absender:

Sam Urech ist 37-jährig, verheiratet und Vater von zwei Buben. Mit seiner Familie besucht er die Freikirche FEG Wetzikon. Sam ist selbständiger Kommunikationsberater und in Ausbildung zum Seelsorger.

Er liebt seine Familie, Gimmelwald, Schwarzmönch Black Ale, den EHC Wetzikon, Preston North End und vor allem Jesus Christus. Sam schreibt wöchentlich auf Nau.ch über seine unverschämt altmodischen Ansichten. Wenn Sie hier klicken, finden Sie alle seine Halleluja-Kolumnen.

Fragen oder Anregungen? Sie erreichen Sam via samurech.ch

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