«Werde App löschen»: Instagram bringt Werbe-Zwang
Erste Schweizer User können Instagram nicht mehr wie gewohnt nutzen. Lehnen sie personalisierte Werbung ab, blockiert Werbung das Scrollen auf der App.

Das Wichtigste in Kürze
- Instagram fordert User auf, zwischen personalisierter Werbung und einem Abo zu wählen.
- Inzwischen führt der Konzern Meta die neuen Regeln auch auf Schweizer Accounts ein.
- «Meta wird damit einige User vergraulen», sagt Digitalexperte Jean-Claude Frick.
Die beliebte Social-Media-App Instagram stellt ihre User vor eine unangenehme Wahl. Entweder sie stimmen zu, personalisierte Werbung zuzulassen oder sie bezahlen ein Monatsabo, um die App werbefrei zu nutzen. Dieses kostet sieben Franken.
Ende März haben einige Schweizer User eine entsprechende Aufforderung erhalten. Auch die Nau.ch-Redaktion hat bereits Erfahrungen damit gemacht.
Wählt man die Option «weniger stark personalisierte Werbung», bestrafen Instagram und Facebook den User gleich mit Werbepausen. Beide Apps gehören zum Meta-Konzern.
Erst nach einer jeweils fünfsekündigen Werbepause ist es möglich, weiterzuscrollen. Stimmt man hingegen nachträglich der Option «personalisierte Werbung» zu, verschwinden die mühsamen Scroll-Stops.
Instagram droht unattraktiv zu werden
Um die App weiterhin ungestört nutzen zu können, werden viele User wohl oder übel der personalisierten Werbung zustimmen.
Meta könnte sich mit dem Werbezwang aber auch ins eigene Fleisch schneiden. Die lästigen Werbepausen erinnern an Websites mit Ladeschwierigkeiten. Bekanntlich klickt man diese schnell weg, wenn man sie nicht unbedingt besuchen muss.
Instagram und Facebook könnten im Trend des Digital Detox dadurch noch mehr an Attraktivität verlieren.
«Ich lösche die App»
Im Sommer 2025 wurde bekannt, dass Meta das neue Modell in Europa ab Januar schrittweise einführt.
Doch: Langjährige Instagram-User wollen sich den Werbezwang nicht gefallen lassen.
«Ich muss fünf Sekunden meiner Lebenszeit nicht mit Werbung auf Instagram verschwenden», sagt etwa eine 24-jährige Userin zu Nau.ch. «Ich lösche die App, sobald mein Account auch davon betroffen ist.»
Eine Zürcherin (36) regt sich auch bereits auf. «Werbung ist nervig – lieber verzichte ich auf Instagram», sagt sie.
«Meta weiss längst alles»
Ein US-Gericht hat Meta kürzlich wegen der Suchtgefahr seiner Plattformen verurteilt. Laut Jean-Claude Frick, Digitalexperte bei Comparis, führt der Konzern den Werbezwang deshalb in einer heiklen Phase ein.
«Meta wird damit einige User vergraulen», sagt er zu Nau.ch. Kritische User fragten sich nun erst recht, ob sie die App wirklich nötig hätten.

Ob User der personalisierten Werbung zustimmen oder nicht, spielt laut Frick aber keine Rolle. «Meta weiss längst alles über seine User», sagt er. Wer die neue Option wähle, stimme lediglich «noch mehr» personalisierter Werbung zu.
«Auch wird man weiterhin mit Schrottwerbung zugemüllt.» Den Geschmack der User treffe die App trotz personalisierter Werbung nach wie vor schlecht, stellt er fest. User, die ihre eigenen Daten schützen wollten, bleibe nur eines: «Die App löschen.»
«Presst allerletzte Zitrone aus»
Plattformen können personalisierte Werbung laut dem Digitalexperten viel teurer verkaufen als klassische Werbung. «Meta presst mit dem Werbezwang die allerletzte Zitrone aus.» Die Investitionen des Konzerns in KI verschlingt unfassbar viel Geld.
Frick geht aber nicht davon aus, dass die User Instagram und Facebook wegen der neuen Regeln in Massen verlassen werden. Meta sei sich seiner dominanten Stellung bewusst.
«Viele User wie zum Beispiel Influencer haben dort ihr Business aufgemacht», sagt Frick. Alternative Plattformen, welche die gleichen Bedürfnisse abdeckten, gebe es zurzeit nicht.

















