Social Media macht süchtig – das erwartet die Schweiz jetzt

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Zürich,

Es ist eine Premiere: Ein US-Gericht verurteilt Meta und Google wegen süchtig machender Social-Media-Portale. Experten schätzen das Urteil als bedeutend ein.

facebook meta zuckerberg
Sein Unternehmen ist verurteilt worden: Facebook-Gründer und Meta-CEO Mark Zuckerberg. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Instagram, Youtube und Co. machen süchtig. So urteilen die Richter in den USA.
  • Eine 20-Jährige soll deswegen eine Millionen-Entschädigung erhalten.
  • Das Urteil könnte auch auf die politische Debatte in der Schweiz Einfluss nehmen.

«Das ist ein bedeutendes Urteil», sagt Angela Müller, Geschäftsleiterin der Algorithmen-Überwachungs-Organisation AlgorithmWatch Schweiz.

Ein Gericht hat Meta (Facebook, Instagram) und Alphabet (Google, Youtube) erstmals für die psychischen Folgen von Social-Media-Sucht haftbar gemacht.

Die Geschworenen in Los Angeles sprachen der Klägerin (20) als Wiedergutmachung für ihre psychischen Probleme drei Millionen Dollar zu.

Das Urteil könne vor allem deshalb ein Gamechanger sein, weil es diesmal nicht um die Inhalte der Plattformen gehe. «Dort gilt das Haftungsprivileg und es gibt somit oft kaum Handhabe», sagt Müller. Sondern um das Design und die Algorithmen der Dienste von Instagram und Co.

Also um Dinge, die Inhalte bewusst verstärken und emotionalisieren. Manipulative Design-Tricks auf Social-Media-Plattformen wie die Autoplay-Funktion oder der Infinite-Scroll, bei dem nie ein Seiten-Ende erreicht wird.

«Es geht bei diesem Urteil also um den Kern der Geschäftsmodelle dieser Plattformen», so Angela Müller. Diese wüssten selber am besten um deren Folgen, würden sich aber bewusst dafür entscheiden.

Urteil für Meta und Google hat «Potenzial für Präzedenzfall»

Auch KI- und Social-Media Experte Mykola Makhortykh von der Uni Bern geht davon aus, dass das Urteil etwas umstossen kann.

«Diese Entscheidung hat sicherlich das Potenzial, einen Präzedenzfall zu schaffen», sagt er. Er könnte also zum Fall werden, der in Zukunft als Beispiel oder Vorlage für künftige Entscheide dient. Wir müssten aber auch abwarten, wie der Fall ausgeht, meint Makhortykh.

Da Meta und Google in Berufung gehen wollen, «könnte es eine Weile dauern, bis die endgültige Entscheidung vorliegt.»

Dennoch sei das Urteil auch deshalb wichtig, weil noch hunderte weitere solcher Klagen in der Pipeline stünden, so Angela Müller.

Spürst du, dass Instagram und Co. süchtig machen?

In der Schweiz werde es sicher die politische Debatte beeinflussen. Die Vernehmlassung zum bundesrätlichen Gesetzesentwurf zur Regulierung von Online-Plattformen wie Instagram, X oder Google wurde am 16. Februar 2026 abgeschlossen.

«Der Entwurf hat wenig Jugendschutz-Massnahmen drin, was wir bemängeln», so Müller. Sie hofft, dass sich dies nun noch ändern wird.

Aufwind für Social-Media-Verbot

Medien- und Kommunikations-Experte Makhortykh erwartet «keine sehr raschen und unmittelbaren Veränderungen». Denn: «Die Regulierung digitaler Kommunikationstechnologien entwickelt sich in der Schweiz eher schrittweise.»

Eine unmittelbare Konsequenz könne jedoch sein, dass Meta und Co. nun überdenken, wie ihre Plattformen funktionieren sollten. Schliesslich haben sie ein Interesse daran, zu vermeiden, dass sie in Zukunft mit vielen weiteren ähnlichen Gerichtsverfahren konfrontiert werden.

Instagram Youtube
Instagram und Youtube machen süchtig. Gerade bei Jugendlichen kann das psychische Probleme verursachen. - pexels

Das könnte jedoch eine Herausforderung an sich sein, so der Experte. «Die meisten beliebten Social-Media-Plattformen sind darauf optimiert, Aufmerksamkeit zu erregen.» Und hätten somit das Potenzial, Sucht zu verstärken.

Nicht zuletzt gebe das Urteil wohl auch der Diskussion um ein Social-Media-Verbot neuen Aufwind, sagt Angela Müller. «Ein Verbot ändert aber nichts am Geschäftsmodell der Plattformen», so die Geschäftsleiterin von AlgorithmWatch Schweiz.

Kommentare

User #4040 (nicht angemeldet)

was für spinner die immer von sucht sprechen nur beim arbeiten da spricht nimnd dafon 🤣🤣🤣🤣

User #2574 (nicht angemeldet)

Denk daran wenn du die Haustüre öffnest.

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