Luzia Tschirky wurde im Februar in Minsk festgenommen. Derzeit reist die Korrespondentin von SRF nicht nach Belarus. Aus gutem Grund, wie Amnesty erklärt.
SRF Tschirky
Luzia Tschirky wird für eine Einschätzung zur Lage in Belarus bei SRF «10vor10» zugeschalten. - Screenshot SRF

Das Wichtigste in Kürze

  • Luzia Tschirky (31) steht wegen der Belarus-Vorfälle bei SRF fast täglich vor der Kamera.
  • Die SRF-Korrespondentin reist wegen der unsicheren Situation zurzeit nicht nach Belarus.
  • Für Amnesty Schweiz ist dies keine Überraschung.

Am Sonntag zwang der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko eine Ryanair-Maschine in Minsk zur Notlandung. Der Flieger musste angeblich wegen einer Bombendrohung in Minsk notlanden, verteidigte Lukaschenko auch gestern Mittwoch.

Und stellte die skurrile Behauptung auf, der Hinweis auf eine Bombe sei von der Schweiz gekommen. Die Schweizer Behörden dementierten.

Lukaschenko verteidigt erzwungene Landung
Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, spricht vor dem Parlament in Minsk.
Blogger Protassewitsch
Der belarussische oppositionelle Blogger Roman Protassewitsch Roman Protassewitsch meldet sich aus der U-Haft in Minsk.

An Bord der Maschine befand sich unter anderem der von Lukaschenko gesuchte Blogger Roman Protassewitsch und seine Freundin. Kurz nach der Landung wurden beide festgenommen. Einige Länder verhängten nach dieser Aktion Sanktionen gegen Belarus. Auch in der Schweiz dürfen die Belavia-Flüge nicht mehr fliegen oder landen.

Journalistin von SRF bleibt Belarus vorerst fern

Dass Lukaschenko und sein Gefolge gegen jegliche kritische Stimmen – allen voran Journalisten – rigoros vorgeht, ist schon länger bekannt. Auch die Schweizer Journalistin Luzia Tschirky musste dies bereits am eigenen Leib erfahren. Ende Januar wurde die SRF-Korrespondentin in Minsk für einige Stunden «ohne Erklärung» festgenommen.

Doch davon lässt sich die Korrespondentin nicht zurückschrecken und gibt sich weiterhin gerne kritisch gegenüber der Regierung in Belarus. Bei «10 vor 10» am Dienstagabend lässt sie verlauten, das spürbare Sanktionen gegen Lukaschenko bisher noch auf sich warten lassen.

Diese Woche wird die Korrespondentin bei SRF fast täglich in die News-Sendungen zugeschaltet. Die erst 31-Jährige steht zum Fall von Protassewitsch und der allgemeinen Machtspirale in Belarus Rede und Antwort. Mutig, unerschrocken und professionell.

Luzia Tschirky Belarus SRF
Luzia Tschirky ist Korrespondentin beim Schweizer Fernsehen SRF. - SRF

Dass Tschirky aus Moskau zugeschaltet wurde, hat seinen Grund. Die Ereignisse Anfang Jahr gingen am SRF nicht spurlos vorbei.

Auf Anfrage von Nau.ch sagt SRF: «Luzia Tschirky reist aufgrund der unsicheren Situation in Belarus zurzeit nicht ins Land ein.»

Amnesty warnt vor unberechenbarem Regime

Auch Reto Rufer, Mediensprecher von Amnesty Schweiz, äussert sich auf Anfrage zu den Geschehnissen in Belarus: «Das belarussische Regime hat mit der erschreckenden Verhaftung von Roman Protassewitsch einmal mehr seine Unberechenbarkeit gezeigt. Und demonstriert, dass es vor kaum etwas zurückschreckt.»

Dass Luzia Tschirky sich derzeit aus Belarus fernhält, hält Rufer für die richtige Massnahme: «Auch drastische Massnahmen gegen Journalisten nicht-belarussischer Nationalität können leider nicht mehr ausgeschlossen werden.»

Belarus Opposition in Exile
Präsident Alexander Lukaschenko begrüsst Beamte der Bereitschaftspolizei in der Nähe des Palastes der Unabhängigkeit in Minsk. (Archivbild) - Keystone

Die Gangart von Lukaschenko wird sich wohl auch in Zukunft nicht so schnell ändern, glaubt Rufer. Generell habe das Regime in den letzten Monaten seine Repressionsmassnahmen gegen jegliche kritische Stimme weiter verschärft. «Und dabei zunehmend gezielt Journalisten ins Visier genommen. Regierungskritische Berichterstattung durch belarussische Journalisten ist kaum mehr möglich – viele von ihnen sind in Haft», so Rufer.

Mehr zum Thema:

Bombendrohung Regierung Ryanair Haft SRF