Alexander Lukaschenko zwang das Flugzeug mit dem Blogger Roman Protassewitsch an Board zur Landung in Belarus. Das EDA fordert nun dessen Freilassung.
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Alexander Lukashenko, Präsident von Belarus. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Der belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko liess eine Ryanair-Maschine landen.
  • Anschliessend wurde der international gesuchte Blogger Roman Protassewitsch verhaftet.
  • Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten fordert dessen Freilassung.

Ryanair hat bestätigt, dass ein Flieger auf dem Weg von Athen in die litauische Hauptstadt Vilnius nach Belarus umgeleitet wurde. Die Besatzung des Fluges sei von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt worden. Sie sei angewiesen worden, zum nächstgelegenen Flughafen in Minsk zu fliegen.

Zur Begleitung sei auch ein Kampfjet des Typen MiG-29 aufgestiegen, wie der Flughafen bestätigte. Später habe sich die Information über die mutmassliche Bombe als Fehlalarm herausgestellt.

Verhafteter Journalist gründete oppositionellen Nachrichtenkanal

An Bord war auch der vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Roman Protassewitsch. Dieser wurde nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna in Minsk festgenommen. Oppositionelle sprachen am Sonntag von einem beispiellosen Eingriff in den internationalen Luftraum.

Auch der oppositionelle Nachrichtenkanal Nexta (Gesprochen Nechta) bestätigte die Festnahme seines Mitbegründers und früheren Redakteurs. Lukaschenko habe unter Verstoss gegen alle Gesetze ein Flugzeug «gekapert», kritisierte der Kanal.

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Polizisten verhaften im März 2017 den Journalisten Raman Pratasevich in Minsk. (Archivbild) - Keystone

Die Behörden in Belarus hatten Nexta als extremistisch eingestuft. Der Kanal hatte im vergangenen Jahr nach der umstrittenen Präsidentenwahl immer wieder zu Massenprotesten gegen Alexander Lukaschenko aufgerufen. Der Blogger Protassewitsch gehört zu den vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen, denen Lukaschenko selbst den Kampf angesagt hat.

Alarm wegen angeblicher Bombe an Bord – Alexander Lukaschenko gibt Landebefehl

Der KGB hatte den Journalisten auf eine Liste mit Menschen setzen lassen, denen die Beteiligung an terroristischen Handlungen vorgeworfen werde. Das berichtete das Portal tut.by bei Telegram. Nach Angaben von Belta hatte Lukaschenko nach einem Sprengsatz-Alarm das Kommando gegeben, das Flugzeug landen zu lassen.

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Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, hält bei der Zeremonie zu seiner Amtseinführung eine Rede. (Archivbild) - dpa

Litauens Präsident Gitanas Nausėda forderte die sofortige Freilassung des Aktivisten Protassewitsch. «Das ist ein nie dagewesener Vorfall (...) Das Regime von Belarus steht hinter dieser abscheulichen Aktion», schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

Auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA fordert auf Twitter die Freilassung aller Passagiere. «Inklusive Raman Pratasevich».

Die Ryanair-Maschine landete anschliessen mit mehr als achtstündiger Verspätung auf dem Flughafen der litauischen Hauptstadt Vilnius. Neben dem festgenommenen Protassewitsch haben gemäss die früheren Kulturminister Pawel Latuschko weitere Passagiere die Weiterreise nicht antreten dürfen. Darunter sei auch ein Bürger aus Belarus und vier Russen. Der Oppositionelle Latuschko lebt in der EU im Exil.

Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

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