Ex-SRF-Meteorologe Felix Blumer: «Bin auf Jagd nach Polarlichtern!»
Unser Kolumnist Felix Blumer war in der ersten Monatshälfte in Lappland – und traf dort den Winter. Hier seine Eindrücke von eisigen Wintertagen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der ehemalige SRF-Meteorologe Felix Blumer schreibt heute seine erste Kolumne für Nau.ch.
- Auf einer 14-tägigen Skandinavien-Reise verbringt er ein paar Tage in finnisch Lappland.
- -28 Grad zeigt das Thermometer. Das erlebte Blumer letztmals vor mehr als 40 Jahren.
Die erste Monatshälfte im Februar bin ich in Skandinavien unterwegs – primär auf der Jagd nach Polarlichtern.
Von Oslo geht es mit dem Zug nach Bergen. Und von dort mit dem Schiff der norwegischen Küste entlang bis ans Nordkap. Diese Route habe ich bereits 17 Mal auf Studienreisen absolviert. Obwohl die Fahrt weit über den Polarkreis hinaus nach Norden führt, ist es dort selten kalt.
Der Einfluss des warmen Golfstroms ist dort so gross, dass selbst im Hochwinter Temperaturen unter -10 Grad eher selten sind. Im Dezember bei meiner letzten Reise lagen die Temperaturen auf den Lofoten zeitweise bei +8 Grad.
Auf die Beobachtung von spektakulären Polarlichtern hat dies aber keinen Einfluss.

Östlich der Nordkaps schlägt der Winter zu
Der nördlichste Punkt des europäischen Festlandes ist das Nordkap, auf rund 71 Grad Nord gelegen. Östlich des Kaps sinkt die Temperatur rasch ab.
Der Golfstrom verliert an Einfluss, und die Temperaturen sinken mit jedem Kilometer Schifffahrt weiter ab.
Endstation ist Kirkenes. Ein Ort mit rund 3500 Einwohnern, unweit der russischen Grenze. Hier können die Temperaturen locker unter -10 Grad sinken. Ab und zu treiben auch Eisschollen auf dem Fjord.

Mit dem Bus ins Gefrierfach
Dieses Mal sind wir auf einer neuen Route unterwegs. Vom norwegischen Kirkenes fahren wir zuerst ins Pasviktal. Schon dort treffen wir auf tiefverschneite Wälder.
Ein Hauch russischer Taiga umgibt uns, im fahlen Mittagslicht ist dies eine magische Erfahrung. Wir besuchen das Nationalpark-Museum. Üppiges Grün und eine grosse Pflanzenvielfalt machen die Gegend auch zu einer sehr attraktiven Sommerdestination.
Krass sind die Temperaturgegensätze: Im Winter kann es unter -30 Grad gehen, im Sommer aber auf +30 Grad. Von hier geht die Fahrt über die finnische Grenze nach Süden. Nach Süden heisst in diesem Fall aber nicht wärmer, ganz im Gegenteil.

Saariselkä, das St. Moritz Finnlands
Unser Ziel ist Saariselkä. Dieser Ort im finnischen Lappland zählt nur rund 300 permanente Einwohner, hat aber in der winterlichen Hochsaison bis zu 10'000 Gäste in einer Nacht.
Dies ist kein Wunder bei diesem unglaublichen Freizeitangebot. Dazu gehören ein Besuch auf einer Rentierfarm mit einer Schlittenfahrt, Schneeschuhwanderungen, Ausfahrten mit Schneetöffs, Huskytouren (an mir ging wohl ein grosser Musher verloren) – und auch nordischer und alpiner Skisport kann betrieben werden.

Winterzauber an den Bäumen
Herausragend ist auf dieser Reise die verschneite Landschaft. Alles ist gefroren. Anfang Januar gibt es hier -40 Grad, jetzt liegen die Tiefstwerte bei rund -28 Grad.
Es ist schon fast mild, obwohl ich so tiefe Temperaturen seit einem Skilager in der Mittelschule im Val Müstair nie mehr erlebt habe.
Da in den Tagen vor unserer Ankunft ergiebig Schnee fällt, aber weitgehend ohne Wind, geben die Bäume bizarre Formen ab. Dazu wird die Landschaft in magisches Dämmerungslicht versetzt.

Der Himmel ist zwar meist blau, aber die eisige Luft sorgt wenige Meter über Grund für eine eisige Dunstschicht. Da im Februar die Sonne nur wenig über den Horizont steigt, verharrt sie meist in dieser Schicht.
Die Folge sind nicht nur rötliches Dämmerlicht, sondern auch spektakuläre Haloformen.
Finnland, schon im März komme ich wieder!

Zur Person
Felix Blumer (65) ist promovierter ETH-Abgänger. Mehr als 20 Jahre war er für SRF als Meteorologe tätig. Schon seit 2005 führt er seine eigene Firma. Der Meteounternehmer ist heute Wetterbotschafter auf dem Säntis und führt Studienreisen für Cotravel auf fast allen Kontinente durch. Daneben hält er zahlreiche Vorträge zu Wetter und Klima.












