Tausende Schriftsteller weltweit haben den Ukraine-Krieg kritisiert. In einem offenen Brief fordert die Vereinigung der Autoren der Schweiz Sanktionen.
Viele Schriftsteller können kaum ohne ihr Schreibmaschine leben.
Viele Schriftsteller können kaum ohne ihr Schreibmaschine leben. - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Tausende Schriftsteller weltweit haben den Ukraine-Krieg scharf kritisiert.
  • In einem offenen Brief forderten auch Schweizer Autorinnen und Autoren Solidarität.

Ob aus der Schweiz oder vielen anderen Ländern weltweit: Über tausend Schriftsteller, darunter mehrere Nobelpreisträger, haben ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk in «seinen dunkelsten Stunden» bekundet.

«Wir appellieren an die Schweiz, im Rahmen ihrer Möglichkeiten mit allem Nachdruck zu intervenieren und die ukrainische Bevölkerung zu unterstützen», schreib etwa die Vereinigung der Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS) am Montagnachmittag, zur gleichen Zeit, als der Bundesrat bekannt gab, dass sich die Schweiz die den EU-Sanktionen gegen Russland anschliesst.

Ohne Solidarität sei Neutralität «nur eine leere Floskel». «Unsere Solidarität muss heute Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben», liess sich Nicolas Couchepin, Präsident des AdS in der Mitteilung zitieren.

Autoren fordern Redefreiheit

Auch das Deutschschweizer PEN Zentrum (DSPZ) klagte, dass der russische Präsident «nur noch die Waffen sprechen» lasse und den «Frieden zwischen den Sprachen und Religionen in der Ukraine und dieser Nation mit ihren Nachbarn für endgültig gescheitert» erklärt habe. Das DSPZ hält an diesem Frieden fest und fordert «die Freiheit des Wortes in Schrift und Rede und die Freiheit der Künste» ein. Darüber hinaus verlangt das DSPZ «die volle Solidarität mit den Verfolgten und offene Grenzen für die Flüchtlinge».

Die Erklärung hat der Vorstand des DSPZ veröffentlicht, ohne sie bis anhin den Mitgliedern vorgelegt zu haben. Zu ihnen gehören etwa Dorothee Elmiger, Eveline Hasler, Franz Hohler, Charles Lewinsky, Milena Moser, Adolf Muschg, Paul Nizon, Michail Schischkin oder Beatrice von Matt.

Franz Hohler
Franz Hohler bei einer Lesung im April 2019. - Keystone

Zur Intention dieser Erklärung sagte Daniel Rothenbühler, Präsident des DSPZ, gegenüber Keystone-SDA: «Wir wollen den Widerstandsgeist gegen den Überfall und gegen die Verletzung elementarster Prinzipien des Menschen- und Völkerrechts, die damit einhergeht, stärken.» Dazu sehe sich das DSPZ wie PEN International verpflichtet.

Der Schriftstellerverband PEN International hat einen offenen Brief auch auf Ukrainisch und Russisch veröffentlicht. Darin zeigt sich der Verband «bestürzt über die von den russischen Streitkräften gegen die Ukraine entfesselte Gewalt» und ruft «dringend zu einem Ende des Blutvergiessens auf».

Unterzeichnet von Nobelpreisträgern

Zu den Unterzeichnern gehören neben den Literaturnobelpreisträgern Olga Tokarczuk (Polen), Swetlana Alexijewitsch (Belarus) und Orhan Pamuk (Türkei) zahlreiche weitere namhafte Autoren wie Salman Rushdie, Margaret Atwood, Paul Auster, Jonathan Franzen, Joyce Carol Oates oder Elif Shafak. Auch die russische Schriftstellerin Ljudmilla Ulitzkaja gehört zu den Unterzeichnern ebenso wie die philippinische Journalistin Maria Ressa, die im vergangenen Jahr gemeinsam mit ihrem russischen Kollegen Dmitri Muratow den Friedensnobelpreis erhalten hatte.

Gemeinsam verurteilten die über tausend Autoren in ihrem Schreiben den vom russischen Präsidenten Wladimir Putin geführten «sinnlosen Krieg». Dieser weigere sich, «das Recht des ukrainischen Volkes zu akzeptieren, ohne Moskaus Einmischung über seine künftige Zugehörigkeit und Geschichte zu diskutieren».

dimitri muratow
Dmitri Muratow - AFP

«Wir sind vereint in der Unterstützung von Schriftstellern, Journalisten, Künstlern und allen Menschen in der Ukraine, die ihre dunkelsten Stunden durchleben», heisst es in dem Brief weiter. «Wir stehen an Ihrer Seite und fühlen Ihren Schmerz.»

Kreml-Kritiker Muratow, dessen Zeitung «Nowaja Gaseta» wegen ihrer Berichte über die zivilen Todesopfer in der Ukraine erneut unter Druck der russischen Behörden steht, hatte bereits vor Tagen in einer Videobotschaft seine «Scham» über Putins Einmarsch zum Ausdruck gebracht.

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