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Pendler hört bei Kontrolle zu – SBB-Polizist droht mit Konsequenzen

Rowena Goebel
Rowena Goebel

Bern,

Zoff auf dem Perron am Bahnhof Bern: Ein SBB-Polizist droht einem Passagier Konsequenzen an, weil er bei einer Kontrolle zuhört.

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Frühmorgens am Bahnhof Bern geht ein SBB-Transportpolizist einen Pendler «ruppig» an, weil er in der Nähe einer Kontrolle stehen bleibt. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein SBB-Polizist geht einen Passagier auf dem Perron «ruppig» an, weil er während einer Kontrolle zu nahe stehen blieb.
  • Der Passagier findet, er habe nichts falsch gemacht und versteht nicht, warum er so behandelt wurde.
  • Die SBB erklärt, bei Kontrollen müsse man Abstand halten, weil auch über schützenswerte Personendaten gesprochen wird.

Zugpassagier Adrian S.* (31) kommt vergangenen Sonntagmorgen verwirrt vom Ausgang nach Hause. «Ich weiss nicht, was ich genau falsch gemacht habe», sagt er zu Nau.ch.

Der Oberaargauer besuchte die Houschnitzuparty in Herzogenbuchsee BE und traf sich dabei mit vielen alten Freunden. «Wir hatten eine tolle Zeit», sagt er.

Es wurde spät – irgendwann hatte S. den letzten Nachtbus verpasst und beschloss, zu einem seiner Freunde zu gehen und am Morgen den Zug zu nehmen.

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Der Zwischenfall spielte sich um kurz vor 6.30 Uhr am Bahnhof Bern ab. - keystone

Gesagt, getan. Um kurz vor 6.30 Uhr kommt er am Bahnhof Bern an. Er muss einige Minuten auf seinen Anschlusszug warten.

Auf dem selben Perron herrscht Trubel – zwei Kontrolleurinnen und zwei SBB-Transportpolizisten sprechen laut mit einem Jugendlichen. «Ich hörte, dass er kein Zugbillett hatte. Das Gespräch wirkte auf mich recht hitzig», sagt S. zu Nau.ch.

«Dachte, ich halte genug Abstand»

Weil er eh auf dem Perron warten muss, beschliesst er, in ein paar Metern Entfernung stehen zu bleiben. «Ich dachte, dass es vielleicht weniger eskaliert, wenn noch andere in der Nähe sind. Ich ging davon aus, dass ich genug Abstand halte – ich hörte nur Gesprächsfetzen.»

Trotzdem: Das ÖV-Personal wird auf ihn aufmerksam.

«Eine der Kontrolleurinnen fragte mich, ob ich zum Jugendlichen ohne Billett gehöre.» Der Berner verneint und sagt, er warte nur auf seinen Zug.

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Ein SBB-Transportpolizist wurde persönlich und drohte mit Konsequenzen – weil ein Berner in der Nähe einer Kontrolle stehen blieb. (Symbolbild) - keystone

Doch hier scheint es zu einem Missverständnis zu kommen.

Kurz darauf spricht ihn nämlich auch einer der SBB-Transportpolizisten an. «Er wirkte direkt gereizt», berichtet Adrian S.

Der Transportpolizist will wissen, warum er immer noch hier stehe, die Kontrolleurin habe ihn aufgefordert, zu gehen. S. widerspricht – das habe sie nicht gesagt.

«Ich bin ruhig geblieben und habe in meinen Augen nichts falsch gemacht. Es ist doch nicht verboten, auf dem Perron zu stehen!», sagt S. Trotzdem wird die Situation noch unangenehmer.

Bist du schon einmal von der Transportpolizei kontrolliert worden?

Dass er nicht weggegangen sei, habe «Konsequenzen», droht ihm der Transportpolizist. Er müsse seine Personalien angeben, dann erhalte er einen «eingeschriebenen Brief».

Adrian S. kooperiert. Der Polizist findet ihn in der SBB-Datenbank.

Kein Wunder: «Ich war lange GA-Kunde», sagt der 31-Jährige, der einen guten Job habe und ein anständiger Bürger sei. In dem Moment nützt ihm das aber nichts.

«Er meinte, ich solle mich mal anschauen, wie ich hier sturzbetrunken herumstehe. Ich kam mir vor wie ein Gauner», klagt er.

Er sei keinesfalls «sturzbetrunken» gewesen und habe sich auch nicht quergestellt oder aggressiv verhalten. «Ja, ich hatte am Abend getrunken, war noch nicht ganz nüchtern und müde. Aber ich war voll bei Sinnen», betont S.

Zurück zu Hause fühlt er sich ratlos. Hätte er die Situation anders handhaben müssen? Und warum wurde er so «ruppig» angegangen?

SBB: Darum muss man bei Kontrolle Abstand halten

Die SBB bestätigt auf Anfrage von Nau.ch, dass S. am Sonntagmorgen seine Personalien hinterlegen musste. Konsequenzen oder einen Brief habe er aber nicht zu befürchten.

Auch, dass eine Person auf dem Perron kontrolliert wurde, bestätigt sie. Aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen könne sie aber nicht auf weitere Details eingehen.

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Die SBB-Transportpolizei ist angehalten, die Personendaten der kontrollierten Personen zu schützen. - keystone

Sprecher Reto Schärli erklärt: «Bei Kontrollen werden Personalien erfasst und Sachverhalte festgehalten – es handelt sich also um einen Vorgang mit schützenswerten Personendaten.»

Darum würden Kontrolleure und Kontrolleurinnen und die Transportpolizei angehalten, Kontrollen so durchzuführen, dass die Privatsphäre der kontrollierten Person gewahrt bleibe.

«Dazu kann auch gehören, umstehende Personen zu bitten, Abstand zu halten.»

«Hielt sich im Rücken der Polizisten auf»

Hauptgrund für das «ruppige» Verhalten des Transport-Polizisten dürfte also das Missverständnis nach dem Gespräch mit der Kontrolleurin gewesen sein.

Adrian S. hatte das Gespräch nicht als Aufforderung interpretiert, mehr Abstand zu halten. Der Polizist ging jedoch davon aus, dass er gebeten wurde, zu gehen – dies aber nicht tat.

SBB-Sprecher Schärli sagt: «Die Aufforderung an die Person, Abstand zu halten, erfolgte, weil sie sich im Rücken der Polizisten während einer Personenkontrolle aufhielt. Da sie dieser Aufforderung zunächst nicht nachkam, wurden in der Folge auch ihre Personalien aufgenommen.»

«Sturzbetrunken»: Persönlich werden geht nicht

Den «sturzbetrunken»-Spruch hätte sich der SBB-Polizist aber wohl verkneifen müssen.

Der interne Verhaltenskodex sei für alle Mitarbeitenden verbindlich, sagt Schärli, ohne auf den konkreten Fall einzugehen.

Sprich: «Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter verpflichtet sich zu fairem, respektvollem und korrektem Verhalten gegenüber Kundinnen und Kunden. Persönliche oder abschätzige Bemerkungen zu Fahrgästen sind damit nicht vereinbar.»

Hand aufs Herz: Würdest du in einer solchen Situation auch zuschauen oder zuhören?

Die Mitarbeitenden der Transportpolizei würden in der Grundausbildung und in regelmässigen Weiterbildungen in Kommunikation und Deeskalation geschult.

«Ziel ist stets ein professionelles, respektvolles und deeskalierendes Auftreten – unabhängig davon, wie sich das Gegenüber verhält», betont er.

*Name von der Redaktion geändert

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Kommentare

User #4895 (nicht angemeldet)

Sachliche Beleidigung gegen Berufsgruppe Polizei.🤷‍♀️

User #5195 (nicht angemeldet)

Darum meide ich den ÖV. Keine Sicherheit mehr, weigert sich Bargeld anzunehmen, überall Dreck, grundlos Schikanen.

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