So geht St. Gallen gegen Schwarzfahrer-Problem vor!

Franz Welte
Franz Welte

Stadt St. Gallen,

Der Verband öffentlicher Verkehr (VÖV) meldet einen Rekord an Schwarzfahrten. In St. Gallen liegt die Schwarzfahrer-Quote bei 1,8 Prozent. Tendenz: Besserung.

Der Gang zum Ticketautomaten in den St. Galler Stadtbusse ist nicht für alle selbstverständlich
Der Gang zum Ticketautomaten in den St. Galler Stadtbussen ist nicht für alle selbstverständlich. - pd

«Der Grossteil der Reisenden ohne gültigen Fahrausweis besteht nicht aus gutgläubigen Passagieren», sagt VÖV-Direktor Ueli Stückelberger im Interview mit der NZZ. Vielmehr handle es sich um Personen, die bewusst ohne Ticket unterwegs seien.

Darauf deuten auch die Registereinträge bei der Alliance Swiss Pass hin, die sich letztes Jahr erstmals auf über eine Million beliefen. Fast die Hälfte der Einträge betreffen Personen, die mindestens dreimal ohne gültigen Fahrausweis erwischt worden sind.

Deshalb vertritt der Branchenverband eine harte Linie. Als Grund für die Zunahme wird insbesondere eine wachsende Risikobereitschaft und die angestiegene Zahl der Fahrgäste genannt.

Die Praxis der VBSG

Inzwischen liegt die Quote der festgestellten Personen ohne gültigen Fahrausweis bei den Verkehrsbetrieben der Stadt St. Gallen (VBSG) durchschnittlich bei 1,8 Prozent, was auf eine leichte Verbesserung um 0,2 Prozent hinweist.

Weiter gibt Carmen Lama, Leiterin Kommunikation und Unternehmensentwicklung bei den VBSG, auf Anfrage hin bekannt, dass die detaillierte Auswertung mit dem Jahresabschluss erfolgt.

Die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen (VBSG) setzen auf regelmässige Billettkontrollen und eine verstärkte Präsenz, um Reisende ohne gültigen Fahrausweis zu reduzieren
Die Verkehrsbetriebe der Stadt St. Gallen (VBSG) setzen auf regelmässige Billettkontrollen und eine verstärkte Präsenz, um Reisende ohne gültigen Fahrausweis zu reduzieren. - zVg

In St. Gallen kontrolliert jede Kontrolleurin und jeder Kontrolleur durchschnittlich rund 330 Personen pro Arbeitstag. Je nach Tag werden dabei zwischen vier und acht Reisende ohne gültigen Fahrausweis festgestellt.

Dazu gehören Personen ohne Ticket, mit einem nur teilweisen gültigen Fahrausweis oder mit einem Ticket, das mit Handy erst nach Abfahrt gekauft wurde.

Die VBSG gehen davon aus, dass dieses Jahr der angestrebte Kontrollgrad von 0,8 Prozent der Fahrgäste erreicht wird, wie ihn «Ostwind» vorgibt, während er letztes Jahr leicht unterschritten wurde.

Ermessensspielraum

Der VÖV pocht gemäss Zeitungsmeldungen auf Null-Toleranz, um die Zahl der Personen ohne gültigen Fahrausweis möglichst wieder zu senken. Nach Carmen Lama wird bei den VBSG die empfohlene Null- Toleranz-Politik nicht schematisch angewendet:

«Unsere Kontrolleurinnen und Kontrolleure berücksichtigen die jeweilige Situation und verfügen über einen gewissen Ermessensspielraum. Beispielsweise zeigen wir Verständnis, wenn eine Person zunächst einer älteren Dame oder einem anderen hilfsbedürftigen Fahrgast beim Einsteigen hilft und anschliessend unmittelbar nach dem Einstieg ihr Ticket löst. Ebenso berücksichtigen wir besondere Umstände bei Personen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen.»

Aktuell würden die Mitarbeitenden in Zusammenhang mit dem Sunflower-Projekt speziell sensibilisiert. Das Sunflower-Bändel könne auf nicht sichtbare Beeinträchtigungen hinweisen, beispielsweise Autismus, ADHS, Demenz oder andere gesundheitliche Einschränkungen.

busse öv
In St. Gallen kontrolliert jede Kontrolleurin und jeder Kontrolleur durchschnittlich rund 330 Personen pro Arbeitstag. (Symbolbild) - keystone

In solchen Situationen würden die Mitarbeitenden besonders aufmerksam und situationsgerecht vorgehen. Bei Fahrgästen hingegen, die ihr Ticket entgegen den geltenden Bestimmungen erst nach dem Einsteigen oder sogar während einer Kontrolle lösen, werde eine Fahrpauschale erhoben.

Präventives Wirken

Vor zwei Jahren wurde festgestellt, dass auf der Linie 9 besonders viele Personen ohne gültigen Fahrausweis unterwegs sind, was vermuten liess, dass sich namentlich Studierende unter den Schwarzfahrern befinden.

Wie Carmen Lama betont, sind intensivere Kontrollen vorgenommen worden, sodass die Fälle reduziert werden konnten. Allgemein zeige sich, dass eine erhöhte Präsenz von Kontrolleurinnen und Kontrolleuren präventiv wirke und dazu beitrage, dass die Fahrgäste die geltenden Tarif- und Beförderungssysteme einhalten.

Kontrollen bei Verkehrsspitzen

Kontrollen werden auch zu Verkehrsspitzen-Zeiten und mitunter von zusätzlichen Kontrolleurinnen und Kontrolleuren pro Bus vorgenommen, was nicht immer verstanden wird.

Wurdest du schon einmal beim Schwarzfahren erwischt?

Nach der VBSG-Leiterin Kommunikation dient der Einsatz zusätzlicher Mitarbeitender auf stark frequentierten Linien oder in grösseren Fahrzeugen der Effizienz:

«Dadurch können die Fahrgäste innerhalb einer angemessenen Zeit kontrolliert werden. Zudem trägt der Einsatz zusätzlicher Mitarbeitender zur Gleichbehandlung aller Fahrgäste bei. So wird sichergestellt, dass möglichst alle anwesenden Personen kontrolliert werden können.»

Unterstützung durch Polizei

Nachdem die St. Galler Stadtpolizei bei ihrer Arbeit eine markante Zunahme aggressiver Personen erleben musste, stellt sich die Frage, ob sich dies auch bei den Billettkontrollen bemerkbar macht. Dazu erklärt Carmen Lama, dass die Kontrollen grundsätzlich ruhig und ohne aggressives Verhalten verlaufen.

In einzelnen Fällen komme es dennoch zu aggressivem Verhalten. In solchen Situationen könne die Unterstützung der Polizei erforderlich sein.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.

Mehr zum Thema:

Kommentare

Weiterlesen

Schwarzfahren
332 Interaktionen
Mit 80'000 Franken
Schwarzfahren
475 Interaktionen
Petition fordert
37 Interaktionen
Bern
Betreutes Wohnen
36 Interaktionen
Betreutes Wohnen

MEHR AUS ST. GALLEN

St. Gallen
1 Interaktionen
St. Gallen
St. Gallen
St.Gallen