Opfer nach Herdenhund-Angriff: Halterin hat sich nicht entschuldigt
Wochen nach der Attacke durch drei Herdenschutzhunde im Wallis wartet das Opfer noch immer auf eine Entschuldigung von der Besitzerin.

Das Wichtigste in Kürze
- Der in den Walliser Bergen attackierte Trailrunner sagt, die Herdenschutzhundebesitzerin habe sich nicht bei ihm entschuldigt.
- Es ist noch unklar, was mit den Tieren passieren wird.
- Ein ähnlicher Angriff führte 2018 zur Einschläferung eines Herdenschutzhunds.
Der Vorfall sorgte letzte Woche für Schlagzeilen: Ein Trailrunner wird Mitte Juli beim Dent-de-Valerette oberhalb von Vérossaz VS von drei Herdenschutzhunden attackiert.
Der Sportler, Mathieu Clément aus dem Kanton Freiburg, schilderte dramatische Szenen. Die Hunde hätten ihn zu Boden gerissen und mehrfach gebissen. Einer habe ihn noch minutenlang verfolgt, als er davonrannte.
Für ihn endete der Angriff in der Notaufnahme. Wochen später hinkt er noch immer, wie er erzählt. Clément betont: Er kenne die Verhaltensregeln und sei ruhig geblieben – die Hunde hätten ihn trotzdem attackiert.
Walliser Landwirtin hat sich «leider» nicht bei Opfer gemeldet
Nun sagt er zu Nau.ch, er habe «leider» noch keinen direkten Kontakt mit der Herdenschutzhundebesitzerin gehabt. «Die Halterin hat sich bis heute nicht bei mir entschuldigt und ich habe nach wie vor nichts von ihr gehört.»
Er habe aber das Walliser Veterinäramt kontaktiert, das ihm inzwischen mitgeteilt hat, es stehe im Austausch mit ihr.
«Was die Hunde betrifft: Ich weiss nicht, was aus ihnen werden wird», sagt er. Es ist also unklar, ob sie aus dem Verkehr gezogen werden könnten.
Möglich wäre es. Der Freiburger war nämlich nicht der einzige, der eine unangenehme Begegnung mit diesen Hunden im Unterwallis hatte.
In einer Facebook-Gruppe für Wanderer in der Westschweiz berichtet ein Nutzer von einem ähnlichen Erlebnis. Zwei Tage nach dem Vorfall sei er an derselben Stelle auf dieselben Hunde getroffen.
Herdenschutzhund-Attacke kann Einschläferung zur Folge haben
In der Vergangenheit ist es nach solchen Attacken auch schon zum Äussersten gekommen: 2018 biss ein Herdenschutzhund einem Wanderer im Gebiet Ergisch im Kanton Wallis ins Bein. Er wurde daraufhin eingeschläfert.
Wie der Hundebesitzer, ein Walliser Landwirt, damals gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte, habe es sich um einen Problemhund gehandelt.
Er habe alles probiert, doch «der arme Hund» sei mit zunehmendem Alter sogar noch böser geworden.
Trailrunner Mathieu Clément wartet derweil noch immer auf eine Rückmeldung von der Leiterin des Veterinäramts.
Immerhin: Auch, wenn sich die Halterin bisher nicht bei ihm gemeldet hat – tatenlos ist sie nicht geblieben. Der Walliser Wanderverband Valrando sagt dem «Nouvelliste», Der Weg sei «auf Wunsch der Landwirtin» gesperrt worden.
Hält man sich an Regeln, sollte «kein Grund zur Sorge» bestehen
Andrea Sulig vom Verein Herdenschutzhunde Schweiz betont bei Nau.ch: «Werden die Verhaltensregeln im Umgang mit Herdenschutzhunden befolgt, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge.»
Besonders wichtig sei es, zu verlangsamen oder stehen zu bleiben und den Hunden Zeit zu geben, die Situation einzuschätzen.
Sie verspricht: «Kommt es dennoch zu einem Vorfall, wird dieser individuell geprüft und die notwendigen Massnahmen entsprechend abgeleitet.»













