Wölfe töten dieses Jahr deutlich weniger Nutztiere
Die Zahl der von Wölfen gerissenen Nutztiere hat sich um mehr als die Hälfte reduziert. Wolfsabschüsse haben dazu beigetragen, sind aber nicht der Hauptgrund.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl der durch Wölfe gerissenen Nutztiere hat sich seit letztem Jahr mehr als halbiert.
- Wolfsabschüsse sind nur teilweise für den Rückgang der Risse verantwortlich.
- Wichtiger für den Schutz der Nutztiere sind Herdenschutzmassnahmen.
Die Zahl der durch Wölfe getöteten Nutztiere ist dieses Jahr stark zurückgegangen. In der laufenden Alpsaison wurden bislang 183 Nutztiere gerissen. Im gleichen Zeitraum vergangenen Jahres waren es 402 Tiere.
Letztes Jahr bewilligte der Bund in der Regulierungsperiode den Abschuss von 115 Wölfen. Davon wurden 76 Tiere geschossen. Ob zwischen den Abschüssen und den rückläufigen Rissen ein direkter Zusammenhang besteht, ist umstritten.
Wolfsabschüsse zeigen lokale Wirkung
Gegenüber «SRF» erklärt David Gerke, der Geschäftsführer der Gruppe Wolf Schweiz, dass die Wolfsregulierung nur lokal betrachtet einen Effekt habe.
Als Beispiel nennt er das Rudel Mont Tendre im Waadtländer Jura. Dieses Rudel hatte besonders viele Rinder getötet.
«Dort wurden in der Folge sehr viele Wölfe geschossen und die Zahl der Risse ging zurück», sagt Gerke. «In solchen Fällen haben die Abschüsse tatsächlich etwas bewirkt.»
Doch Gerke warnt davor, daraus voreilige Schlüsse zu ziehen. Für ihn ist das nur ein Teil des Bildes.
Auch in Gebieten, wo kaum oder gar keine Wölfe geschossen wurden, gingen die Risse zurück. «Präventive Regulationsabschüsse können lokal eine Linderung bringen», sagt er. «Sie sind aber nicht grossflächig dafür verantwortlich, dass es weniger Risse gibt.»
Herdenschutz bleibt die wichtigste Massnahme
Gerke betont, dass der Herdenschutz die zentrale Schutzstrategie bleibe. Gemeint sind Massnahmen wie Schutzzäune, Herdenschutzhunde und nächtliche Einpferchung.
Im Wallis zeigt sich das besonders deutlich. Dort wurden in der letzten Regulierungsperiode rund ein Drittel der gesamten Walliser Wolfspopulation geschossen.
Trotzdem verzeichnet das Wallis schweizweit mit Abstand die meisten Risse. In der aktuellen Saison sank die Zahl zwar. Jedoch wurden in keinem anderen Kanton bis jetzt nur annähernd so viele Tiere gerissen wie dort.
Gerke erklärt das mit dem fehlenden Herdenschutz in bestimmten Regionen.
Im Oberwallis fehlen Schutzmassnahmen
Besonders im Oberwallis ist die Lage angespannt. Er sagt: «Im Oberwallis, wo es die meisten Risse gibt, ist der Herdenschutz noch nicht so gut ausgebaut wie etwa im Unterwallis.»
Auch das Bundesamt für Umwelt hat sich die Zahlen angeschaut. Laut dem BAFU lässt sich der Rückgang der Risse mit drei Faktoren erklären: dem verstärkten Herdenschutz, den zusätzlich verfügbaren Mitteln und der Regulierung des Wolfsbestands.
Das Amt schreibt auf Anfrage von «SRF»: «Das Wolfsmanagement, das die Regulierung und den Herdenschutz umfasst, bleibt eine Daueraufgabe. Das langfristige Ziel besteht darin, die Koexistenz von Mensch und Wolf in der Schweiz zu ermöglichen.»












