Nationalrat stellt Hater zur Rede - böse Überraschung
Ein früherer Schulfreund attackiert EDU-Nationalrat Erich Vontobel vor der Abstimmung über die Neutralitätsinitiative. Das lässt dieser nicht auf sich sitzen.

Das Wichtigste in Kürze
- Unter anderem als «Abschaum» bezeichnet ein User EDU-Nationalrat Erich Vontobel in einer Facebook-Nachricht.
- Als er den Absender zur Rede stellte, musste der Nationalrat leer schlucken.
- Er habe mit ihm die Freundschaft aufgekündigt, sagt der ehemalige Schulfreund.
Friedensplakate werben für die Neutralitätsinitiative. Umso böser sind die Worte, mit denen ein Stimmbürger EDU-Nationalrat Erich Vontobel attackiert. «Mit Abschaum wie dir, du Rubelnutte oder Blocherlakai, bin ich nicht befreundet», schreibt ihm ein Facebook-User.
Weiter stellt der User mit Blick auf die Neutralitätsinitiative von Vontobels Adresse gerichtet klar: «Ich bin nicht neutral, wenn von deinen Russen seit Jahren täglich Ukrainer und Ukrainerinnen getötet oder verwundet werden.»
Der EDU-Nationalrat ist Mitglied des Abstimmungskomitees der Neutralitätsinitiative, die SVP-Doyen Christoph Blocher mit Millionen Franken unterstützt.
Die Vorlage fordert, dass die Schweiz keine Sanktionen gegen kriegführende Staaten ergreift. Gegner kritisieren diese als «Pro-Putin-Initiative», da diese der Schweiz verbieten würde, EU-Sanktionen, beispielsweise gegen Aggressionsstaaten, zu übernehmen.
Die Hassnachricht hat Erich Vontobel per Facebook-Messenger erreicht. «Ich habe eine dicke Haut, aber Nachrichten derart unter der Gürtellinie toleriere ich nicht», sagt er zu Nau.ch. Wenn eine solche Verrohung der Sprache toleriert werde, sänken auch andere gesellschaftliche Hemmschwellen, ist er überzeugt.
«Das war ihm aber wurst»
Erich Vontobel wollte den Absender zur Rede stellen. «Zuerst ging ich von einem Fake aus.» Er habe sich an einen ehemaligen Schulfreund aus Rüti ZH erinnert, der denselben Namen habe.
«Ich hatte ihn von früher als intelligenten und vernünftigen Menschen in Erinnerung. Umso mehr haben mich diese Worte überrascht», sagt der 67-Jährigen.
Über einen öffentlichen Telefonbucheintrag fand er die Nummer des Schulfreundes.
Auf dem Anrufbeantworter bat er ihn um einen Rückruf, um Klarheit zu bekommen. Kurze Zeit später klingelte es bei Vontobel – und er musste leer schlucken. «Er sagte, er habe diese Nachricht geschrieben und stehe dazu.» Entschuldigt habe er sich nicht.
Er kenne ihn von früher anders, habe er dem Bekannten erstaunt geantwortet, so Vontobel. Auch habe er ihn darauf hingewiesen, dass seine Nachricht grenzwertig sei und er den Rechtsweg beschreiten könnte. «Das war ihm aber Wurst.»
«Private politische Auseinandersetzung»
Der Absender bestätigt den Austausch mit dem EDU-Nationalrat auf Anfrage. Es habe zwischen ihnen «eine private, nicht öffentlich geführte politische Auseinandersetzung» gegeben, sagt H.L.*. Bei der Auseinandersetzung sei es um Vontobels Haltung zur schweizerischen Neutralität und zu den Russland-Sanktionen gegangen.
Seit ihrer gemeinsamen Mittelschulzeit in Wetzikon ZH habe eine Freundschaft zwischen ihnen bestanden, so L. «Im Verlauf dieser privaten Auseinandersetzung habe ich ihm die Freundschaft aufgekündigt, ihn auf Facebook/Messenger blockiert und auf X stummgeschaltet.»
Angesprochen auf die Beschimpfungen, rudert L. zurück.
«Was damit im politischen Zusammenhang gemeint gewesen war und was ausdrücklich nicht, sei erklärt worden.» Er behauptet: «Herr Vontobel als Person war damit in keinem Fall gemeint.»
Politiker sollten Absender konfrontieren
Für Erich Vontobel ist die Sache erledigt, solange keine weiteren Nachrichten unter der Gürtellinie folgen. «Vergebungsbereitschaft ist in der DNA der EDU», sagt er.
Jedoch würde er grundsätzlich allen Politikerinnen und Politikern empfehlen, Absender von Hassnachrichten zur Rede zu stellen. In der Schweiz pflegten die Politikerinnen und Politiker einen gesitteten Umgang. «Attacken unter der Gürtellinie dürfen nicht Schule machen», fordert er.
Tatsächlich gehören Anfeindungen für fast das gesamte Schweizer Parlament bereits zum Alltag. 98 Prozent aller Ständerätinnen und Nationalräte geben in einer Umfrage der Universität Zürich an, verunglimpft oder bedroht worden zu sein.
User kassiert Geldstrafe
Nicht zum ersten Mal hat sich Erich Vontobel einen Hater vorgeknöpft. 2024 hinterliess ein User auf Vontobels X-Profil Beleidigungen und Beschimpfungen.
«Ich kontaktierte den User und bot ihm an, die Sache auf sich beruhen zu lassen», sagt der Zürcher Nationalrat.
Dies, sofern er sich innerhalb von 24 Stunden entschuldige und die entsprechenden Beiträge lösche. «Für mich wäre der Fall damit erledigt gewesen.» Da der User dieses Angebot nicht annahm, erstattete Vontobel Anzeige.
Der Mann aus dem Zürcher Oberland wurde 2025 wegen übler Nachrede und Beschimpfung schuldig gesprochen. Dies zeigt der Strafbefehl, der Nau.ch vorliegt. Dafür kassierte er eine Geldstrafe von 2400 Franken plus Verfahrenskosten von 800 Franken.
*Name der Redaktion bekannt.

















