Oberland

    Darum hängen an Schweizer Bahnhöfen Mikrofone über den Perrons

    Cheri Reinhardt
    Cheri Reinhardt

    Effretikon,

    Ein Mikrofon am Bahnhof Effretikon ZH macht einen Nau.ch-Leser stutzig. Die SBB erklärt, was das Gerät misst und warum es nur an wenigen Bahnhöfen hängt.

    Bahnhof Effretikon
    Am Bahnhof Effretikon wird die Lautstärke gemessen. - keystone (symbolbild)

    Das Wichtigste in Kürze

    • An rund einem Dutzend Schweizer Bahnhöfen hängen Messmikrofone.
    • Sie messen den Umgebungslärm und regeln die Lautstärke der Durchsagen.
    • Gespräche oder andere Audiodaten werden laut SBB nicht aufgezeichnet.

    Nau.ch-Leser F.* steht am Bahnhof Effretikon ZH und stutzt. Über dem Perron bei Gleis 3 hängt ein Mikrofon.

    Das Gerät ist gut sichtbar an der Decke montiert. Wozu es dort dient, ist für Reisende allerdings nicht ersichtlich.

    F. fragt sich deshalb, was das Mikrofon eigentlich aufnimmt. Schliesslich warten darunter täglich zahlreiche Pendlerinnen und Pendler auf ihren Zug.

    Nau.ch fragt bei der SBB nach.

    Mikrofon misst den Lärm am Bahnhof

    «Beim betreffenden Gerät handelt es sich um ein dauerhaft installiertes Mikrofon zur Messung von Umgebungsgeräuschen», erklärt SBB-Mediensprecher Reto Schärli gegenüber Nau.ch.

    Gespräche oder andere Audiodaten zeichne das Gerät nicht auf. Auch Tonaufnahmen würden keine gespeichert. Stattdessen misst das Mikrofon, wie laut es am Bahnhof gerade ist. Wozu?

    Diese Werte braucht die SBB für ihre Lautsprecheranlagen. Je nach Umgebungslärm wird die Lautstärke der Durchsagen automatisch angepasst.

    Mikrofon Effretikon
    Über dem Perron bei Gleis 3 hängt in Effretikon ein Mikrofon. - zVg

    Fährt beispielsweise gleichzeitig ein Zug durch den Bahnhof, werden die Ansagen lauter. Ist es auf dem Perron ruhig, fallen auch die Durchsagen leiser aus.

    So sollen Reisende die Informationen trotz Zuglärm verstehen. Gleichzeitig will die SBB die Lärmbelastung für Anwohnende möglichst gering halten.

    Nur rund ein Dutzend Bahnhöfe haben solche Mikrofone

    Ein Standard an allen Bahnhöfen ist die Technik allerdings nicht.

    «Insgesamt ist rund ein Dutzend Bahnhöfe mit solchen Messmikrofonen ausgerüstet», sagt Schärli. Zum Einsatz kommen sie hauptsächlich dort, wo viele Züge durchfahren oder besonders laute Bedingungen herrschen.

    Neben Effretikon nennt die SBB etwa Bern Wankdorf, Zürich Oerlikon und Zürich Stadelhofen.

    Stadelhofen
    Auch am Bahnhof Zürich-Stadelhofen wird mit Mikrofonen der Umgebungslärm gemessen. - Keystone

    Neu sind die Mikrofone ebenfalls nicht. Die ersten Anlagen zur Lautstärkeregelung auf den Perrons wurden laut SBB bereits vor rund 20 Jahren installiert.

    Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

    Ein Mikrofon über den Köpfen der Reisenden wirft dennoch eine Frage auf: Wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

    Nau.ch legt den Fall deshalb auch dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten EDÖB vor.

    Dieser sieht den Einsatz grundsätzlich als unproblematisch. Sofern keine Stimmendaten verarbeitet werden, die einer bestimmten oder bestimmbaren Person zugeordnet werden können.

    Sollten solche Mikrofone am Bahnhof gekennzeichnet sein?

    Entscheidend ist dabei nicht, was das Mikrofon technisch könnte. Relevant ist laut EDÖB, ob tatsächlich Personendaten bearbeitet werden.

    Werden keine solchen Daten erhoben, besteht aus datenschutzrechtlicher Sicht grundsätzlich auch keine Pflicht, die Reisenden über das Mikrofon zu informieren.

    Hinweis auf Mikrofone könnte trotzdem sinnvoll sein

    Ganz vom Tisch ist das Thema damit aber nicht.

    Der EDÖB hält eine transparente Information über solche Mikrofone dennoch für möglicherweise sinnvoll. Sichtbare Mikrofone könnten bei Reisenden Ängste oder Spekulationen auslösen.

    Anders sähe die Situation aus, wenn tatsächlich personenbezogene Audiodaten verarbeitet würden.

    Dann müssten die Vorgaben des Datenschutzgesetzes eingehalten und die betroffenen Personen entsprechend informiert werden. Bei eigentlichen Gesprächsaufzeichnungen kämen zusätzlich Bestimmungen des Strafgesetzbuches ins Spiel.

    Beim Mikrofon in Effretikon ist das laut SBB jedoch nicht der Fall.

    *Name der Redaktion bekannt

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    Kommentare

    User #1920 (nicht angemeldet)

    Muss ich mir demnächst ein Schild umhängen: "ich habe Ohren und höre somit, was in meiner Umgebung gesprochen und habe auch Augen, mit denen ich sehe, was in meiner Umgebung geschieht"? Bloss weil ich mit diesen Organen die biotechnische Möglichkeit habe?

    User #3685 (nicht angemeldet)

    Es ist ganz normal dass zur Automatischen Lautstärkenanpassung mikrophone verwendet werden, die nicht an einem recorder hängen. Ich finde es aber wichtig dass solche mikrophone,kabel,... regelmässig und vollständig kontrolliert werden, da es verhältnissmässig einfach ist, das signal irgendwo abzuzweigen und dann mitzuhören/aufzuzeichnen.

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