Nach Katastrophe: Jetzt werben Influencer für Crans-Montana

Aaron Studer
Aaron Studer

Crans-Montana,

Der Tourismus in Crans-Montana leidet noch unter der Brandkatastrophe. Können Influencer helfen, die Destination wieder auf Kurs zu bringen?

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Können Influencer helfen, den Tourismus in Crans-Montana wieder anzukurbeln? - keystone/instagram/@nicolearrudaf

Das Wichtigste in Kürze

  • Hotels und Restis in Crans-Montana kämpfen mit den Nachwirkungen der Brandkatastrophe.
  • Doch nun posten wieder Influencer aus der Walliser Destination.
  • Eine gute Idee? Tourismusexperte Christian Gressbach ordnet ein.

Gut sechs Monate nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana kämpft das bekannte Walliser Ferienziel mit den Folgen für den Tourismus.

In einigen Betrieben sind die Besuchs- und Umsatzzahlen um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Sie mussten schliessen.

Die Zahl der Logiernächte ist zwischen Januar und April gemäss Crans-Montana Tourismus um 17,5 Prozent zurückgegangen.

Crans-Montana
Porträts der jungen Opfer beim Ort der Katastrophe in Crans-Montana. - keystone

Doch Hotels und Tourismusverantwortliche setzen alles daran, das Vertrauen der Gäste zurückzugewinnen.

Mit welchen Massnahmen will die Region den Tourismus wieder ankurbeln? Influencer spielen dabei offenbar eine Rolle. Denn: Es werden wieder Hochglanzbilder aus Crans-Montana gepostet.

«Mehrere Faktoren belasten derzeit jedoch den Markt»

Nach dem Unglück vom 1. Januar in der Bar «Le Constellation» mit 41 Toten und 115 Verletzten passte Crans-Montana Tourismus und Kongress seine Kommunikationsstrategie an, die Agentur SDA berichtet.

«Zu Beginn des Jahres haben wir aus Respekt gegenüber den Opfern und ihren Familien sämtliche Werbeaktivitäten bewusst ausgesetzt», erklärt Direktor Bruno Huggler.

Anschliessend sei die Kommunikation schrittweise und mit grosser Zurückhaltung wieder aufgenommen worden.

Huggler
Bruno Huggler, Direktor von Crans-Montana Tourisme & Congrès, hofft auf mehr Touristen. - www.crans-montana.ch

Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Katastrophe hofft der Direktor, dass Crans-Montana wieder stärker als Ferienort wahrgenommen wird.

Er ist diesbezüglich zuversichtlich: «Mit der Zeit wird man wieder mehr über die Destination als Ferienziel sprechen und weniger über die Ereignisse zu Jahresbeginn.»

Hodel zeigt Familien-Bilder aus Luxus-Hotel

Jetzt tut sich auch auf Social Media etwas.

Verschiedene Influencer posten wieder Instagram-Bilder aus Crans-Montana. Frieda Hodel (43) zum Beispiel, ehemalige Bachelorette und Unternehmerin, postet Schnappschüsse von ihrer Familie aus luxuriösen Hotels.

Hodel lebt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann – einem Walliser – im Wallis.

Auch «harrysding», ein Content-Creator-Paar aus Zürich mit fast 200'000 Followern, berichtet aus Crans-Montana. Beide Influencer-Profile posten aus demselben Luxus-Hotel, dem «Six Senses».

Die Reichweite ist enorm: Zusammen kommen die beiden Accounts auf 250'000 Tausend Follower. Das Hotel will auf Nachfrage von Nau.ch «aus Diskretionsgründen» keine Stellung zu möglichen Kooperationen mit Influencern beziehen.

Was sagt der Experte zu Posts aus Crans?

Doch ist der Einsatz von Influencern sechs Monate nach der Brandkatastrophe eine gute Idee?

Tourismusexperte Christian Gressbach findet, dass eine Tourismusdestination wie Crans-Montana nach angemessener Zeit wieder «touristischen Alltag zeigen» darf.

Denn: Authentische Inhalte und Informationen würden langfristig mehr Vertrauen schaffen als Werbekampagnen.

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Christian Gressbach ist ein Schweizer Tourismusexperte und leert an der Fachhochschule Graubünden. - www.fhgr.ch

Dies sieht Gressbach im Wallis gegeben: «Nach meinem Eindruck hat die Tourismusorganisation von Crans-Montana diesen Übergang insgesamt zurückhaltend und respektvoll gestaltet.»

Er sieht entsprechend nicht schwarz für die Zukunft der Destination. Denn auch wenn für die Bevölkerung solch ein Ereignis in traumatischer Erinnerung bleibe, erhole sich der Tourismus meist wieder.

Insofern die Verantwortlichen transparent und authentisch damit umgehen würden.

Gressbach sagt sogar, dass Influencer nach einer Tragödie wieder dazu beitragen könnten, Normalität zu vermitteln.

Jedoch gibt es eine Voraussetzung: «Der Eindruck, ein Ereignis gezielt überdecken zu wollen, sollte unbedingt vermieden werden.»

Ferienfotos von Brasil-Promi

Auch die brasilianische Content Creatorin Nicole Arruda postete im März Ferienfotos aus Crans-Montana. Sie hat 164'000 Follower auf Instagram.

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Nicole Arruda ist eine brasilianische Content Creatorin und Influencerin und hat aus Crans-Montana gepostet. - Instagram/@NicoleArruda

Die Zusammenarbeit mit Influencern gehört laut Gressbach mittlerweile zum normalen «Instrumentarium des Tourismusmarketings». Gleichzeitig steige die Zahl an «Micro-Influencern».

Dies sind Personen mit einer eher kleinen, aber oft sehr engagierten Online-Fangemeinde. Meist haben sie etwa 1000 bis 100'000 Follower.

Diese Influencer wählen extra Reiseziele aus, welche zuletzt medial im Fokus standen – ohne konkreten Auftrag von Veranstaltern. Somit sei der Einfluss und die Kontrolle von Tourismusorganisationen bezüglich der Instagram-Werbung eingeschränkt.

Influencer seit Jahren fester Bestandteil

Bruno Huggler erklärt auf Anfrage, dass die Zusammenarbeit mit Influencerinnen und Influencern bei Crans-Montana Tourismus und Kongress seit vielen Jahren ein fester Bestandteil der Kommunikationsstrategie sei – und in keinem direkten Zusammenhang mit der aktuellen Situation stehe.

Ziel sei es, die Vielfalt der Angebote und authentische Erlebnisse einer breiten Zielgruppe näherzubringen.

Influencer posten aus Crans-Montana – ist das eine gute Idee?

Derzeit seien aber «keine spezifischen Kooperationen mit Content Creators für Crans-Montana geplant», so Damian Constantin, Direktor von Valais/Wallis Promotion.

Dem weiteren Verlauf der Sommer- und Herbstsaison blickt Bruno Huggler «verhalten zuversichtlich» entgegen, sagt er zu Nau.ch.

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Vor Ort möchte man eine abwechslungsreiche Ferienatmosphäre gestalten. Diese soll auch qualitativ hochwertig sein. - keystone

Das Drama vom 1. Januar 2026 bleibe Teil der Geschichte Crans-Montanas und werde mit dem nötigen Respekt behandelt.

«Gleichzeitig möchten wir den Gästen vermitteln, dass Crans-Montana heute uneingeschränkt ein attraktives und lohnendes Ferienziel ist», so der Tourismus-Direktor.

Kommentare

User #2125 (nicht angemeldet)

Werbung für diesen mondänen Ort wird sicher Wirkung zeigen. Die Plaigirls und Boys werden sicher wieder gerne kommen.

User #2064 (nicht angemeldet)

Das sollte verboten werden, übler Nachgeschmack und ein Stich ins 💓 Herz ist das für die Hinterbliebenen der Brandnacht

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