«Ich bin ein Opfer für den Kanton, aber nicht für die Justiz»
Paolo Campolo schritt an Neujahr in Crans-Montana heldenhaft zur Tat. Als Zivilkläger darf er aber nicht auftreten – er sei nicht Opfer genug, sagt er.

Das Wichtigste in Kürze
- Bei der Brandkatastrophe in Crans-Montana rettete Paolo Campolo mindestens 15 Leben.
- Er zog sich eine Rauchvergiftung zu und landete im Spital.
- Ein Antrag, als Zivilkläger aufzutreten, wurde ein zweites Mal abgelehnt.
- Die Walliser Justiz sehe ihn nicht als Opfer, der Kanton jedoch schon.
Bei der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana VS zu Beginn des Jahres kamen 41 Personen ums Leben. 115 weitere wurden verletzt. Bei den Brandopfern handelt es sich vor allem um noch sehr junge Menschen.
Paolo Campolo verhinderte in jener Nacht, dass im Lokal «Le Constellation» noch mehr Personen starben. Der in Crans-Montana lebhafte Finanzanalyst rettete mindestens 15 Leben.

Ausserhalb des Lokals öffnete Campolo eine von innen verriegelte Seitentür. Dabei zog er sich eine Rauchvergiftung zu.
«Hätte Flammen am Körper spüren müssen»
Zu seinem Ärger ist Campolo nun aber als Zivilkläger nicht zugelassen. Der Grund: «Ich hätte mehr Verbrennungen haben müssen.»
In den Augen der Justiz sei er nämlich kein Opfer, wie er gegenüber «Il Messaggero» erzählt.
Um als Opfer zu gelten, hätte er «die Flammen am Körper spüren» und gemäss Walliser Justiz «mehr Verbrennungen haben müssen». Die Vergiftung und das Trauma, «das ich seit der Silvesternacht mit mir herumtrage, reichen nicht aus», sagt der Retter.
Campolos Antrag, sich im Rahmen der Brandkatastrophe von Crans-Montana als Zivilkläger zu betätigen, wurde ein zweites Mal abgelehnt. Daran änderten auch sein Spitalaufenthalt und die psychologischen Behandlungen, «die wir selbst bezahlen müssen», nichts.
Opfer für den Kanton, nicht aber die Justiz
Für Unverständnis sorgt bei ihm, dass er hingegen vom Kanton Wallis als Opfer anerkannt wird. Am selben Tag habe er einen Brief des Kantons erhalten. In diesem werde ihm «als Opfer empfohlen», sich an die Stiftung zur Opferhilfe zu wenden.
Dies solle er tun, wenn die mit der Katastrophe verbundenen Kosten ihn in finanzielle Not drängen. «Das heisst, ich bin Opfer, aber kein Opfer.»
Campolo, der in Crans-Montana wohnt, gilt bei den Ermittlungen als Kronzeuge. Nach der Brandkatastrophe hatte er öffentlich Mängel bei den Rettungsmassnahmen angeprangert.
Mittlerweile gibt es im Zuge der Ermittlungen 14 Beschuldigte. Neben dem Ehepaar Moretti befinden sich darunter amtierende und ehemalige Gemeindebeamte darunter.
Die Vorwürfe lauten etwa fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandverursachung. Es gilt die Unschuldsvermutung.
























