Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Rettungseinsatz in Crans-Montana
Nach dem Brand in Crans-Montana VS prüft die Staatsanwaltschaft den Rettungseinsatz. Brandverletzte sollen stundenlang gewartet haben.

Das Wichtigste in Kürze
- Brandverletzte von Crans-Montana berichten von stundenlangem Warten ohne Sauerstoff und Wärmedecken.
- Die Staatsanwaltschaft prüft neue Beweise nach Beschwerden von Nebenklägern.
- Der Rettungseinsatz erhielt trotz Kritik einen internationalen Preis.
Sechs Monate nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS gibt es neue Vorwürfe zum Rettungseinsatz. Das ARD-Studio Genf berichtet über mögliche gravierende Versorgungslücken. Nun reagiert die Staatsanwaltschaft.
Auslöser sind Schilderungen von Brandverletzten, die nach dem Feuer stundenlang auf Hilfe gewartet haben sollen. Ein Nebenklage-Vertreter reichte deshalb bei der Staatsanwaltschaft Sitten VS Beschwerde ein. Ein weiterer Anwalt forderte die Erhebung neuer Beweismittel.
Brandverletzte schildern Stunden der Qual
Besonders eindrücklich ist der Fall einer 16-Jährigen aus Mailand. Ihr Anwalt Fabrizio Ventimiglia sagt, die späte Versorgung habe den Gesundheitszustand seiner Klientin verschlechtert.
Sofia habe bis heute Probleme beim Sprechen und sei sehr heiser. Laut ihrem Anwalt fehlte ihr in der Brandnacht Sauerstoff. Das habe zu Schäden an der Lunge beigetragen.
In einem Schreiben an die Ermittler schildert Ventimiglia die Situation der Jugendlichen. Nach 3 Uhr nachts habe sie noch immer auf dem Trottoir gelegen und vor Kälte gezittert. Wärmedecken habe es keine gegeben. Ihre Angehörigen hätten sie deshalb mit eigenen Jacken eingehüllt.
Protokoll dokumentiert das Warten
Ein zweiter Fall betrifft einen 17-jährigen Jungen. Seine Familie hielt die Abläufe der Nacht in einem Gedächtnisprotokoll fest.
Demnach bekam der Jugendliche um 2.40 Uhr kaum Luft. Um 2.50 Uhr fror er stark. Laut Protokoll gab es nichts, um ihn zuzudecken.

Um 3.10 Uhr wartete er weiter auf dem kalten Boden. Bis 4 Uhr verschlechterte sich sein Zustand deutlich. Sein Bewusstsein nahm ab, er konnte kaum noch atmen.
Erst dann kam er in einen Krankenwagen. Der Anwalt der Familie fordert nun weitere Ermittlungen.
Valentin überlebte schwer verletzt
Auch der 17-jährige Valentin wartete nach seiner Flucht aus der Bar in der Kälte auf Hilfe. «Mir war es mega kalt. Super, super kalt», sagt er im ARD-Beitrag.
Er habe damals darum gekämpft, wach zu bleiben. «Ich wollte schlafen, aber wenn ich einschlafe, wäre ich dann nicht mehr aufgewacht.»

Valentin überlebte die Katastrophe mit lebensgefährlichen Verbrennungen. Nach der Silvesternacht musste er vieles neu lernen: Laufen, atmen, essen.
Heute schaut der 17-Jährige trotz allem nach vorne. «Ich bin nur froh, dass ich da bin», sagt Valentin.
Rettungsorganisation wurde für Einsatz ausgezeichnet
Pikant: Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation KWRO erhielt im Mai 2026 in London den Preis «Search and Rescue Mission of the Year». Ausgezeichnet wurde der Grosseinsatz nach dem Feuer in Crans-Montana VS.
Laut KWRO würdigte der Preis die Koordination der Rettungskräfte. Hervorgehoben worden sei auch die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Luftrettung und Spitälern.
Genau diese Abläufe stehen nun in der Kritik. Einsatzleiter Fredy-Michel Roten bestreitet laut ARD nicht, dass es zu Wartezeiten kam. Einen Mangel bei der medizinischen Versorgung vor Ort weist er jedoch zurück.
Die ersten Profis seien nach 10 bis 15 Minuten vor Ort gewesen, sagte Roten. Bei einem Ereignis wie Crans-Montana müsse man anders arbeiten als bei einem normalen Einsatz.
41 Menschen starben in der Bar
Das Feuer war in der Silvesternacht in der Bar «Le Constellation» ausgebrochen. Eine Kellnerin soll Sprühfontänen auf Champagnerflaschen zu nah an die Decke gehalten haben.
Der Akustikschaum an der Decke fing Feuer. Innert 92 Sekunden entstand ein Vollbrand.
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Durch die Katastrophe starben 41 Menschen, 115 weitere wurden verletzt. Die Ermittlungen zur Brandursache und zum Rettungseinsatz dauern an.
















