Matterhorn: Weniger Gäste in Hörnlihütte - No-Show-Gebühr hilft
Die Hörnlihütte am Matterhorn hat die Sommersaison beendet – mit rund 600 Übernachtungen weniger als im Vorjahr. Die No-Show-Gebühr federte den Einbruch ab.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Hörnlihütte am Matterhorn verzeichnete diesen Sommer rund 600 Übernachtungen weniger.
- Grund waren Steinschlag und ein sechswöchiger Bergführer-Verzicht auf Matterhorn-Touren.
- Die No-Show-Gebühr von 50 Franken sicherte trotz Ausfällen zusätzliche Einnahmen.
Auf 3260 Metern über Meer hat die Hörnlihütte am Wochenende ihre Tore für den regulären Sommerbetrieb geschlossen. 15 Helferinnen und Helfer machten das Haus zuvor winterfest, während das Matterhorn nach einem kurzen Kälteeinbruch kurzzeitig im Neuschnee versunken war.
Für Hüttenwart Martin Lehner (57), der die Unterkunft zusammen mit seiner Frau Edith in der neunten Saison führt, geht damit eine turbulente Saison zu Ende. Darüber berichtet «pomona.ch».
Aussergewöhnliche Hitze im Juni und Juli, auftauender Permafrost und wiederholter Steinschlag im Gipfelbereich prägten demnach den Sommer. Den grössten Einschnitt brachte der 10. Juli: Nach Beinahe-Unfällen und einem verletzten Bergführer rieten die Zermatter Bergführer sechs Wochen lang dringend von Touren auf das Matterhorn ab.
«Dass die Zermatter Bergführer das Matterhorn in dieser zentralen Phase nicht mehr anboten, hat spürbare Spuren hinterlassen», wird Lehner in dem Bericht zitiert.
Starker Nachholbedarf im September
In der zweiten Augusthälfte drehte sich das Bild: Gewitter brachten im oberen Wandbereich Neuschnee, der wegen des tieferen Sonnenstands liegen blieb und eine solide Spur bildete. Gleichzeitig beruhigten sinkende Felstemperaturen den Permafrost.

Die Folge war ein starker Nachholbedarf im September – viele Alpinisten, die ihre Touren im Hochsommer storniert hatten, reisten nun nach. Auch nach der Schliessung bleibt der Notraum zugänglich; solange kein massiver Wintereinbruch folgt, dürfte das Matterhorn laut Lehner weiter bestiegen werden.
Rund 600 Übernachtungen weniger als im Vorjahr
Unterm Strich zählte die Hörnlihütte trotzdem rund 600 Übernachtungen weniger als im Vorjahr. Aufgefangen wurde der Einbruch durch eine Verschiebung im Gästesegment: Der Anteil der Wanderer an den Übernachtungsgästen stieg von 42 auf 52 Prozent. Hinzu kam starker Tagestourismus auf der Terrasse.

Auch die vor einigen Jahren eingeführte No-Show-Regel zahlte sich aus: Wer einen Schlafplatz buchte, musste 50 Franken anzahlen – blieb der Gast trotz Reservierung fern, ohne rechtzeitig umzubuchen, verfiel der Betrag. «Das hat uns finanziell zusätzlich abgesichert», bilanziert Lehner.
Viel zu tun im Büro
Die eigentliche Belastung der Saison lag laut Lehner weniger am Berg als im Büro: Seine Frau Edith habe eine beispiellose Flut an E-Mails, Stornierungen und No-Show-Rückabwicklungen bewältigen müssen, dazu kam grosses Medieninteresse nach den Warnungen und Unfällen.

Eine dauerhafte Verlängerung der Saison in den kühleren Frühherbst sieht Lehner als unrealistisch – vor allem wegen fehlenden Personals nach Semesterbeginn und dem Risiko, bei frühem Schneefall auf hohen Fixkosten sitzenzubleiben.












