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«Keine andere Wahl»: SRF-Chefredaktor rechtfertigt Fischer-Story

Stephan Felder
Stephan Felder

Zürich,

SRF-Chefredaktor Tristan Brenn verteidigt die Veröffentlichung im Fall Fischer. Er spricht von einer journalistischen Pflicht ohne Alternative.

Tristan Brenn
SRF-Chefredaktor Tristan Brenn verteidigt das Vorgehen im Fall Patrick Fischer. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • SRF-Chefredaktor Tristan Brenn rechtfertigt die Veröffentlichung der Fischer-Affäre.
  • Die Chefredaktion habe gemeinsam entschieden.
  • Die Affäre um ein gefälschtes Covid-Zertifikat kostete Patrick Fischer den Job.

Er sei zurzeit in einem seit langem geplanten Sabbatical, sei aber in alle Entscheide zur Berichterstattung über Patrick Fischer eingebunden gewesen, sagte Brenn im Interview mit der «Schweiz am Wochenende». Sein Stellvertreter und TV-Nachrichtenchef Gregor Meier habe die Haltung der Chefredaktion öffentlich vertreten.

Es störe ihn, wie Journalistinnen und Journalisten öffentlich an den Pranger gestellt würden, so Brenn. Das gefährde den unabhängigen Journalismus insgesamt: «Jeder, der recherchiert, wird sich fragen: 'Möchte ich je in eine solche Situation geraten?'»

Im Rückblick sieht er den Auftritt von SRF-Journalist Pascal Schmitz, der den Fall ins Rollen gebracht hatte, in der Sendung «10vor10» kritisch. «Dieser war inhaltlich und publizistisch richtig, machte unseren Reporter aber zur Zielscheibe», sagte Brenn.

Enthüllung mit weitreichenden Folgen

Der Entscheid, dass Schmitz diese Woche nicht als Moderator vor der Kamera stand, sei letzte Woche gemeinsam mit dem Journalisten gefällt worden. «Auch, um ihn nach den massiven Angriffen zu schützen», sagte Brenn. Die Chefredaktion stehe mit Schmitz in engem Kontakt und analysiere den Sachverhalt sowie die aktuellen Vorwürfe.

Die «Weltwoche» hatte zuvor publik gemacht, dass sich Schmitz auf den sozialen Medien vor Jahren «unflätig, obszön und beleidigend» geäussert hatte, wie das Magazin schrieb. Von den Aussagen distanziere sich sein Arbeitgeber klar, sagte Brenn.

Die privaten Social-Media-Äusserungen von vor 15 Jahren hätten nichts mit der Recherche zu Fischer zu tun. Bei SRF habe sich Schmitz nie etwas zu Schulden kommen lassen. Wann Schmitz das nächste Mal am Bildschirm zu sehen sein wird, sei noch offen.

Hat sich SRF im Fall Patrick Fischer richtig verhalten?

Die Chefredaktion habe die wütenden Reaktionen auf den Fall Fischer wohl unterschätzt, sagte Brenn. Fischer sei eine öffentliche Person.

Er habe «mit seiner Straftat damals die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking gefährdet, er hat die Gesundheit anderer riskiert, und er hat die Öffentlichkeit in die Irre geführt». Aufgrund des öffentlichen Interesses würde SRF den Fall «mit Sicherheit» wieder publizieren.

Brenn betonte, dass das Gespräch zwischen Schmitz und Fischer nicht Off-the-record stattgefunden habe. Ein solches müsste vorgängig von beiden Seiten abgemacht werden.

Fischer habe ungefragt während eines Drehs zu einem Porträt von der Zertifikat-Fälschung erzählt. «Es war kein Vertrauensbruch. Wir hatten gar keine andere Wahl, als zu publizieren», so Brenn. Als öffentliches Medium könne SRF einen «relevanten, belegten Sachverhalt» nicht bewusst verschweigen.

Kommentare

User #6432 (nicht angemeldet)

Für viele ist Zertifikatsfälschung moralisch gerechtfertigt. SRF toleriert herabsetzende Aussagen über sie.

User #2875 (nicht angemeldet)

Den Vertrauensmissbrauch von SRF darf man nicht verharmlosen

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