Posts von SRF-Schmitz verjährt? «Wir denken nicht so über Vergessen»
Dem SRF-Journalisten Pascal Schmitz werden 15 Jahre alte Facebook-Posts zum Verhängnis. Legitim oder nicht längst verjährt? Ein Wirkungsforscher klärt auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Rassistische Äusserungen auf Facebook vor 15 Jahren holen Pascal Schmitz ein.
- Er entschuldigt sich. Das sei der richtige Weg, sagt ein Medien-Experte.
- Wie lange eine Sache zurückliege, habe auf deren Bewertung oft keinen Einfluss.
Die Causa Patrick Fischer ist um ein Kapitel reicher. SRF-Journalist Pascal Schmitz steht weiterhin im Fokus. Er hatte die Zertifikatsfälschung des Ex-Eishockey-Natitrainers ans Licht gebracht.
Seit gestern ist bekannt: Schmitz gibt sein Amt als Stadion-Speaker der Rapperswil-Jona Lakers ab. Als Grund nennt er auch alte Facebook-Posts von sich, die 15 Jahre nach der Veröffentlichung wieder aufgetaucht waren.
In diesen hat er unter anderem einen Fussballschiedsrichter rassistisch beleidigt und Mordfantasien gelobt, wie die «Weltwoche» berichtete. Auch äusserte er sich sexistisch und machte sich über das Aussehen des einstigen SRG-Generaldirektors Roger de Weck lustig.
Schmitz hatte die Posts kürzlich gelöscht. Und zeigt sich reuig: «Ich möchte mich aufrichtig bei allen Menschen entschuldigen, die von mir in diesen Posts beleidigt worden sind», wird Schmitz in einer Mitteilung der Rapperswil-Jona Lakers zitiert.
SRF distanziert sich von den Posts.
Aber: Mittlerweile ist klar, dass Schmitz bei «Schweiz aktuell» vorerst nicht mehr vor der Kamera stehen wird. «Wann Pascal Schmitz das nächste Mal am Bildschirm zu sehen sein wird, ist noch offen», sagt Mediensprecher Roger Muntwyler zu Nau.ch.
Dies alles 15 Jahre nach der Veröffentlichung der Posts – hat Schmitz nicht ein Recht auf Vergessen?
«Wir als Gesellschaft denken nicht so über Vergessen», sagt der Rezeptions- und Wirkungsforscher Andreas Fahr zu Nau.ch. Es sei nicht wichtig, ob etwas ein Jahr oder zehn Jahre zurückliege. «So denken wir als Mediennutzer nicht», führt der Medien-Professor der Uni Freiburg aus.
Wir würden uns einfach die Sache und den Menschen anschauen. Das sei für uns aktuell. Und danach würden wir auch bewerten. In diesem Fall die rassistischen Kommentare des Moderators.
Eine Entschuldigung ist der richtige Weg
Viel wichtiger sei aber die Frage, wie die Person – in diesem Fall Pascal Schmitz – damit umgehe. «Denn wir machen alle Fehler», so Fahr, der die Angelegenheit aus rein wissenschaftlicher Perspektive analysiert.
Gehe man transparent damit um und entschuldige sich, sei dies der richtige Weg. «Schlimmer wäre es aus kommunikativer Sicht, wenn nach und nach immer noch mehr rauskommt», führt der Medienwirkungs-Experte aus.
Obwohl man aber in den Sozialen Medien so oder so an den Pranger gestellt werde – Entschuldigung hin oder her.
Die ganze Angelegenheit habe zudem eine Signalwirkung zweiter Ordnung. «Es geht um die Wirkung des Umgangs mit diesem Vorfall in der Öffentlichkeit», führt Andreas Fahr aus. So würden sich nun bestimmt einige hinterfragen, ob sie fortan ihre Meinungen oder Statements vorsichtiger oder überhaupt noch auf den Sozialen Medien kundtun.
Beim Mittagessen erzählt
Pascal Schmitz steht am Ursprung der Enthüllungen der Zertifikatsfälschung von Hockey-Nationaltrainer Patrick Fischer.
Der Trainer erzählte dem Moderator von «Schweiz aktuell» bei einem Mittagessen während Dreharbeiten, dass er das Impfzertifikat gefälscht hatte. Damit reiste der Impfskeptiker zu den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking.
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Schmitz begann in der Folge eine Recherche und brachte ans Licht, dass Fischer wegen des Vergehens verurteilt und gebüsst wurde. Schliesslich beichtete dieser die Fälschung in einem Video öffentlich.
Einige Tage später wurde er vom Verband als Natitrainer entlassen. Der Fall schlägt schweizweit hohe Wellen.
















