Iranischer Diplomat beantragt in der Schweiz Asyl
Das iranische Mullah-Regime steht wegen Protesten unter Druck. Jetzt wird es sogar iranischen Diplomaten ungemütlich. Einer will lieber in der Schweiz bleiben.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein iranischer Diplomat beantragt offenbar Asyl in der Schweiz.
- Er fürchtet sich vor einer Rückkehr in den Iran – wegen den aktuellen Unruhen.
- Laut Beobachtern ist der Asylantrag ein Zeichen dafür, dass das Regime bröckelt.
Die Zeichen stehen auf Revolution: Seit Ende Dezember wüten im Iran grosse Proteste gegen die Regierung der Islamischen Republik.
Ausgelöst durch eine Wirtschaftskrise richtet sich die Wut nun generell gegen Machthaber, die die Bevölkerung berauben und unterdrücken.
Das Mullah-Regime schlägt die Proteste blutig nieder. Leichenhallen und Spitäler sind massiv überfüllt.
Die Welt soll die wüsten Szenen im islamistischen Gottesstaat nicht zu Gesicht bekommen. Gewisse Informationen sickern trotzdem durch.
In einen Bericht der «Sunday Times» ist von bis zu 16'500 Todesopfern die Rede. Die Zahl der Toten lässt sich nicht unabhängig verifizieren, da das Regime das Internet blockiert hat.
Diplomat hat Angst vor Rückkehr wegen aktuellen Umwälzungen
Bei diesen Berichten wird offenbar sogar iranischen Vertretern mulmig.
Ein ranghoher iranischer Diplomat soll seinen Posten bei der iranischen Uno-Mission in Genf verlassen haben. Das berichtet das regimekritische Exilmedium «Iran International».
Mehr noch: Alireza Jeyrani Hokmabad soll mit seiner Familie Asyl in der Schweiz beantragt haben!
Quellen berichteten «Iran International», Jeyrani will aus Angst vor möglichen Folgen im Zusammenhang mit den aktuellen Umwälzungen nicht zurückkehren. Er habe zudem Bedenken bezüglich der Stabilität des islamischen Regimes in Teheran.
Das Staatssekretariat für Migration (SEM) kann die Meldung weder bestätigen noch dementieren.
«Das SEM äussert sich vor dem Hintergrund des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nicht zu Einzelfällen», heisst es auf Nau.ch-Anfrage. «Dies schliesst die Frage mit ein, ob eine Person in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hat.»
Auch Diplomaten dürfen Asylanträge einreichen
Das SEM verweist aber darauf, dass grundsätzlich auch Diplomaten Asyl in der Schweiz beantragen können.
«Das Asylgesetz gilt für alle Personen gleichermassen», sagt eine Sprecherin. «Entsprechend gelten für Diplomaten dieselben gesetzlichen Regelungen zur Einreichung und Beurteilung von Asylgesuchen wie für alle anderen Asylsuchenden.»

Alireza Jeyrani Hokmabad hatte in Genf lange Zeit eine hohe Stellung. Laut «Iran International» war er de facto der stellvertretende Leiter der Mission. 2017 war er zunächst als Berater nach Genf gekommen.
«Asylantrag zeigt, dass das Regime bröckelt»
Die Schweiz-Iranerin Saghi Gholipour von der Organisation «Free Iran Switzerland» begrüsst den Asylantrag. «Er ist ein Zeichen dafür, dass dieses Regime bröckelt», sagt sie auf Anfrage von Nau.ch.
Jeyrani sei schliesslich kein Unbekannter gewesen. «Er war das Regime und hat es jahrelang vertreten. Dass er sich nun davon abwendet, ist ein gutes Zeichen.»

Mit diesem Schritt setze er sich einer «grossen Gefahr» aus. «Dem wird er sich aber bewusst sein», so Gholipour.
«Asyl schützt nicht vor Verantwortung»
Zugleich warnt sie: «Nur weil sich jemand vom Regime abwendet, heisst das nicht, dass er sich nicht mehr verantworten soll.»
Im Gegenteil: «Asyl schützt nicht vor Aufarbeitung der vom Regime begangenen Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung.»
Es müsse diskutiert werden, wie nach dem Ende der Islamischen Republik mit Personen umzugehen sei, die jahrelang hohe Positionen innehatten. «Dazu zählen ausdrücklich auch diplomatische Vertreter in Genf.»
Iran löscht Diplomat von Uno-Website
Die iranische Mission in Genf liess eine Nau.ch-Anfrage bislang unbeantwortet.

Am Montagvormittag war Jeyrani noch als Minister der iranischen Mission auf der offiziellen Website der Uno in Genf aufgeführt.
Seit heute Nachmittag ist sein Name auf der Website nicht mehr aufgeführt.



















