Firmen «helfen» bei Wohnungssuche – Mieterverband warnt
Anbieter in der Romandie versprechen Wohnungssuchenden gute Angebote. Der Mieterverband sieht die Nöte der Mietenden ausgenutzt.

Das Wichtigste in Kürze
- Sogenannte Wohnungsjäger versprechen Wohnungssuchenden passende Vorschläge.
- Eine Kundin bezahlte mehrere hundert Franken und wurde enttäuscht.
- «Eine weitere Blüte des renditegetriebenen Wohnungsmarktes», heisst es beim Mieterverband.
Die Wohnungssuche ist in der Schweiz vielerorts ein Frust. Fixkosten von 4000 Franken allein für die Wohnungsmiete können sich Normalverdienende nicht leisten. So viel kostet im Raum Zürich eine Vierzimmerwohnung im Schnitt aktuell.
Für Wohnungssuchende ist die Lage so schwierig wie seit 2014 nicht mehr, besonders für Haushalte mit tiefer oder mittlerer Kaufkraft.
Zu diesem Schluss kommt das Bundesamt für Wohnungswesen in seinem aktuellen Monitor. Als letzte Hoffnung streuen manche Wohnungssuchende auf Social Media Suchinserate.
Verzweifelte Familie
Von «drohender Obdachlosigkeit», schreibt etwa eine Userin in einem Post auf Facebook. «Ich (mein Mann und unsere 3) Kinder suchen per Ende März dringend eine Wohnung.» Ihre Wohnung werde abgerissen und totalsaniert.
«Wir bewerben uns seit 1,5 Jahren», so die Mutter. Sie wisse einfach nicht mehr weiter.
In solchen Situationen kommen sogenannte Wohnungsjäger wie gerufen.
In der Romandie schiessen Anbieter, die mit Unterstützung bei der Wohnungssuche werben, wie Pilze aus dem Boden.
Verbreitet sind sie vor allem in Genf, den Waadtländer Städten Lausanne, Morges, Nyon und Vevey sowie in Bulle FR. Dies berichtet RTS in der Wirtschaftssendung «Basik».
Wohnungsjäger verlangt Anmeldegebühr plus Monatsmiete
Der Service kostet auch einiges. Ein Anbieter, den RTS kontaktiert hat, verlangt 350 Franken Anmeldegebühren plus eine Monatsmiete nach Unterzeichnung des Mietvertrags.
Bei einem weiteren Anbieter müssen Kundinnen und Kunden für den Service eine Pauschale von 1490 Franken bezahlen.
Dafür verspricht er ihnen bis zu 20 Wohnungsvorschläge. Ein Anbieter verlangt eine Erfolgsprovision von 2000 Franken.
Kundin zahlt Hunderte Franken – und erhält nur schlechte Angebote
Eine Angestellte einer internationalen Organisation hat in Genf negative Erfahrungen gemacht. 350 Franken bezahlte die Kundin einem Anbieter, um innerhalb eines Monats mindestens zwei Wohnungsvorschläge zu erhalten.
In den letzten zwei Tagen des Vertrags habe er ihr zwei Wohnungen vorgeschlagen, sagt die Frau in der Sendung. «Diese entsprachen meinen Kriterien absolut nicht.»
Danach habe sie ihn um mehr Auswahl gebeten. «Er hat abgelehnt und gesagt, dass dies alles sei, was er machen könne.»
Einem anderen Wohnungsjäger bezahlte sie 600 Franken. Exklusive Angebote hatte dieser versprochen – die Kundin erhielt aber nur öffentliche Inserate. Beim dritten Anbieter klappte es hingegen mit einer Wohnung.
«Für lukrative Geschäfte ausgenutzt»
In der Deutschschweiz sind solche Wohnungsjäger noch nicht aufgetaucht. Zumindest liefert eine Google-Suche keine entsprechenden Ergebnisse.
«Mir ist das Phänomen in der Deutschschweiz noch nicht begegnet», bestätigt Michael Töngi, Vizepräsident des Mieterinnen- und Mieterverbands Schweiz Nau.ch. «Wobei das nicht heisst, dass es nicht existiert.»
Die Angebote sieht er kritisch.
«Am Schluss ist das eine weitere Blüte des renditegetriebenen Wohnungsmarktes», sagt Töngi. Dies fange bei Bezahlabos auf Vermietungsplattformen wie Flatfox an und höre bei solchen Dienstleistungen auf.
«Die hohen Mieten und die Nöte der Mieterinnen und Mieter werden für weitere lukrative Geschäfte ausgenutzt.» Dass es dabei auch schlechte Erfahrungen gebe, sei nicht weiter erstaunlich.
Wohnungsjäger heizen Mieten noch an
Die Angebote beurteilt Michael Töngi als unfair.
«Das Nachsehen haben alle, die sich dies nicht leisten können», sagt er. Für Menschen mit einem schmalen Budget werde die Wohnungssuche weiter erschwert. Grund dafür ist, dass solche Anbieter ihnen die günstigen Wohnungen wegschnappen.
Der Vizepräsident des Verbands hat «individuell Verständnis», wenn jemand, der verzweifelt auf Wohnungssuche ist, auch solche Dienstleistungen in Anspruch nimmt.
«Aber letztlich heizen sie mit solchen Geschäften die bedrohliche Mietzinssituation weiter an.»

















