Familie erzählt: «Trystan wollte seinen besten Freund retten»
Durch die Brand-Katastrophe in Crans-Montana starben 41 Menschen. Auch Trystan Pidoux (†17) ist unter den Opfern. Seine Familie spricht nun über den Verlust.

Das Wichtigste in Kürze
- In der Bar «Le Constellation» kam es zum Jahreswechsel zu einem Inferno mit 41 Toten.
- Nun berichten Hinterbliebene eines 17-jährigen Opfers, wie es ihnen geht.
- Sie erzählen, ihr Sohn und Bruder habe seinen besten Freund retten wollen.
Zum Jahreswechsel kam es in Crans-Montana zur Tragödie.
In der Bar «Le Constellation» entzündete sich wegen auf Champagnerflaschen gesteckten Wunderkerzen die Decke des Untergeschosses. Innert Sekunden stand der gesamte Raum mit Feiernden in Flammen.
41 Menschen starben durch das Inferno, 115 Personen wurden teils schwer verletzt. Viele der Opfer waren Jugendliche und junge Erwachsene.
17-Jähriger Trystan starb in der Silvesternacht
Die Schuldfrage ist bis heute nicht abgeschlossen. Im Zentrum der anhaltenden Ermittlungen stehen die Bar-Besitzer Jessica und Jacques Moretti sowie Verantwortliche der Gemeinde Crans-Montana.
Derweil ringen die Opfer und Hinterbliebenen weiter mit den schrecklichen Ereignissen rund um die Silvesternacht.

So auch die Mutter und der jüngere Bruder des 17-jährigen Trystan Pidoux. Er starb in Crans-Montana in den Flammen.
Mutter Viniciane Stucky berichtet dem französischen «Legend», ihr Sohn habe sich nach Mitternacht noch bei ihr gemeldet. Danach habe sie sich schlafen gelegt.
Sohn tot: «Ich konnte nicht glauben, dass es wirklich er ist»
Erst Stunden später habe sie von der Tragödie erfahren. Zunächst sei von einem Anschlag die Rede gewesen. Später seien dann Videos kursiert, die Jugendliche gezeigt hätten, die vor den Flammen nach draussen flohen.
Sie habe versucht, ihren Sohn zu erreichen, erzählt Stucky. Und habe ihn deshalb ungefähr «480 Mal angerufen». Sie berichtet: «Das erste Mal, Dass Trystan nicht abnahm, war, weil er tot war.»
Lange habe sie danach nach ihrem Sohn gesucht. Erst am 3. Januar habe Stucky schliesslich die Nachricht vom Tod ihres Sohnes erhalten.
«Ich konnte nicht glauben, dass es wirklich er ist», sagt die Mutter. Noch tagelang habe sie gehofft, es handle sich um eine Verwechslung.
Trystan kehrte um, um seinen Freund zu retten
Besonders tragisch: Laut Zeugenaussagen sei Trystan zum Zeitpunkt des Brandes zuerst gar nicht im Untergeschoss gewesen.
«Er dachte, dass sein bester Freund noch unten sei. Also ist er nach unten gegangen, um ihn zu retten», schildert Stucky gegenüber «Legend».

Sie halte sich daran fest, dass Trystan den Horror im Untergeschoss wegen der dichten Rauchentwicklung zuerst gar nicht erfasst habe. Schliesslich sei er wegen des Rauchs und der giftigen Gase ohnmächtig geworden.
Für Stucky schlimm: Man habe ihren Sohn in der Embryostellung vorgefunden. Das sei ein Zeichen dafür, dass er vor seinem Tod noch Zeit gehabt habe, Angst zu bekommen. «Das ist furchtbar», meint sie dazu.
«Ihr habt meinen Bruder getötet»
Sowohl Viniciane Stucky als auch ihr jüngerer Sohn Tobias erheben schwere Vorwürfe. Tobias berichtet, dass er die beiden Betreiber nach einer Anhörung direkt habe ansprechen können.
Er erzählt: «‹Ihr habt meinen Bruder getötet›, habe ich ihnen gesagt.»
Jacques Moretti habe ihm daraufhin sein Beileid ausgesprochen. Doch Tobias weist das zurück, denn: «Ich bin am Boden zerstört.»
Derweil ist für Viniciane Stucky klar, dass ein normaler Trauerprozess unmöglich ist. Sie gehe aktuell täglich mehrmals zum Friedhof, habe am Anfang sogar dort – bei ihrem toten Sohn – geschlafen.
Sie meint: «Ich kann nicht ohne Trystan leben.»















