Brandverletzte (18): «Ich träume ständig vom Feuer»
Im Fall Crans-Montana wurde am Freitag der Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde befragt. Roze (18) berichtet derweil, wie sie die ersten Wochen erlebte.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Walliser Staatsanwaltschaft hat ihre Anhörungen zu Crans-Montana wieder aufgenommen.
- Gleichzeitig steht sie unter Kritik. Es ist ein Ablehnungsantrag eingegangen.
- Alles News zur Entwicklung in der Brand-Katastrophe findest du im Nau.ch-Ticker.
Im Fall Crans-Montana fordert eine der Klägerparteien die Ablehnung sämtlicher mit dem Fall betrauten Staatsanwältinnen. Die Häufung von Fragen und Ungereimtheiten sei der Grund dafür.
Am Freitag wurde zudem der Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde befragt. Der Mann ist seit Mai 2024 im Walliser Ferienort im Amt.
Die Gemeinde räumte wenige Tage nach dem Brand in der Bar «Le Constellation» mit 41 Toten und über 100 Verletzten in der Silvesternacht ein, dass seit 2019 keine Kontrollen mehr durchgeführt worden waren.
Nächste Woche gehen die Befragungen weiter.
Die neusten Entwicklungen zu Crans-Montana findest du im Nau.ch-Ticker:
Überlebende erzählt: «Ich habe nicht einmal gemerkt, dass mein Gesicht verbrannt war»
19.00: Die 18-jährige Roze wurde bei dem Brand in der Bar «Le Constellation» schwer verletzt. 17 Tage lag sie in einem belgischen Spital im Koma, bevor sie wieder in die Schweiz zurückkehren konnte.
«Ich hatte zwei Transplantationen an den Händen. Dafür haben sie mir Haut am rechten Oberschenkel entnommen», sagt sie gegenüber RTS. Man habe die Haut auf ihre Verbrennungen gelegt und wieder entnommen, als die Stelle darunter verheilt war.
Den unteren Rücken habe man offen behandelt und keine Haut transplantiert.

In der Neujahrsnacht sei sie für das Filmen der Party verantwortlich gewesen, erzählt Roze. Als sie damit fertig war, habe sie das Feuer entdeckt. «Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde», sagt sie.
Die Flucht sei aufgrund der grossen Menschenmenge schwierig gewesen. «Viele fielen am Eingang hin, weil es nur einen einzigen Ausgang gab», erinnert sich die 18-Jährige.

Draussen angekommen, sei ihr das Ausmass ihrer eigenen Verletzungen nicht bewusst gewesen. «Ich wollte meine Hände ins Wasser halten und habe nicht einmal gemerkt, dass mein Gesicht verbrannt war»
Die Genesung der jungen Frau wird langwierig. Sie schlafe schlecht, habe Albträume. «Es ging nicht immer direkt um den Brand, aber ich träumte ständig von Feuer», so Roze.
Parmelin lobt Zusammenarbeit mit Italien
16.15: Bundespräsident Guy Parmelin hat den Austausch zwischen der Schweiz und den italienischen Behörden im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana gelobt. «Die Bewältigung der Katastrophe war von einer engen Zusammenarbeit geprägt», sagte er am Rande der Olympischen Spiele in Mailand.

Weiter lobte Parmelin die Zusammenarbeit zwischen den Gesundheitsbehörden der Schweiz und Italiens und bestätigte, dass Bern die Nothilfe fortsetzen werde. «Es ist unsere Pflicht, im Namen des Bundesrats alles zu tun, um die Folgen für die Betroffenen gering wie möglich zu halten.»
Der Bundespräsident erinnerte daran, dass die italienische Regierung in der akutesten Phase der Notlage Unterstützung angeboten hatte, um die Identifizierung der Opfer zu unterstützen. «Wir haben die Hilfe angenommen, und das hat zu einer Beschleunigung der Situation geführt.»
Brandschutzbeauftragter hatte Prüfung nicht bestanden
13.45: Wie aus einem Bericht des französischen Senders «BFMTV» hervorgeht, soll der Brandschutzbeauftragte von Crans-Montana seine Ausbildung nicht bestanden haben.
Der Sender beruft sich auf die mehrstündiger Befragung durch die Staatsanwaltschaft, die am Freitag durchgeführt wurde. Demnach fiel der Sicherheitsbeauftragte bei seiner Prüfung nach einem zweiwöchigen Lehrgang zum Bundesbrandschutzfachmann durch.
Dennoch wurde der Mann als Leiter der öffentlichen Sicherheit eingestellt. Er rechtfertigt sich damit, dass er trotz des nicht erhaltenen Zertifikats eine Ausbildung absolviert und 16 Jahre lang als Feuerwehrmann gearbeitet habe.

Nach seiner Einstellung im Jahr 2024 hätte er die Brand-Bar «Le Constellation» mindestens einmal im Jahr 2025 kontrollieren müssen. Dies war jedoch nicht der Fall. Er rechtfertigt dies mit Personal-Problemen.
Die Zeitpläne der Kontrollen habe man nicht einhalten können. Deshalb wurden Brandschutzinspektionen in Privathäusern priorisiert. Ausserdem habe er das Problem bereits anfangs 2025 bei seinem Vorgesetzten angesprochen.
09.58: Am Donnerstag wurde das Fünf-Sterne-Haus «Grand Hôtel du Golf & Palace» in Crans-Montana per sofort geschlossen. Wegen Sicherheitsbedenken. Konkret: Mängel in der Umsetzung von Brandschutzvorschriften.
Nun äussert sich die Gewerkschaft SCIV. In einer Medienmitteilung schreibt sie: «Heute sind es die Angestellten, die den Preis für diese schwerwiegenden Versäumnisse zahlen, obwohl sie keine Verantwortung tragen.»

Die Gewerkschaft betont: «Die Fahrlässigkeit der Eigentümer sollte nicht von den Arbeitern bezahlt werden.»
Sie verurteile aufs Schärfste die Situation, die zur Schliessung des Betriebs geführt habe, «welche eine direkte Folge der anhaltenden Missachtung der Vorschriften und Entscheidungen der zuständigen Behörden durch die Eigentümer ist.»
Schulen ungenügend kontrolliert
08:50: Neben Bars und Restaurants wurde laut «Le Nouvelliste» in Crans-Montana auch in Schulen und Veranstaltungsräumen die vorgeschriebenen jährlichen Brandschutzkontrollen nicht durchgeführt.

Aus von der Gemeinde der Justiz übergebenen Unterlagen gehe hervor dass drei Schulzentren letztmals 2017 kontrolliert worden seien. Einige zur Vermietung angebotene Säle seien gemäss Bericht nie überprüft worden andere ebenfalls zuletzt 2017.
Auf der Website der Gemeinde fehlten seit dem Brand der Bar fünf von insgesamt 19 kommunalen Mietlokalen.
07.30: Am Montagmorgen ist der ehemalige Sicherheitsverantwortliche der Gemeinde Crans-Montana vorgeladen. Der Mann hatte im Januar 2018 sowie im Juni 2019 die Sicherheitskontrollen in der Bar «Le Constellation» durchgeführt.

In beiden Fällen waren seine Empfehlungen vom Betreiber nicht umgesetzt worden. Wie sein Nachfolger gilt der Walliser im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe als Beschuldigter.
Morettis müssen wieder aussagen
06.45: Das Staatsanwaltsteam hat das Ehepaar Moretti erneut vorgeladen – für die kommende Woche. Jacques Moretti wird am Mittwoch einvernommen, seine Ehefrau am darauffolgenden Tag. Beide müssen dabei nicht nur Fragen der Staatsanwaltschaft, sondern auch jene der anwesenden Anwälte beantworten.

Jessica und Jacques Moretti unterstehen weiterhin den vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Wallis (ZMG) angeordneten Ersatzmassnahmen anstelle der Untersuchungshaft.















