Crans-Montana-Opfer müssen doch nicht ausgegraben werden

    Stephan Felder
    Stephan Felder

    Pully,

    Die Gemeinde Pully lenkt ein: Zwei Jugendliche, die beim Unglück von Crans-Montana starben, dürfen trotz Irrtum bei der Grabwahl ruhen bleiben.

    brandopfer
    Vinciane Stucky, die Mutter von Brandopfer Trystan, zeigt Bilder ihres Sohns. Der Jugendliche muss nun doch nicht neu beerdigt werden. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Jugendliche Brandopfer wurden in Reihengräbern statt in Familiengräbern bestattet.
    • Die Gemeinde lehnte eine Umzonung zunächst ab und verlangte neue Grabplätze.
    • Nach Kritik lenkt die Waadtländer Gemeinde Pully ein und bewilligt eine Ausnahme.

    Für zwei Familien, die bei der Brandkatastrophe von Crans-Montana ihre Söhne verloren haben, gibt es eine erleichternde Wendung: Die Jugendlichen müssen nicht exhumiert werden.

    Die Gemeinde Pully VD hat entschieden, die bestehenden Gräber von Trystan und Guillaume nachträglich umzuzonen. Damit können die beiden Verstorbenen an ihrem bisherigen Ort auf dem Friedhof bleiben.

    Irrtum mit schweren Folgen

    Auslöser der ganzen Angelegenheit war ein Missverständnis bei der Wahl der Grabstätte. Die beiden Jugendlichen wurden in sogenannten Reihengräbern beigesetzt.

    Ihre Familien gingen jedoch davon aus, dass es sich um Konzessions- beziehungsweise Familiengräber handelt. Nau.ch berichtete.

    Der Irrtum wurde erst kürzlich entdeckt. Die Mutter von Trystan bemerkte, dass vor dem Grab ihres Sohnes eine weitere Bestattung geplant ist. Für sie ein Schock: Sie hatte damit gerechnet, eines Tages selbst neben ihrem Sohn beigesetzt zu werden.

    Gemeinde lehnte zunächst ab

    Nach Bekanntwerden des Fehlers wandten sich die Familien an die Behörden. Ihr Wunsch: Die beiden Gräber am Ende der Reihe sollten in Familiengräber umgewandelt werden.

    Doch zunächst zeigte sich die Gemeinde unnachgiebig. Die Eltern wurden aufgefordert, auf dem Friedhof neue Grabplätze auszuwählen. Geplant war, dass die verstorbenen Jugendlichen wieder ausgegraben und neu beerdigt werden.

    Ein Vorgehen, das Trystans Mutter als «traumatisch» beschrieb.

    Kehrtwende nach emotionaler Belastung

    Nun folgt die Wende: Die Gemeinde hat ihre Haltung überdacht und dem Gesuch doch noch zugestimmt. Der Entscheid sei «angesichts der besonders tragischen Umstände des Unglücks von Crans-Montana und der emotionalen Belastung für die Familien» gefallen.

    Es handle sich jedoch um einen absoluten Ausnahmefall.

    mutter von trystan
    Die Mutter von Crans-Opfer Trystan. - keystone

    Trystans Mutter zeigt sich gegenüber «20 Minuten» erleichtert über die Lösung. Die Gemeinde habe «sehr kulant und bewundernswert» gehandelt und ermögliche es, dass ihre Kinder «in Frieden in ihren Gräbern ruhen».

    Grabwahl normalerweise verbindlich

    Auf dem Friedhof in Pully sind die verschiedenen Grabarten klar voneinander getrennt. Angehörige müssen sich üblicherweise vor der Beisetzung entscheiden.

    In diesem Fall sei dies jedoch unter aussergewöhnlichen Umständen geschehen. Die Familien standen nach dem Unglück unter Schock. Details wie die genaue Grabart rückten in den Hintergrund.

    Die Gemeinde betonte zwar, die Entscheidung für ein Reihengrab sei bewusst getroffen worden. Gleichzeitig hebt sie hervor, in dieser Situation viel Verständnis und Flexibilität gezeigt zu haben.

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