Crans-Montana: Vater von Brandopfer kritisiert Schweizer Behörden
Nach dem tödlichen Bar-Brand in Crans-Montana dauert die Aufarbeitung weiter an. Nau.ch informiert im Ticker über die neusten Ereignisse.

Das Wichtigste in Kürze
- In Crans-Montana starben in der Neujahrsnacht 40 Menschen bei einem Barbrand.
- Seither dauert die Aufarbeitung der Tragödie an.
- Ein Brandopfer, das in Belgien behandelt wird, kritisiert die Bar-Betreiberin.
- Hugues Blatti, Vater eines Schwerverletzten, ist enttäuscht über das Vorgehen der Schweiz
- Im Nau.ch-Ticker bleibst du auf dem Laufenden.
Bei der verheerenden Brandkatastrophe an Silvester in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana kamen insgesamt 40 junge Menschen ums Leben. 116 Personen erlitten zudem teils schwere Verletzungen.
Mittlerweile wurde das Ehepaar Moretti, dem die Bar gehört, befragt. Der Wirt Jacques Moretti befand sich zeitweise in Untersuchungshaft und wurde kürzlich gegen Kaution freigelassen.
Zudem hat die Walliser Staatsanwaltschaft das Strafverfahren ausgeweitet. Nun gerät auch ein ehemaliger Sicherheitsverantwortlicher der Gemeinde in das Visier der Justiz. Dieser war während der Sicherheitskontrollen von 2018 und 2019 in der Gemeinde Crans-Montana tätig.
Mit dem Nau.ch-Ticker bleibst du auf dem Laufenden:
Katastrophenmechanismus der EU verlief effizient
14.11: Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS haben die Schweiz und Österreich ihre Zusammenarbeit im Bereich Katastrophenschutz besprochen.
Auch die Zusammenarbeit mit mehreren Ländern im Rahmen des EU-Katastrophenschutzmechanismus (UCPM) kam zur Sprache. Diese sei effizient verlaufen, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz mit.
Diese Erfahrungen zeigten, dass multinationale Mechanismen die bilateralen Formate immer stärker ergänzen würden, hiess es in der Mitteilung vom Freitag weiter.
Mehrere europäische Länder hatten die Schweiz nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation» mit 40 Toten im Rahmen des UCPM unterstützt.

Noch immer werden denn auch über 40 Personen mit schwersten Verbrennungen in Spezialkliniken im Ausland behandelt. Diese «hohe Zahl» übersteige die Kapazitäten des Schweizer Gesundheitssystems, teilte das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) weiter mit.
Zuletzt hatte die Schweiz zwei spezialisierte Fachteams zu den Schweizer Verletzten in ausländischen Verbrennungszentren entsendet. Sie sollten den Zustand der Patientinnen und Patienten und deren Weiterbehandlung und Rehabilitationsbedarf in der Schweiz klären. Die Patientinnen und Patienten werden in spezialisierten Kliniken in Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien behandelt.

Die Koordination der Weiterbehandlung der Verletzten in der Schweiz erfolgt über die Zentren zur Behandlung von Verbrennungsopfern im Inland – das Universitätsspital Chuv Lausanne, das Universitätsspital Zürich und das Kinderspital Zürich – sowie über die Kantone und die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK).
Ebenfalls eingebunden sind die Suva und die auf Rehabilitation spezialisierten Suva-Kliniken in Bellikon AG und Sitten, das Bundesamt für Gesundheit (BAG) sowie das Babs im Rahmen des Nationalen Verbunds Katastrophenmedizin (Katamed).
Vierter Beschuldigter im Fall Crans-Montana VS
13.37: Einen Monat nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana hat die Walliser Staatsanwaltschaft ihre Strafuntersuchung auf eine vierte Person ausgeweitet. Der heutige Leiter des Dienstes für öffentliche Sicherheit der Gemeinde wird am Freitag, 6. Februar, als Beschuldigter einvernommen.
Seine Anwälte Nicolas Rivard und Frédéric Pitteloud bestätigten am Freitag der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einen Bericht des Westschweizer Radio und Fernsehens RTS.

Demnach habe ihr Mandant seine Vorladung am Freitagmorgen bei der Post abgeholt, nachdem er am Vortag über die Medien von der gegen ihn laufenden Untersuchung erfahren habe. Die Verteidiger wiesen darauf hin, dass der Betroffene seine Tätigkeit bei der Gemeinde Crans-Montana erst im Mai 2024 aufgenommen habe.
Er könne daher nicht für ein mutmassliches Versäumnis bei Sicherheitskontrollen seit 2019 verantwortlich gemacht werden. Weitere Stellungnahmen werde es vor der Einvernahme nicht geben, hiess es weiter.
Hugues Blatti ist enttäuscht über das Vorgehen der Schweizer Behörden
11.20: Hugues Blattis 18-jähriger Sohn Luka wurde in der Silvesternacht beim Brand in der Bar «Le Constellation» schwer verletzt. Luka erlitt massive Verbrennungen und befindet sich weiterhin im Koma im Universitätsspital Waadt.
«Er wird hervorragend betreut», sagt sein Vater Hugues Blatti im Interview mit RTS im Westschweizer Tagesschau-Pendent «19h30».
Hugues Blatti zeigt sich enttäuscht über das Vorgehen der Schweizer Behörden: «Wir haben sehr wenig Kontakt, wenn nicht gar keinen. Im Gegensatz dazu hat sich das italienische Konsulat nach uns erkundigt.»
Auch Frankreich habe sich erkundigt. «Wir hatten sogar ein persönliches Gespräch mit Präsident Emmanuel Macron, der uns seine volle Unterstützung zugesichert hat.»

Und weiter: «Aber auf Seiten der Schweiz glaube ich, dass ich mit meiner Enttäuschung über die mangelnde Betreuung nicht allein bin. Faktisch gibt es keinen direkten Kontakt mit der Eidgenossenschaft», beklagt der Vater von Luka.
Im Moment stehe für ihn vor allem der Gesundheitszustand der Verletzten im Vordergrund. Langfristig gehe es jedoch auch um Entschädigungsfragen: «Man spürt, dass bei den Versicherungen nicht genügend Mittel vorhanden sind, um all diese Opfer zu entschädigen.»
Er erwarte von der Schweiz, dass sie ein entsprechendes Fondsmodell schafft und alle beteiligten Akteure und Verantwortlichen an einen Tisch bringt.
Mehrere betroffene Familien, darunter auch seine eigene, haben deshalb den Verein Swisshearts gegründet. Dies um Spenden zugunsten der jungen Opfer des Neujahrsdramas zu sammeln.
Reynard fordert lückenlose Aufklärung nach Brand von Crans-Montana
09.13: Einen Monat nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS fordert der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard eine lückenlose Aufklärung durch die Justiz und eine umfassende Unterstützung für die Opfer und ihre Familien. «Nun muss die Justiz mit Strenge und Unabhängigkeit vollständige Klarheit schaffen», sagte der SP-Staatsrat im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
«Und die Regierung muss ihrerseits alles daransetzen, sämtliche Opfer und betroffenen Familien zu unterstützen zunächst mit Soforthilfen und später über die Stiftung, die wir gründen», fuhr Reynard fort. Es sei entscheidend, die Verletzten und alle betroffenen Familien langfristig zu begleiten.

In seiner Funktion als Präsident der Walliser Regierung stand Reynard seit dem ersten Tag der Katastrophe an vorderster Front. «Schon sehr früh wurde mir das Ausmass des Dramas bewusst. Für mich zählte damals vor allem eines: an der Seite der Rettungskräfte zu sein, aber auch bei den Opfern und ihren Familien», sagt Reynard einen Monat später im Rückblick.
«Man mag Präsident der Regierung sein, doch man bleibt vor allem Mensch. Dieses Drama, das unerträgliche Warten der Familien, die Verletzten, die Verstorbenen, diese ausgelöschte Jugend – auf solche Momente kann man sich nicht vorbereiten», fügte er hinzu.
Zur bewegenden Rede, die er am 9. Januar in Martigny anlässlich der nationalen Gedenkfeier für die Opfer hielt, sagte Reynard: «Ich habe versucht, diesen Text so zu schreiben, wie wir diese Gedenkfeier organisiert haben: mit Demut und Würde.»
Brandopfer: Jessica Moretti «stand da – ohne Hilfe zu leisten»
08.30: Die 18-jährige Roze aus Vevey VD hat den Brand in Crans-Montana VS überlebt. Sie wird mit schweren Verbrennungen in Belgien behandelt. Insgesamt lag sie 18 Tage im künstlichen Koma, inzwischen ist sie wieder bei Bewusstsein.
Mit der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws» sprach sie über die Silvesternacht: Besonders irritiert habe sie das Verhalten von Jessica Moretti.
Nachdem Roze sich aus dem brennenden Gebäude retten konnte, habe sie die Bar-Besitzerin draussen gesehen: «Mit etwas in den Händen, von dem inzwischen gesagt wird, dass es ihre Kasse war.»

Ein Bild habe sich bei ihr besonders eingeprägt: «Jessica Moretti stand da und weinte, während sie auf ihre brennende Bar schaute – ohne Hilfe zu leisten. Sie kümmerte sich nicht um die Verletzten, suchte nicht nach Wasser. Sie stand einfach nur da.»



















