Crans-Montana: Wirt spricht bei Brandschutz von «mafiösen Zuständen»

Redaktion
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Crans-Montana,

Nach dem Brand in Crans-Montana VS geraten nicht nur die Betreiber von «Le Constellation» unter Druck – auch die Behörden sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert.

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Eindrücke der dramatischen Ereignisse im Walliser Skiort Crans-Montana zeigen, wie stark die Bar beschädigt wurde. - Kantonspolizei Wallis

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach dem Brand mit über 40 Todesopfern erheben Wirte schwere Vorwürfe gegen die Behörden.
  • Lokalbesitzer sprechen von seltenen oder ausbleibenden Brandschutzkontrollen.
  • Gemeinde und Barbetreiber widersprechen sich zu Häufigkeit und Qualität der Kontrollen.

Nur wenige Tage nach der Brandkatastrophe im Walliser Ferienort Crans-Montana wird die Schuldfrage immer lauter gestellt. Mehr als 40 Menschen kamen ums Leben, viele weitere kämpfen noch in Spitälern um ihr Leben. Während Polizei und Justiz ermitteln, erheben nun mehrere Lokalbesitzer massive Vorwürfe gegen die Gemeindebehörden.

Wie Wirte dem «Spiegel» schildern, seien Brandschutzkontrollen deutlich seltener durchgeführt worden, als dies offiziell dargestellt werde. «Unser Geschäft wurde nur ganz am Anfang einmal bezüglich Brandschutz kontrolliert», sagt der Betreiber eines stark frequentierten Lokals.

Warst du in der Vergangenheit auch mal in der Bar «Le Constellation»?

Danach habe es lediglich jährliche Alkohol- und Gesundheitskontrollen gegeben. «Brandschutz-Kontrolleure kommen aber nur vorbei, wenn jemand ein neues Lokal aufmacht oder wenn es irgendwo einen Besitzerwechsel gibt.

Ein weiterer Geschäftsinhaber spricht sogar von «mafiösen Zuständen». Er behauptet gar, gut vernetzte Betriebe seien in den letzten sieben Jahren kaum überprüft worden.

Ermittler untersuchen in der Bar verbaute Materialien

Im Zentrum der strafrechtlichen Ermittlungen stehen derzeit die Betreiber der abgebrannten Bar «Le Constellation». Die Kantonspolizei Wallis leitete ein Verfahren gegen das französische Wirtepaar ein.

Ihnen werde fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft betont jedoch ausdrücklich die Unschuldsvermutung.

crans-montana
Hier soll die Brand-Katastrophe in Crans-Montana VS ihren Anfang genommen haben. Zu sehen ist, wie Wunderkerzen auf Champagnerflaschen die Schallisolierung entzünden. - X/@BFMTV

Ein Schwerpunkt der Untersuchungen liegt auf den in der Bar verbauten Materialien. Insbesondere die Schallisolierung an der Decke könnte eine entscheidende Rolle bei der raschen Ausbreitung des Feuers gespielt haben.

Bilder deuten darauf hin, dass der Brand durch Wunderkerzen auf Champagnerflaschen ausgelöst worden sein könnte. Experten äusserten in verschiedenen Medien die Vermutung, dass billiger Schaumstoff verwendet worden sei.

Betreiber Constellation Crans-Montana
Gegen die Betreiber der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana wurde eine Strafuntersuchung eröffnet - Screenshot/X

Die zuständige Staatsanwältin Béatrice Pilloud mahnte jedoch gegenüber dem «SonntagsBlick» zur Zurückhaltung. Ob das Material vorschriftskonform gewesen sei, werde derzeit geprüft.

Unklar ist auch, ob die Gemeinde den Schaumstoff je inspiziert und für gut befunden hat. Das entsprechende Dossier liegt bei der Staatsanwaltschaft und wurde bislang nicht veröffentlicht.

Gemeindepräsident: «Es gab kein lasches Verhalten»

Brisant ist der Widerspruch zu den Aussagen von Gemeindepräsident Nicolas Féraud. Dieser erklärte an der ersten Medienkonferenz nach dem tödlichen Brand, dass Brandschutzkontrollen in Crans-Montana «jährlich oder zweijährlich» stattfänden.

Der Betreiber von «Le Constellation» widersprach dieser Darstellung jedoch gegenüber den «Tamedia»-Zeitungen indirekt. Der Franzose erwähnte, seine Bar sei in den vergangenen zehn Jahren lediglich dreimal kontrolliert worden. Und dabei sei jeweils «alles vorschriftsmässig abgelaufen».

Zusätzliche Spannung bringt der Entscheid der Gemeinde, sich als Nebenklägerin am Strafverfahren zu beteiligen. Der Gemeinderat beschloss einstimmig eine Zivilklage gegen die Betreiber. Es bahnt sich ein jahrelanger Rechtsstreit zwischen der Gemeinde und dem Besitzerpaar an.

Crans-Montana VS
Nicolas Féraud, der Gemeindepräsident von Crans-Montana VS, hat gegenüber «RTS» jegliche Vorwürfe zurückgewiesen: «Nein, es gab kein lasches Verhalten seitens der Gemeinde Crans-Montana.» - keystone

Auf Anfrage des «Spiegels» erklärte die Gemeinde, alle relevanten Unterlagen seien der Staatsanwaltschaft Wallis übergeben worden. Gegenüber dem Sender «RTS» wies Gemeindepräsident Féraud jegliche Vorwürfe zurück und sagte: «Nein, es gab kein lasches Verhalten seitens der Gemeinde Crans-Montana.»

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