Crans-Montana: Opferanwälte kritisieren fehlende Autopsien

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    Crans-Montana,

    Angehörige der Brandopfer von Crans-Montana VS kritisieren, dass kaum Autopsien angeordnet wurden – und zentrale Fragen offenbleiben.

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    Nach wie vor sitzt der Schock in Crans-Montana VS tief. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Angehörige der Brandopfer von Crans-Montana kritisieren ausbleibende Autopsien.
    • Opfer-Anwälte sehen diese als zentral für die Klärung von Todesursache und Verantwortung.
    • Italien spricht von einem Fehler und lässt nun ein Opfer nachträglich exhumieren.

    Nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS geraten die Behörden weiter unter Druck. Mehrere Familien der 40 Brandopfer kritisieren, dass die Leichen ihrer Angehörigen nicht oder erst sehr spät obduziert wurden.

    Besonders deutlich äussert sich der Walliser Anwalt Jean-Luc Addor, der eine betroffene Familie vertritt. Er beschreibt gegenüber «RTS», dass es massiven Druck gebraucht habe, bis überhaupt eine Autopsie durchgeführt worden sei.

    Der Leichnam des jugendlichen Opfers aus Pully VD wurde anschliessend fast zwei Wochen nach dem Brand untersucht – und nur, weil der Anwalt und sein Team kurz vor der Beerdigung intervenierten.

    «Das sollte ein Routineeingriff sein», kritisiert Addor. Bei einem gewaltsamen Tod hätte die Frage der Autopsie aus seiner Sicht geklärt werden müssen, bevor der Körper den Angehörigen übergeben wird. «Ich verstehe nicht, warum das nicht der Fall war.»

    Klärung der Schuldfrage im Fokus

    Die Untersuchung ergab schliesslich, dass der Jugendliche an einer Rauchvergiftung starb. Für den Anwalt ist weniger das Resultat entscheidend als der Prozess selbst. Die Autopsie habe geholfen, andere Szenarien auszuschliessen und der Mutter Gewissheit zu verschaffen. «Sie sagte mir, sie sei erleichtert», so der Anwalt.

    Auch Romain Jordan, der mehrere Familien vertritt, zeigt derweil kein Verständnis für das Vorgehen der Ermittlungsbehörden. Es sei unverständlich, dass Obduktionen nicht von Beginn weg angeordnet worden seien. «Wir haben es mit gewaltsamen Todesfällen zu tun. Es ist notwendig, die genaue Todesursache festzustellen.»

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    Die Retter von Crans-Montana müssen schreckliche Bilder verarbeiten. - CNN

    Nach Angaben von Addor, der mit den Anwälten mehrerer anderer Opfer in Kontakt steht, sind ihm keine weiteren Autopsien unter den rund 40 Todesopfern bekannt. Er meint aber auch, dass ihm der Gesamtüberblick fehle, um die Situation jedes einzelnen Opfers beurteilen zu können. «Ich wäre sehr überrascht, wenn keine weiteren Autopsien durchgeführt worden wären».

    «RTS» berichtet derweil, dass in der Schweiz bislang nur eine weitere Obduktion vorgenommen worden sei. Zwei weitere Eltern hätten ebenfalls Autopsien verlangt, ihre Anträge jedoch wieder zurückgezogen, da die von der Walliser Staatsanwaltschaft verlangten Abläufe als langwierig und äusserst kompliziert empfunden wurden.

    Italien ordnet erste Exhumierung an

    Internationale Kritik kommt in diesem Zusammenhang auch aus Italien. Das Land beklagt sechs Todesopfer und hat ein eigenes Strafverfahren eröffnet. Italiens Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, spricht wegen der nicht durchgeführten Autopsien offen von einem Fehler.

    Keiner der verstorbenen Italiener sei in der Schweiz obduziert worden, erklärt er in einem Interview mit «SRF News». «Dies wäre nach Ansicht der italienischen Justiz jedoch notwendig gewesen.»

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    Italiens Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado, spricht wegen der nicht durchgeführten Autospien offen von einem Fehler. - Keystone

    Man wisse bis heute nicht, ob die Opfer an Verbrennungen oder einer Rauchvergiftung gestorben seien. «Oder weil sie an der Massenpanik erdrückt wurden.» Diese Unterscheidung sei zentral für die juristische Aufarbeitung.

    In Italien wurde inzwischen die Exhumierung eines Opfers angeordnet, um eine Autopsie nachzuholen. Laut Cornado wurde dies von der Opferfamilie gewünscht.

    Warum wurden keine Autopsien durchgeführt?

    Der Neuenburger Generalstaatsanwalt Pierre Aubert erklärte gegenüber der «RTS», Autopsien seien im Todesfall weder obligatorisch noch automatisch. «Sie wird insbesondere dann angeordnet, wenn es sich um einen vorsätzlichen Mord handelt.» Oder, wenn die Autopsien neue Erkenntnisse versprechen.

    Dass nicht alle der Brandopfer von Crans-Montana obduziert wurden, überrascht den Experten nicht. Zu viele Untersuchungen könnten die Institute für Rechtsmedizin überlasten und Verfahren verzögern. Zudem würden nicht alle Angehörigen eine Obduktion wünschen.

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    Mehrere Familien der 40 Brandopfer von Crans-Montana VS kritisieren, dass die Leichen ihrer Angehörigen nicht oder erst sehr spät obduziert wurden (Archivbild). - Keystone

    Diese Einschätzung teilen jedoch nicht alle Fachleute. Der frühere Berner Rechtsmediziner Ulrich Zollinger zeigte sich gegenüber der «NZZ» überrascht über den Verzicht auf Autopsien. Verzögerungen könnten dazu führen, dass wichtige Spuren verloren gingen. Erfahrungsgemäss möchten laut Zollinger ausserdem die meisten Angehörigen genau wissen, wie ihre Liebsten gestorben seien.

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