Trennen sich häufiger: Scheidungskinder haben weniger Nachwuchs
Eine Studie aus den Niederlanden hat einen Zusammenhang zwischen der Scheidung der Eltern und der Familienplanung ihrer Kinder hergestellt.

Das Wichtigste in Kürze
- Kinder aus Scheidungsfamilien bekommen weniger Nachwuchs. Das hat eine Studie ergeben.
- Zudem bekommen Scheidungskinder tendenziell früher eigene Kinder.
- Die Beziehungen von Kindern aus Scheidungsfamilien halten ausserdem weniger lang.
Scheidungskinder bekommen im Durchschnitt etwas weniger Nachwuchs als andere Menschen.
Bei Männern sei die Zahl der Kinder um rund 13 Prozent reduziert. Bei Frauen um etwa 5 Prozent, schreibt ein Forschungsteam im Journal «Demography».
Das Team hatte Daten von rund 1,75 Millionen Menschen analysiert. Alle waren zwischen 1970 und 1980 in den Niederlanden geboren worden. Die Forschenden hatten danach ihr Leben bis 2023 verfolgt.
Hauptgrund für die tieferen Nachwuchs-Zahlen sei die kürzere Dauer von Ehen und Partnerschaften der Scheidungskinder. Denn Geburten fänden typischerweise innerhalb einer – ehelichen oder nichtehelichen – Partnerschaft statt.
Dazu kommt: Kinder aus geschiedenen Familien bleiben im Schnitt etwas häufiger als andere kinderlos. Bekamen sie Kinder, dann geschah das im Durchschnitt aber früher.
Scheidungskinder bekommen früher eigene Kinder
Der zentrale Mechanismus für die geringere Kinderzahl liegt laut Studie darin, dass Scheidungskinder sich häufiger trennen. Darum haben sie kürzere Ehen und Partnerschaften als andere Menschen.
Von den rund 1,75 Millionen analysierten Erwachsenen hatten rund 186'000 vor dem Alter von 18 Jahren eine elterliche Scheidung erlebt. Das sind knapp 11 Prozent.
Das Forschungsteam hatte für die Studie Kovarianten berücksichtigt. Darunter etwa die Anzahl der Geschwister oder das Wohnumfeld im Alter von 11 Jahren.
Frauen aus geschiedenen Familien bekamen nach den Studiendaten ihr erstes Kind deutlich früher, und zwar um 0,75 Jahre. Bei Männern war der Effekt mit 0,30 Jahren früherer Vaterschaft kleiner.
Ehen von Scheidungskindern enden früher als andere
Für Frauen zeigt die Studie zudem: Je später in der Kindheit die Scheidung stattfand, desto später bekamen sie ihr erstes Kind. Bei Männern sei dieses Muster schwächer und meist nicht deutlich.
In den vergangenen Jahrzehnten sei die Geburtenzahl in nahezu allen europäischen und nordamerikanischen Ländern unter das Bestandserhaltungsniveau gesunken. «Die Kinderlosigkeit hat zugenommen, wobei viele Menschen freiwillig kinderlos bleiben.»
Die Ehe von Scheidungskindern dauerte laut Studie im Schnitt etwa ein Jahr kürzer als bei anderen Menschen.
Werde die verkürzte Dauer berücksichtigt, verschwindet der Zusammenhang zwischen elterlicher Scheidung und Zahl der Nachkommen bei Frauen weitgehend. Bei Männern halbiert sie sich.
Studie erklärt nicht alle Möglichkeiten für weniger Kinder
Zusatzanalysen zeigten, dass die Ergebnisse auch für Kinder gelten können, die die Trennung unverheirateter, zusammenlebender Eltern erleben.
Dazu wurden Daten von Paaren genutzt, die eine gemeinsame Steuererklärung eingereicht oder einen speziellen Vertrag zum Zusammenleben unterzeichnet hatten.

Die Gruppe nennt mehrere Einschränkungen der Studie: Der Ansatz erlaube keine Prüfung aller möglicher Erklärungen dafür, wie die elterliche Scheidung die Einstellungen zu Familie und Ehe prägt.
Die Analyse beziehe sich zudem nur auf die Niederlande – Ein kleines Land mit starkem Wohlfahrtssystem.
«Trennungen hängen nicht pauschal mit niedrigeren Kinderwünschen zusammen»
«Trennungen verlaufen höchst unterschiedlich und sind in unterschiedlichem Ausmass konfliktreich», betont Martin Bujard. Er ist Professor für Medizinische Soziologie und Familiensoziologie an der Universität Heidelberg.
So gebe es Patchworkfamilien mit guter Kommunikation. Aber auch destruktive dauerhafte Konflikte zwischen den Eltern.

«Daher kann man davon ausgehen, dass Trennungen nicht pauschal mit niedrigeren Kinderwünschen zusammenhängen.»
Es komme darauf an, wie die Trennungen ablaufen. Bei den Auswirkungen auf den Kinderwunsch der Kinder sei die Art der Kommunikation in einer Trennungs-Familie entscheidend. Ebenso der Kontakt zu beiden Elternteilen.















