Brandopfer werden mit dem Molekül eines Wurms behandelt
Zwei Wochen nach dem Unglück in Crans-Montana werden in Schweizer Spitälern immer noch Brandopfer behandelt. Das Spital Lausanne setzt auf eine neue Methode.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Universitätsspital Lausanne setzt ein neues Gel zur Behandlung von Brandopfern ein.
- Das Gel basiert auf einem Hämoglobinmolekül, das von einem Meereswurm produziert wird.
- Durch das Molekül können 50-mal mehr Sauerstoffatome im Körper transportiert werden.
Noch immer liegen Brandopfer der Katastrophe in Crans-Montana in den Spitälern.
Am Universitätsspital Lausanne (CHUV) sollen Patienten nun mit einem innovativen Gel behandelt werden, schreibt die Zeitung «24heures». Das Gel basiert auf einem Molekül, das von einem Meereswurm produziert wird. Es soll die Wundheilung beschleunigen.
Bei der Brandkatastrophe in der Bar «Le Constellation» erlitten viele Menschen schwere Verbrennungen. Viele von ihnen werden heute, über zwei Wochen nach dem Unglück, immer noch in Schweizer Spitälern oder im Ausland behandelt.
Das CHUV hat für die dort stationierten Brandopfer jetzt eine experimentelle Behandlung bestellt. Dabei handelt es sich um ein Gel, welches ein Hämoglobinmolekül enthält.
Dieses Molekül wird vom Meereswurm Arenicola marina, auch Wattwurm genannt, produziert. Es kann Sauerstoff aufnehmen und im Körper transportieren.
Molekül kann 50-mal mehr Sauerstoff transportieren
Das Erstaunliche daran: Das Wattwurm-Molekül kann 50-mal so viele Sauerstoffatome transportieren wie unser eigenes Hämoglobin. Das geht aus einem Bericht des Ersten Deutschen Fernsehens hervor.
Der Meeresbiologe Franck Zal hat zusammen mit seinem Team dieses Molekül in ein Gel eingearbeitet. Bei Brandverletzten soll dieses Gel direkt auf die Wunden aufgetragen werden und sie so mit hohen Dosen Sauerstoff versorgen. Dadurch wird die Wundheilung beschleunigt.
Sonderbewilligung für das Arzneimittel
Das CHUV kann die experimentelle Methode aufgrund einer Sonderbewilligung einsetzen.

Alex Josty von Swissmedic – der Schweizer Aufsichtsbehörde für Heilmittel – erklärt gegenüber «24heures»: «Spitäler können mit einer kantonalen Bewilligung ein in der Schweiz nicht zugelassenes Humanarzneimittel importieren.» Dabei müsse kein Antrag bei Swissmedic gestellt werden.
Das CHUV ist nebst dem Universitätsspital Zürich das einzige Spital in der Schweiz, das ein spezialisiertes Zentrum für schwere Verbrennungen hat. Es verwendet bereits andere Techniken zur Wundbehandlung wie Fischhaut und im Labor hergestellte Hautplättchen.
Schwere Verbrennungen beeinträchtigen lebenswichtige Funktionen der Haut, wie die Fähigkeit, Wärme und Flüssigkeit zu speichern. Dies kann zu Durchblutungsstörungen führen und den gesamten Organismus in einen Überlebensmodus versetzen. Mit dem neuen Gel könnte eine schnellere und effektivere Behandlung möglich sein.
















