Wegen Indiskretionen: Moretti-Anwälte kritisieren Walliser Staatsa

Vivian Balsiger
Vivian Balsiger

Crans-Montana,

Fast zwei Monate nach dem Brand von Crans-Montana dominieren die Morettis weiterhin die Schlagzeilen. Nun gehen ihre Anwälte in die Offensive!

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Im Scheinwerferlicht: Die Morettis stehen im Zentrum der Ermittlungen und dominieren die Schlagzeilen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Moretti-Anwälte sprechen von «Lynchjustiz» und kritisieren Falschinformationen.
  • Endlich sollen auch andere potenziell Verantwortliche ins Licht rücken.
  • Etwas Vergleichbares wie bei den Morettis hätten die drei Anwälte noch nie erlebt.

Fast zwei Monate nach dem tragischen Brand von Crans-Montana stehen die Betreiber, das Ehepaar Moretti, weiterhin im Zentrum der Ermittlungen. Und der Schlagzeilen.

In einem Interview mit der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» sprechen die Anwälte von «Lynchjustiz» und prangern Falschinformationen an. Es sei höchste Zeit, auch andere potenziell Verantwortliche in den Blick zu nehmen.

Anwältin Yaël Hayat beobachtet «eine Art Abdriften»: «Es erscheint uns wichtig, wieder Mass zu halten. Und grundlegende Wahrheiten in Erinnerung zu rufen, die man offenbar völlig vergessen hat.»

Letztlich handle es sich um einen Unfall – niemand habe eine solche Tragödie gewollt. Anwalt Patrick Michod ergänzt: «Teile der Ermittlungsakten werden selektiv und parteiisch an die Öffentlichkeit gespielt.» Das erwecke fälschlicherweise den Eindruck, die Morettis hätten etwas zu verbergen.

Für Hayat ist die öffentliche Dynamik beispiellos. Vergleichbares habe sie noch nie erlebt. Nicht mal «in hochsensiblen Mordfällen.»

Und erst recht nicht bei einem Unfall. «Emotion darf nicht in Verleumdung oder Lynchjustiz umschlagen.»

Kritik an der Staatsanwaltschaft

Deutliche Worte richten die Anwälte auch an die Staatsanwaltschaft. Diese würden das verhängte Kommunikationsverbot nicht konsequent durchsetzen.

Während einzelne Opfervertreter regelmässig an die Medien träten, habe man sich selbst strikt an das Verbot gehalten. Trotz entlastender Hinweise in den Akten.

Ein Beispiel für die aus ihrer Sicht problematische Berichterstattung: Medien meldeten, Jessica Moretti habe angeordnet, eine Servicetür zu schliessen.

Für Hayat mediale Eigendynamik: «Aus einer Behauptung entsteht die Vorstellung, sie habe Gäste eingeschlossen. In manchen italienischen Medien hiess es sogar, sie habe Notausgänge abschliessen lassen – Ausgänge, die technisch gar nicht verschliessbar sind.»

Handelt es sich im Crans-Montana-Fall um «Lynchjustiz»?

Offene Fragen sehen die Verteidiger auch bei den Sicherheitskontrollen – insbesondere zur Schaumstoffverkleidung. Patrick Michod betont: «Der Feuerwehrkommandant hat eine Kontrolle durchgeführt und nichts beanstandet. Mindestens zwei Sicherheitsbeauftragte ebenfalls nicht. Ein Barbetreiber ist kein Brandschutzexperte.»

Für genau solche Einschätzungen würde es Fachleute geben.

Versäumnisse bei Kontrollen

Zudem verweisen die Anwälte auf mögliche Versäumnisse bei periodischen Kontrollen durch Gemeinde und Kanton. Hayat sagt: «Die Morettis stehen unter kommunaler Aufsicht, die Gemeinde wiederum unter kantonaler Kontrolle.»

Es sei bekannt geworden, dass regelmässige Kontrollen jahrelang nicht durchgeführt wurden: «Das wirft Fragen auf», so die Anwältin zum «Nouvelliste»

Mit einem raschen Abschluss rechnen die Anwälte nicht. Sie gehen von mindestens fünf Jahren aus.

Die Kernbotschaft der Anwälte bleibt klar: «Wir verlangen nicht, dass man die Scheinwerfer von ihnen abwendet – sondern dass man weitere einschaltet.»

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