«Empörung»: Italienisches Parlament gedenkt mit Schweigeminute
Beim Feuer in der Bar in Crans-Montana starben 40 Menschen, über 100 wurden verletzt. Im Ticker bleibst du über die neusten Entwicklungen im Bild.

Das Wichtigste in Kürze
- In Crans-Montana läuft die Aufarbeitung der Feuer-Katastrophe im «Le Constellation».
- Bei der Tragödie am Neujahrstag starben 40 Menschen, über 100 wurden verletzt.
- Im Ticker hält dich Nau.ch auf dem Laufenden.
Nach der Feuer-Tragödie in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana mit 40 Toten steht die Aufarbeitung im Zentrum. Der Bar-Inhaber sitzt in Untersuchungshaft, seine Frau und Mit-Inhaberin ist auf freiem Fuss. Derweil kommen immer mehr Details über das Ehepaar ans Licht.
Im aktuellen Ticker von Nau.ch bleibst du auf dem Laufenden:
19.12: Das italienische Parlament hat am Dienstag seine Sitzungen mit einer Schweigeminute für die Opfer von Crans-Montana VS eröffnet. «Der Schmerz der Familien der Opfer ist ein Schmerz, den die ganze Nation erleidet», sagte der Präsident des Senats, Ignazio La Russa.
«Im Namen des Senats spreche ich den Angehörigen der verstorbenen jungen Menschen mein tief empfundenes Beileid aus und bitte die Kammer, einige Augenblicke der Stille zum Gedenken an diese schreckliche Tragödie zu begehen», sagte La Russa. «Unsere Gedanken sind bei den Familien der Opfer, bei den verletzten jungen Menschen, die diese schwere Zeit mit Würde und Stärke durchstehen.»

Noch nie habe er in seinem Leben derartigen Schmerz empfunden, «jeder von uns hätte dort Kinder oder Enkelkinder vorfinden können», sagte Antonio Tajani. «Mehr als Minister der Republik oder als Vertreter unseres Landes im Ausland fühlte ich mich als Vater, als Grossvater, und ich vergoss still einige Tränen, weil es ein schrecklicher Anblick war.»
Auch die grössere der beiden Kammern, die italienische Abgeordnetenkammer, hielt am Dienstag einen Moment inne. Die jungen Menschen, die in Crans-Montana das neue Jahr feierten, hatten «das ganze Leben vor sich», sagte der Präsident der Abgeordnetenkammer, Lorenzo Fontana, in Rom.
«Tiefe Trauer und weitverbreitete Empörung»
Das Geschehene habe in Italien «tiefe Trauer und weitverbreitete Empörung» ausgelöst, hielt Aussenminister Tajani im Rahmen einer Unterrichtung der Abgeordnetenkammer zu den Vorfällen von Crans-Montana fest. «Ich hoffe, dass die Wahrheit mit grösstmöglicher Sorgfalt gesucht wird und dass die Justiz rasch ihren Lauf nimmt», sagte er.
Die Abgeordnete Cristina Rossello (Forza Italia) forderte unter anderem bessere Sicherheitskontrollen in Lokalen. Es sei auch notwendig, die Betreiber bei der Erteilung von Lizenzen stärker in die Verantwortung zu nehmen.
Von grundlegender Bedeutung sei auch die Verschärfung der Massnahmen zum Alkoholausschank an Minderjährige unter 16 Jahren, sagte Rossello.
Das absolute Verbot der Verwendung von Feuerwerkskörpern in geschlossenen Räumen müsse mit einer ernsthaften Sicherheitserziehung in den Schulen einhergehen, einschliesslich Evakuierungsübungen.
16.57: Jessica Moretti, die Geschäftsführerin der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS, bleibt auf freiem Fuss. Dies hat das Walliser Zwangsmassnahmengericht beschlossen.
Für die Frau von Barbesitzer Jacques Moretti gilt unter anderem ein Ausreiseverbot.
Das Zwangsmassnahmengericht (ZMG) des Kantons Wallis hat am Dienstag beschlossen, Jessica Moretti «alternative Massnahmen zur Untersuchungshaft» aufzuerlegen. Damit gab es einem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, wie das ZMG mitteilte.

Es handelt sich laut dem Gericht um die üblichen Massnahmen, bestehend aus einem Ausreiseverbot aus der Schweiz, der Verpflichtung, alle Ausweis- und Aufenthaltsdokumente bei der Staatsanwaltschaft zu hinterlegen, der Verpflichtung, sich täglich bei einer Polizeidienststelle zu melden, und der Verpflichtung, angemessene Sicherheiten zu hinterlegen.
Da die Staatsanwaltschaft keine Untersuchungshaft beantragt hatte, konnte diese Zwangsmassnahme laut Gericht nicht angeordnet werden. Zum gegenwärtigen Stand der Ermittlungen gilt für Jessica Moretti weiterhin die Unschuldsvermutung.
16.50: Der Barbesitzer Jacques Moretti, soll bereits zum Zeitpunkt der Renovierungsarbeiten im Le Constellation gewusst haben, dass von dem Schaumstoff eine Gefahr ausging.
Das behauptet zumindest der Gastronom aus Crans-Montana Jean-Daniel Clivaz.
In der italienischen Fernsehsendung «Quarta Repubblica» sagte dieser am Montag, dass er Moretti gewarnt habe: «Ich sagte ihm: Sei vorsichtig, was du tust, sei vorsichtig, was du verwendest. Er antwortete gelassen: Keine Sorge. Ich treffe alle notwendigen Vorkehrungen.»
«Was ich gesagt habe, würde ich auch vor Gericht genauso sagen», sagte Clivaz am Dienstag zu «24 Heures». Clivaz weiter: «Wir alle haben sie im Dorf dabei beobachtet. Sie haben den Schaumstoff eingebaut, obwohl sie wussten, dass es verboten war.»
Clivaz behauptete, Jessica Moretti sei an Silvester mit der Kasse unter dem Arm aus der brennenden Bar geflüchtet. Ein angeblicher Augenzeuge habe die Flucht detailliert geschildert und sei bereits von der Staatsanwaltschaft Wallis vernommen worden, berichtete zuvor die italienische Zeitung «La Repubblica» unter Berufung auf ein Überwachungsvideo.
Das würde die Anklage massiv ändern und könnte auf Totschlag mit Vorsatz lauten. Was zu einer Strafe von bis zu 20 Jahren Gefängnis führen könnte.
15.40: In Rom läuft derzeit ein Verfahren wegen Totschlags, fahrlässiger Körperverletzung und Brandstiftung gegen Unbekannt.
Am Dienstag sprach Aussenminister Antonio Tajani im Senat. «Wir haben gefordert und werden weiterhin fordern, dass alle Verantwortlichkeiten geklärt und die Geschehnisse vollständig aufgeklärt werden. Dies gilt insbesondere angesichts des für alle offensichtlichen fahrlässigen Verhaltens», sagte Tajani.
Der Aussenminister teilte mit, dass sich das Land nicht nur mit den Ermittlungen beschäftige, sondern sich als Nebenklägerin am Verfahren beteiligen wolle. «Es ist richtig, dass Italien sich als Nebenklägerin an dem Verfahren beteiligt, denn dies ist eine Wunde, die dem ganzen Land zugefügt wurde.»
«Ziehsohn» des Betreiberpaars äussert sich
12:59: Knapp zwei Wochen nach dem Feuer in Crans-Montana hat sich Jean-Marc, der als «Ziehsohn» des Betreiberpaars Jacques und Jessica Moretti gilt, öffentlich geäussert.
Gegenüber dem Sender BFMTV verteidigt er das Ehepaar, gegen das wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung ermittelt wird.
Er betont, dass Jessica Moretti als Erste die Feuerwehr verständigte. Zudem habe Jacques Moretti Gästen geholfen, die brennende Bar zu verlassen.
Beide seien vom Geschehen traumatisiert. Es sei ungerecht, sie zu «entmenschlichen», sagt Jean-Marc. Sie hätten «Respekt für die Opfer und teilen den Schmerz».

Zur Sicherheit der Bar erklärt er, dass ein Notausgang vorhanden und geöffnet gewesen sei. Zudem habe es Feuerlöscher gegeben.
Jean-Marc befand sich zum Zeitpunkt des Brandes auf der Terrasse des «Le Constellation» und schildert das Chaos, das sich in wenigen Sekunden entwickelte.
Er habe eine Menschenmenge gesehen, die aus dem Inneren auf die Veranda geströmt sei. «Frau Moretti kam zu mir und sagte: Es brennt!› Alle lagen übereinander. Sie war nicht weit von mir entfernt und sagte: ‹Ich rufe die Feuerwehr›», so der 33-Jährige.
Er selbst habe Personen aus dem Gebäude gerettet.
Opferanwältin fordert 50 Mrd. Franken Entschädigung
10:39: Die italienische Opferanwältin Annamaria Bernardini de Pace erhebt schwerwiegende Vorwürfe gegen die Schweizer Behörden.
Im Interview mit «Il Giornale» spricht sie nicht mehr von einem Unglück, sondern von einem möglichen «Massaker» («strage») und verlangt eine Entschädigung in Höhe von 50 Milliarden Euro.
Sie kritisiert scharf das Fehlen von Sicherheitsvorkehrungen in der Bar «Le Constellation». Insbesondere, dass es (mutmasslich) nur einen Notausgang gab.
Dass seit fünf bis sechs Jahren keine Kontrollen durchgeführt worden seien, wie die Gemeinde selbst einräumte, sieht sie als massives institutionelles Versagen, das dem internationalen Ruf der Schweiz schade.
Ihrer Ansicht nach reicht die bisherige strafrechtliche Einordnung (fahrlässige Tötung) nicht aus. Sie fordert, auch vorsätzliche Delikte wie Massenmord zu prüfen, da das Ignorieren von Sicherheitsstandards das Inkaufnehmen von Todesopfern bedeute.
«Charlie Hebdo» doppelt mit Karikatur nach
07:30: Nach der Strafanzeige im Wallis gegen die Satirezeitschrift Charlie Hebdo wegen einer Karikatur zur Brandkatastrophe in Crans-Montana hat die Satire-Zeitschrift am Montag mit einer neuen Zeichnung reagiert.
Die neue Karikatur zeigt zwei Armbrustschützen, die offenbar Mitglieder der Redaktion attackieren, begleitet von der provokativen Frage: «Darf man mit den Schweizern blasphemieren?»
Le dessin du jour, par #Salch pic.twitter.com/XUYSDKuluP
— Charlie Hebdo (@Charlie_Hebdo_) January 12, 2026
Zuvor hatte Charlie Hebdo eine Zeichnung veröffentlicht, auf der brennende Skifahrer zu sehen waren – mit dem Titel «Die Verbrannten gehen Skifahren».
Die Karikatur hatte insbesondere in der Westschweiz für Empörung gesorgt. Die Autorin Béatrice Riand und der Anwalt Stéphane Riand erstatteten daraufhin Anzeige wegen Verletzung der Menschenwürde gemäss Artikel 135 des Schweizer Strafgesetzbuches.
Kellnerin mit Wunderkerzen starb bei Feuer-Tragödie
05.00: Die junge Kellnerin, die in der Silvesternacht mutmasslich den Brand im der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana VS ausgelöst hat, ist unter den 40 Todesopfern.

Mehrere Zeugen bestätigten laut den «Tamedia»-Zeitungen gegenüber den Ermittlern, dass die 24-jährige Cyane P. jene Frau war, die mit einem Helm auf den Schultern eines Kollegen zwei Champagnerflaschen mit Wunderkerzen servierte und dabei der leicht entflammbaren Schallisolation an der Decke zu nahe kam. Kurz darauf brach das verheerende Feuer aus.

Aus den Einvernahmeprotokollen geht hervor, dass die Kellnerin dem Betreiberpaar Jacques und Jessica Moretti nahegestanden haben soll. Sie war die Freundin eines Kochs aus einem anderen Restaurant der Morettis und wurde von den Betreibern auf Fotos der Aktion eindeutig identifiziert.
Moretti: «Versuchten sie über eine Stunde lang wiederzubeleben»
Wie Jacques Moretti bereits am 1. Januar bei seiner ersten Einvernahme durch die Walliser Kantonspolizei erklärt haben soll, versuchte er nach dem Brandausbruch gemeinsam mit dem Freund der Kellnerin, über den Haupteingang ins brennende Lokal zu gelangen. Die beiden scheiterten jedoch am dichten Rauch.

Erst über eine Servicetür kamen sie ins Innere und zogen mehrere reglos am Boden liegende Personen ins Freie – darunter auch die junge Kellnerin. Moretti sagte aus, man habe über eine Stunde lang versucht, sie wiederzubeleben, bis die Rettungskräfte mitteilten, dass es zu spät sei.
Familie von Kellnerin: «Diese junge Angestellte trägt keinerlei Verantwortung»
Die Familie der Verstorbenen erklärte über ihre Anwälte, die 24-Jährige habe lediglich Anweisungen ihrer Arbeitgeber befolgt. Sie habe vor der Geschäftsführerin getan, was von ihr verlangt worden sei, und trage keinerlei Verantwortung für das Geschehene.

















