Coronavirus: Zwangsrekrutierung für Pflegende sorgt für rote Köpfe

    Wegen der Lage rund um das Coronavirus hat der Kanton Graubünden eine Meldepflicht für das Pflegepersonal eingeführt. In der Branche stösst dies auf Empörung.

    Coronavirus
    Im Kanton Graubünden gilt eine Meldepflicht für das Ex-Gesundheitspersonal. In der Branche selbst stösst dies auf Kritik. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Im Kanton Graubünden wird eine Rekrutierung für das Ex-Pflegepersonal eingeführt.
    • Grund dafür ist ein personeller Engpass.
    • Unter den Berufsleuten sorgt die Meldepflicht für rote Köpfe.

    Der Kanton Graubünden sorgte am Mittwoch mit einem Aufruf für Aufsehen. Angesichts der Lage um das Coronavirus müssen sich ausgebildete Pflegekräfte, die nicht im Beruf arbeiten, melden. Dies im Hinblick auf eine allfällige spätere Verpflichtung zu einem Einsatz, heisst es in einer Mitteilung.

    Der Kanton erklärt auf Anfrage von Nau.ch: Man gehe davon aus, dass die Zunahme der Corona-Ansteckungen die «personellen Ressourcen in den Pflegeberufen» an ihre Grenzen bringen werde. Deshalb kam es zu diesem Entscheid.

    Auf die Frage, ob Personen, die sich trotz des Aufrufs nicht melden, Konsequenzen befürchten müssen, winkt der Kanton ab: «Der Fokus liegt derzeit auf der Bewältigung der Pandemie, nicht auf der Kontrolle, wer sich tatsächlich gemeldet hat.»

    Dennoch sei es eine Verpflichtung, sich zu melden. Es handelt sich laut dem Kanton Graubünden letzten Endes auch um die Verantwortung jedes Einzelnen.

    Coronavirus: Pflegefachfrau empört über Zwangsrekrutierung

    Für die Bündner Pflegefachfrau Christina Schumacher sendet der Kanton mit dieser Massnahme «negative Signale». «Es ist seit Jahren bekannt, dass fast jede zweite Pflegefachperson frühzeitig aus dem Beruf aussteigt. Wer ausgestiegen ist, tat dies aus guten Gründen. Diese Gründe sind vor allem der Lohn und die Arbeitsbedingungen.»

    Die Politik und die Arbeitgeber hätten die Gründe der Pflegenden «jahrzehntelang ignoriert, negiert und kleingeredet». «Und jetzt will man dieselben Personen quasi zwangsrekrutieren», so Schumacher gegenüber Nau.ch.

    Befürworten Sie diese Massnahme des Kantons Graubünden?

    «Freiheit der Pflegenden gar nichts wert»

    Es werde sonst enorm auf die Freiheit des Einzelnen gepocht, sei es etwa beim Thema Impfen gegen das Coronavirus. Schumacher weiter: «Aber die Freiheit der einzelnen Pflegenden ist dann offenbar weniger bis gar nichts wert.»

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