Bei den Massen-Protesten gegen Polizeigewalt kann es schnell zu Infektionen mit dem Coronavirus kommen. Virologen auf der ganzen Welt sind deshalb alarmiert.
George Floyd - Basel Coronavirus
Demonstrierende halten ein Banner mit der Aufschrift «Black Lives Matter - Auch in der Schweiz!» während eines Protests gegen Rassismus und Polizeigewalt. Foto: Georgios Kefalas - DPA

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Demonstrationen kann es sehr schnell zu Übertragungen des Coronavirus kommen.
  • Epidemiologen sind besorgt, dass die Corona-Pandemie dadurch verstärkt werde.
  • Auch in der Schweiz wurde am Wochenende gegen Polizeigewalt und Rassismus demonstriert.
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In Zürich und Basel haben am Wochenende über 6000 Personen gegen Polizeigewalt und Rassismus demonstriert. Diese Massenproteste, die nach den USA mittlerweile auch viele europäische Städte erreicht haben, bereiten den Epidemiologen Sorgen.

George Floyd - Zürich
Demonstranten halten bei einem Protest Plakate und ein Banner hoch. Der Protest richtet sich gegen den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners Floyd in den USA durch einen weissen Polizisten in Minneapolis. Foto: Alexandra Wey - DPA

Tausende Menschen stehen oder marschieren teils stundenlang eng nebeneinander. Sie brüllen laut, um ihre Wut über den Tod von George Floyd und dem sich darin spiegelnden Rassismus rauszulassen.

Perfekte Bedingungen, damit sich das Coronavirus verbreiten kann – ohne der kleinsten Chance eines Contact Tracings.

Experte rechnet mit bis zu 30 zusätzlichen Toten täglich

Virologe Trevor Bedford vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle berechnete den Effekt der Demonstrationen auf die Corona-Zahlen. Seine Berechnungen beruhen auf Annahmen aufgrund von der aktuellen Datenlage.

Er geht von folgenden Annahmen aus: Derzeit sei der Anteil an Infizierten in den USA bei rund 0.5%. Die Gesamtzahl der Demonstranten liege bei rund 600'000 am Tag. Die Infektionszahl R liege bei etwa 1.

Mit diesen Parametern stecken sich täglich 3000 Menschen an den Protesten mit dem Coronavirus an. Bei einer Sterberate von zwischen 0,5 und 1 Prozent ergibt dies 15 bis 30 zusätzliche Corona-Tote pro Tag.

Gerade die schwarze Bevölkerung, die mehrheitlich auf die Strassen geht, könnte stark betroffen sei. Also gerade diejenigen, die in den USA bereits überproportional stark von der Pandemie getroffen wurden.

Anthony Fauci: «Unbedingt jederzeit Maske tragen»

Der führende Corona-Berater von US-Präsident Donald Trump, Anthony Fauci, zeigt sich ebenfalls besorgt. Die Demonstrationen seien das «perfekte Szenario» für die Ausbreitung des Coronavirus. Er habe bei vielen Aufnahmen beobachten können, dass Demonstranten häufig ihre Masken abnehmen würden, sobald die Situation hitzig werden.

anthony fauci e mails
Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten, spricht im Weissen Haus über das Coronavirus. - dpa

Fauci empfiehlt deshalb in einem Interview beim Radiosender «wtop»: «Wenn möglich nicht bei den Protesten teilnehmen. Falls man jedoch teilnehmen, dann unbedingt jederzeit eine Maske tragen.»

Marcel Salathé befürchtet Superspreader-Events

Der Schweizer Epidemiologe Marcel Salathé befürchtet, dass die Demonstrationen sogenannte Superspreader-Events werden. Dabei könnten einzelne Menschen sehr viele weitere anstecken. Das sei besonders ohne Schutzmasken der Fall, wie Salathé in der «Tagesschau» auf SRF erklärte.

Marcel Salathé
Marcel Salathé befürchtet sogenannte Superspreader durch Floyd-Demos. - Keystone

Die aktuelle Strategie zur Eindämmung des Coronavirus basiert auf der Rückverfolgung von Übertragungsketten. Dank diesem Contact Tracing können gezielt Personen in Quarantäne gestellt werden, die infiziert sein könnten.

Wenn dies nicht mehr möglich wäre – etwa bei Ansteckungen an einer Demonstration – könnten wieder striktere Massnahmen nötig werden. Denkbar wäre auch ein erneuter Lockdown.

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