Er wettert gerne gegen das Coronavirus und die Impfung: Robert F. Kennedy Jr. sprach auch in Bern darüber. Hier seine wichtigsten Aussagen im Faktencheck.
Robert F. Kennedy Jr. spricht an einer Rede in Bern zu Gegnern des Covid-Gesetzes. Ein Dolmetscher übersetzt seine Aussagen an der Veranstaltung in Echtzeit. - Nau.ch / Aydemir

Das Wichtigste in Kürze

  • Der amerikanische Impfgegner Robert F. Kennedy Jr hatte einen Gastauftritt in Bern.
  • An der Demonstration hielt er eine Rede und verbreitete Falschinformationen.
  • Hier finden Sie den Faktencheck zu den wichtigsten Aussagen des Corona-Skeptikers.

Er ist gegen die US-Regierung, gegen das Coronavirus und wittert hinter jeder Ecke eine Verschwörung: Robert F. Kennedy Jr (67), der Neffe des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy (†46), sprach in Bern-Wankdorf über vieles, aber nur wenig über die Wahrheit. Einige tausend Personen hingen dem US-Amerikaner am Freitag auf dem Rosalia-Wenger-Platz während rund einer halben Stunde an den Lippen.

Mit zittriger Stimme trug der Rechtsanwalt und Impfgegner seine Theorien rund um das Coronavirus vor. Währenddessen übersetzte ein Dolmetscher die Halb- und Unwahrheiten in Echtzeit.

Coronavirus: Kovic ordnet Verschwörungstheorien ein

Doch wie viele von den wirren Parolen stimmen tatsächlich? Soziologe und Verschwörungstheorien-Experte Marko Kovic widerlegt im Nau.ch-Faktencheck die wichtigsten Aussagen des Verschwörungstheoretikers.

Aussage von Kennedy: In den USA haben wir die Demokratie bereits verloren, das gleiche Schicksal droht allen anderen Demokratien in der Welt. Wie wurde das überhaupt ermöglicht? Nur durch die Angst, die Furcht, die permanent erregt wird. Die Furcht hat die Fähigkeit, dass die Menschen nicht mehr kritisch denken können.

Marko Kovic: Tatsächlich kann in den USA in den letzten rund zwei Jahren eine Erosion demokratischer Normen und Verfahren beobachtet werden. Aber nicht wegen der Pandemie, sondern wegen der republikanischen Partei. Denn diese verbreitet zu grossen Teilen immer noch Donald Trumps Lüge, er hätte bei den letzten Präsidentschaftswahlen gewonnen.

Coronavirus
Marko Kovic, Soziologe und Experte für Verschwörungstheorien, warnt davor, das Gewaltpotenzial der Skeptiker wegen der angespannten Situation um das Coronavirus zu unterschätzen. - zVg

Aussage von Kennedy: Sie haben gleichsam auf internationaler Ebene ein künstliches Stockholm-Syndrom herbeigeführt. Die Unterdrückten schliessen ihre Unterdrücker ins Herz, tun alles, was sie sagen. Und das, obwohl sie erst durch diese Verbrecher in diese Lage geraten sind.

Marko Kovic: Diese Behauptung ist faktenfreie Polemik und Demagogie. Sie zeigt auf, dass Kennedy an eine grossangelegte Verschwörung glaubt; dass dunkle Mächte mit der Pandemie Übles tun.

Aussage von Kennedy: Ich bin in die Schweiz gekommen, da die Schweiz gegenwärtig die letzte Bastion der Demokratie in Europa ist.

Marko Kovic: Die Behauptung, die Schweiz sei die «letzte Bastion der Demokratie in Europa», ist in politikwissenschaftlicher Hinsicht schlicht falsch. Westeuropäische Länder sind nach wie vor klar demokratisch.

Robert F. Kennedy Jr
Robert F. Kennedy Jr 2020 in Berlin. Schon damals sprach er über das Coronavirus. - AFP/Archiv

Aussage von Kennedy: Es gibt wichtigere Dinge, als vor dem Tod Angst zu haben. Denn die Alternative lautet, lebenslange Sklaverei im Dienste von Bill Gates und Konsorten.

Marko Kovic: Hier bestätigt Kennedy nochmals sein verschwörungstheoretisches Weltbild. Superreiche Menschen wie Bill Gates dürfen und sollen kritisiert werden. Die Behauptung aber, dass Gates «und Konsorten» uns mit der Pandemie versklaven wollen, ist komplett unbelegt.

Aussage von Kennedy: Unsere Aufgabe als Bürger der Demokratie ist es, Widerstand, Widerstand und nochmals Widerstand zu leisten.

Marko Kovic: Dieser Aufruf ist im Kontext der ganzen Rede Kennedys gefährlich und führt zu noch mehr Wut und Groll. Als Bürger in einer Demokratie ist es tatsächlich unsere Aufgabe, vernünftig miteinander zu diskutieren. Und auch Bereitschaft zu zeigen, uns selber kritisch zu hinterfragen, anstatt uns immer stärker in gefährliche Verschwörungstheorien zu verbeissen.

Kennedy-Aussagen zu Corona-Impfungen widerlegt

Auch in Sachen Impfung hat der Kennedy-Neffe sich nicht zurückgehalten. Von wirren Behauptungen zur Wirksamkeit, über Herzinfarkt-Horrorszenarien bis hin zur schlampigen Entwicklung: «Big Pharma» und die Regierungen sollen laut Kennedy in Sachen Impfung gegen das Coronavirus ganz gehörig gepfuscht haben. Hier eine Einordnung seiner heftigsten Aussagen.

Aussage von Kennedy: «Ich sage nur etwas zu den Impfstoffen, vor allem zu Pfizer in den USA: Die Studie sollte anfangs drei Jahre dauern, dann wurde auf die Notfallzulassung nach sechs Monaten ausgewichen. Dies, da man erkannte, dass man die Wirksamkeit nie erreichen werde.»

Faktencheck: Ja, die schnelle Zulassung der Corona-Impfstoffe ist eine absolute Ausnahme. Grund dafür ist aber nicht etwa Schummelei, sondern eine «beispiellose Zusammenarbeit von Forschenden». Dies erklärt Anita Niederer-Loher, Fachärztin für Infektiologie im BAG-Faktencheck. «Beim Corona-Impfstoff hatten wir keine Zeit, viele Prozesse liefen parallel.»

Coronavirus Impfzulassung
So läuft eine «normale» Entwicklung eines Impfstoffs ab.
Coronavirus
... und so sah der Prozess im Zusammenhang mit dem Coronavirus aus.

So konnte eine schnelle - und sichere - Zulassung garantiert werden. Alle in der Schweiz zugelassenen und empfohlenen Impfstoffe gegen das Coronavirus haben ein starkes Sicherheitsprofil. Sie werden auch während ihrer Verwendung weiterhin überwacht.

Aussage von Kennedy: «Für jede Person, die gegen das Coronavirus geimpft ist, sterben vier Geimpfte an einem Herzinfarkt [aufgrund der Impfung]. Die Chance, in den nächsten sechs Monaten an einem Herzinfarkt zu sterben ist also 500 Prozent höher, wenn man geimpft ist.»

Die Rechnung von Kennedy macht, salopp ausgedrückt, keinen Sinn.

Faktencheck: Wem ging die Rechnung auch zu schnell? Rechnen wir anhand eines realen Beispiels nach. Vor sechs Monaten, im Mai 2021, waren rund 2,5 Millionen Menschen in der Schweiz mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Bedeutet nach Kennedys Rechnung also, dass 80 % (knapp zwei Millionen) dieser Geimpften bereits an einem Herzinfarkt gestorben sein müssten.

In Sachen Herzinfarkt liegt die Melderate bei Swissmedic bisher bei etwa einem Fall pro 400’000 Impfdosen. Bisher starb ein einziger Patient im Alter von 67 Jahren nach der Impfung an einem Herzinfarkt – mit kardialen Vorerkrankungen.

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