Coronavirus: Clubbetreiber wollen App-Pflicht für Partygäste

    Simon Binz
    Simon Binz

    Zürich,

    Mehrere grössere Corona-Ausbrüche in der Schweiz sind auf Club- oder Barbesuche zurückzuführen. Lokalbetreiber wollen nun eine Corona-App-Pflicht einführen.

    00:00 / 00:00

    Im Zürcher Club «Flamingo» kam es zum ersten bekannten Superspreader-Fall des Landes. - Instagram

    Das Wichtigste in Kürze

    • Corona-Ausbrüche im Zusammenhang mit dem Party-Leben sorgen in der Schweiz für Furore.
    • Dabei zeigt sich: Das Contact-Tracing bei den Nachtschwärmern ist nicht ganz einfach.
    • Nun wollen Lokal-Betreiber den Behörden offenbar eine Corona-App-Pflicht vorschlagen.

    Bar- und Club-Besuche werden in der Schweiz allmählich zum Corona-Problem. Angefangen hatte alles mit einem Corona-Kranken, der sich am 21. Juni ins Zürcher Nachtleben stürzte. Die Konsequenz: Fünf seiner mit ihm feiernden Freunde wurden positiv getestet und 300 Besucher des «Flamingo» müssen in Quarantäne.

    Am Montag die nächste Hiobsbotschaft: Im Kanton Aargau haben sich in der Tesla-Bar in Spreitenbach 20 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Am Abend der Infizierung befanden sich etwa 100 Menschen in der Bar.

    Tesla Bar Coronavirus
    Das Innere der Tesla Bar in Spreitenbach AG. Hier infizierten sich mindestens 20 Menschen mit dem Coronavirus. - Instagram / @teslabarlounge

    Nach Abklärungen der Infektionskette stellte sich heraus, dass der «Corona-Gau» im Aargau mit dem «Superspreader-Event» in Zürich zusammenhängt.

    Ebenfalls am Montag wurde zudem in Graubünden ein Corona-Hotspot entdeckt. Zehn junge Männer, die in Serbiens Hauptstadt Belgrad feierten, kehrten mit dem Virus nach Hause zurück.

    Contact-Tracing im Nachtleben schwierig

    Im Kanton Aargau sind die Behörden zurzeit noch damit beschäftigt alle Kontaktpersonen der 20 Infizierten zu eruieren. Die 100 Gäste, die sich an dem betroffenen Abend in der Bar befanden, sind in Quarantäne-Abklärung.

    Die Aargauer Kantonsärztin Yvonne Hummel hat in einem Interview mit «20 Minuten» erwähnt, dass die Kontakt-Liste der Tesla-Bar «sorgfältig ausgefüllt» worden sei.

    Contact Tracing Coronavirus
    Contact-Tracing setzt das Testen jeglicher Personen mit Symptomen voraus. (Symbolbild) - keystone

    Bei den zwei anderen Fällen stellte sich das Contact-Tracing für die Behörden hingegen als umständlicher heraus. Laut der Zürcher Kantonsärztin Christiane Meier hatten Party-Gänger gegenüber dem «Flamingo» viele falsche E-Mail-Adressen angegeben. Zudem seien die Kontaktermittler bei ihrer Nachforschungsarbeit sogar beschimpft worden.

    Clubs wollen Corona-App-Pflicht

    Die Gesundheitsverantwortlichen im Kanton Graubünden machten zudem Probleme bei der Kooperation mit den betroffenen Männern aus. Offenbar waren einige von ihnen mit bedeutend mehr Personen in Kontakt, als sie ursprünglich angegeben hatten.

    Coronavirus
    Die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus ist besonders in Bars und Clubs hoch. - Keystone / Pixabay

    Die Party-Tempel – besonders in Zürich – dürften also gewarnt sein. Dazu äussern will sich aber niemand: Mehrere Clubbetreiber verwiesen auf Anfrage von Nau.ch an die Bar & Club Kommission Zürich.

    Diese will erst am Mittwoch kommunizieren. Vertreterinnen und Vertreter der Kommission treffen sich nämlich am Dienstagabend mit der Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli zum Krisengespräch.

    SwissCovid App Coronavirus
    Die Swiss Covid-App erleichtert das Contact-Tracing. - Keystone

    Laut Recherchen der SRF-Sendung «10vor10» werden sie der SVP-Politikerin vorschlagen, dass Party-Gäste die Corona-Tracing-App des Bundes herunterladen müssen. Ansonsten gibt es keinen Einlass.

    Die Argumente der Club-Betreiber seien: Ansteckungen werden zurückverfolgbar und wer nicht in Quarantäne will, wird sich auch eher an die Hygiene-Regeln halten.

    Experten befürworten ID-Pflicht

    Eine Corona-App-Pflicht wäre laut Experte Marcel Salathé aber der falsche Ansatz. Gegenüber «SRF» bezeichnete er die App als «Zusatz zum klassischen Contact-Tracing». Dieses müsse erst einmal richtig funktionieren, «dann kann die App dazu etwas helfen».

    Ausserdem wäre die Einführung eine Corona-App-Pflicht gemäss dem Epidemiologen der ETH Lausanne gesetzlich gar nicht möglich. «Der Artikel 60a des Epidemiengesetzes verhindert, dass man aufgrund des Benutzens dieser App diskriminieren kann.»

    Coronavirus
    ETH-Epidemiologe Marcel Salathé fände eine Corona-App-Pflicht fürs Nachtleben der «falsche Ansatz». - sdf

    Als mögliche Massnahme sieht Salathé hingegen die ID-Pflicht. Ins gleiche Horn bläst auch Berufs-Kollege Marcel Tanner der gestern gegenüber Nau.ch sagte: «Eine ID-Pflicht würde Sinn ergeben, da die Leute sich dann wirklich verpflichtet fühlen ihre richtigen Kontaktdaten anzugeben».

    Kommentare

    Weiterlesen

    superspreader
    158 Interaktionen
    «Superspreader»
    Tesla Bar
    293 Interaktionen
    Neuer Corona-Hotspot
    flamingo club Coronavirus
    39 Interaktionen
    Anweisungen folgen

    MEHR CORONAVIRUS

    Sportler
    38 Interaktionen
    Xhaka-Hammer
    Impfung Covid
    50 Interaktionen
    Covid-19
    Luftfahrt
    9 Interaktionen
    Passagierzahlen
    Long Covid
    4 Interaktionen
    Obwalden

    MEHR AUS STADT ZüRICH

    Taxi
    404 Interaktionen
    Spritpreis steigt
    Zoe Torinesi
    24 Interaktionen
    Nach Unfall
    GC
    56 Interaktionen
    Weg bei GC
    Zürich
    8 Interaktionen
    77 zu 93