Aus Schamgefühlen gehen ungeimpfte Personen zu spät zum Arzt. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Behandlung? Der Berner Notfall-Chef klärt auf.
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Coronavirus: Immer wieder gibt es ungeimpfte Personen, die aus Schamgefühlen zu spät zum Arzt gehen. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer wieder begeben sich ungeimpfte Personen wegen Schamgefühlen zu spät zum Arzt.
  • Oft landen diese Personen dann direkt auf der Intensivstation.
  • Deshalb rät der Chefarzt im Inselspital Bern zu einer frühzeitigen Behandlung.

Die vierte Welle des Coronavirus steht voll und ganz im Zeichen der Ungeimpften: Mehr als neun von zehn Hospitalisierten sind nicht vollständig geimpft. Die Intensivstationen der Schweiz sind mittlerweile zu 80 Prozent belegt.

Der fehlende Impfschutz ist aber nicht der einzige Grund, weshalb sich die Intensivbetten mit Corona-Patienten füllen. Immer wieder gibt es ungeimpfte Personen, die aus Scham zu lange auf eine Behandlung beim Arzt warten. Davor warnte der Chefarzt des Notfallzentrums des Inselspitals am Wochenende gegenüber Nau.ch.

Coronavirus - Schweiz
Wer trotz Coronavirus zu spät zum Arzt geht, riskiert eine Behandlung auf der Intensivstation. - dpa

Die Folge: Der Gesundheitszustand dieser Personen verschlechtert sich innerhalb kurzer Zeit so sehr, dass viele direkt auf der Intensivstation landen.

Coronavirus: Frühzeitige Behandlung bei ungeimpften Personen

Genau das gilt es in der schon jetzt angespannten Situation in den Spitälern zu verhindern. Deshalb rät der Chefarzt des Notfallzentrums des Inselspitals, Aristomenis Exadaktylos, zu einer frühzeitigen Behandlung.

Gerade ungeimpfte Risikopatienten und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten bei einer Corona-Infektion nicht zu lange auf einen Arzttermin warten. Dasselbe gelte auch für Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie Menschen mit Übergewicht.

Aristomenis Exadaktylos
Aristomenis Exadaktylos, Chefarzt des Insel-Notfalls, sieht auch die Impfscham im Zusammenhang mit dem Coronavirus als Grund für die vollen Intensivstationen. - zVg / notfallzentrum.insel.ch

Grundsätzlich sollten sich aber auch alle anderen Personen, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind, frühzeitig behandeln lassen. «Gerade Probleme beim Atmen sind immer ernst zu nehmen, da die Lungen besonders gefährdet sind», erklärt Exadaktylos.

Keine ärztliche Behandlung bei milden Symptomen

Es gäbe zudem typische Symptome, bei welchen sich nicht geimpfte Personen aus der Isolation begeben und einen Arzt aufsuchen sollten. «Das sind Kurzatmigkeit, Husten, der sich nicht bessert, Fieber, das nicht sinkt, starke Kopfschmerzen oder anhaltende Schwäche.»

Sind Sie gegen Corona geimpft?

Bei Symptomen einer einfachen Sommergrippe sei es hingegen nicht notwendig, einen Arzt aufzusuchen. «Typische Beispiele dafür sind Geschmacks- und Geruchsstörungen», sagt Exadaktylos, der auch Co-Präsident der Schweizer Gesellschaft für Notfall und Rettungsmedizin ist.

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