Brandopfer: Jessica Moretti «stand da – ohne Hilfe zu leisten»
Nach dem tödlichen Bar-Brand in Crans-Montana dauert die Aufarbeitung weiter an. Nau.ch informiert im Ticker über die neusten Ereignisse.

Das Wichtigste in Kürze
- In Crans-Montana starben in der Neujahrsnacht 40 Menschen bei einem Barbrand.
- Seither dauert die Aufarbeitung der Tragödie an.
- Ein Brandopfer, das in Belgien behandelt wird, kritisiert die Bar-Betreiberin.
- Im Nau.ch-Ticker bleibst du auf dem Laufenden.
Bei der verheerenden Brandkatastrophe an Silvester in der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana kamen insgesamt 40 junge Menschen ums Leben. 116 Personen erlitten zudem teils schwere Verletzungen.
Mittlerweile wurde das Ehepaar Moretti, dem die Bar gehört, befragt. Der Wirt Jacques Moretti befand sich zeitweise in Untersuchungshaft und wurde kürzlich gegen Kaution freigelassen.
Zudem hat die Walliser Staatsanwaltschaft das Strafverfahren ausgeweitet. Nun gerät auch ein ehemaliger Sicherheitsverantwortlicher der Gemeinde in das Visier der Justiz. Dieser war während der Sicherheitskontrollen von 2018 und 2019 in der Gemeinde Crans-Montana tätig.
Mit dem Nau.ch-Ticker bleibst du auf dem Laufenden:
Reynard fordert lückenlose Aufklärung nach Brand von Crans-Montana
09.13: Einen Monat nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS fordert der Walliser Regierungspräsident Mathias Reynard eine lückenlose Aufklärung durch die Justiz und eine umfassende Unterstützung für die Opfer und ihre Familien. «Nun muss die Justiz mit Strenge und Unabhängigkeit vollständige Klarheit schaffen», sagte der SP-Staatsrat im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
«Und die Regierung muss ihrerseits alles daransetzen, sämtliche Opfer und betroffenen Familien zu unterstützen zunächst mit Soforthilfen und später über die Stiftung, die wir gründen», fuhr Reynard fort. Es sei entscheidend, die Verletzten und alle betroffenen Familien langfristig zu begleiten.

In seiner Funktion als Präsident der Walliser Regierung stand Reynard seit dem ersten Tag der Katastrophe an vorderster Front. «Schon sehr früh wurde mir das Ausmass des Dramas bewusst. Für mich zählte damals vor allem eines: an der Seite der Rettungskräfte zu sein, aber auch bei den Opfern und ihren Familien», sagt Reynard einen Monat später im Rückblick.
«Man mag Präsident der Regierung sein, doch man bleibt vor allem Mensch. Dieses Drama, das unerträgliche Warten der Familien, die Verletzten, die Verstorbenen, diese ausgelöschte Jugend – auf solche Momente kann man sich nicht vorbereiten», fügte er hinzu.
Zur bewegenden Rede, die er am 9. Januar in Martigny anlässlich der nationalen Gedenkfeier für die Opfer hielt, sagte Reynard: «Ich habe versucht, diesen Text so zu schreiben, wie wir diese Gedenkfeier organisiert haben: mit Demut und Würde.»
Brandopfer: Jessica Moretti «stand da – ohne Hilfe zu leisten»
08.30: Die 18-jährige Roze aus Vevey VD hat den Brand in Crans-Montana VS überlebt. Sie wird mit schweren Verbrennungen in Belgien behandelt. Insgesamt lag sie 18 Tage im künstlichen Koma, inzwischen ist sie wieder bei Bewusstsein.
Mit der belgischen Zeitung «Het Laatste Nieuws» sprach sie über die Silvesternacht: Besonders irritiert habe sie das Verhalten von Jessica Moretti.
Nachdem Roze sich aus dem brennenden Gebäude retten konnte, habe sie die Bar-Besitzerin draussen gesehen: «Mit etwas in den Händen, von dem inzwischen gesagt wird, dass es ihre Kasse war.»

Ein Bild habe sich bei ihr besonders eingeprägt: «Jessica Moretti stand da und weinte, während sie auf ihre brennende Bar schaute – ohne Hilfe zu leisten. Sie kümmerte sich nicht um die Verletzten, suchte nicht nach Wasser. Sie stand einfach nur da.»















