Krankenkasse

    Berner (88) verliert Frau – Krankenkasse schickt neue Police

    Bettina Zanni
    Bettina Zanni

    Bern,

    Die Frau eines Berners ist verstorben. Die Krankenkasse Sanitas schockiert ihn mit einer taktlosen Korrespondenz.

    Krankenkasse
    C.F.* hat kürzlich seine Frau verloren. Die Krankenkasse Sanitas hat ihr darauf eine neue Police geschickt. - Nau.ch

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Krankenkasse Sanitas bedauert in einem Schreiben den Tod der Frau eines Berner Kunden.
    • Wenige Tage später schickt sie der Verstorbenen einen Brief.
    • «Ich war schockiert und sprachlos», sagt der Witwer.

    Bald hätten C.F.* und seine Frau Diamantene Hochzeit gefeiert. Fast 60 Jahre lang waren sie verheiratet.

    Doch am 25. Januar schlägt das Schicksal zu: A. F.** stirbt, kurz bevor sie 84 Jahre alt geworden wäre.

    In den letzten vier Jahren habe sie an Demenz gelitten, sagt der Witwer. «Trotzdem war sie bis zuletzt meine wunderbare Ehefrau.»

    Anfang Februar schickt die Krankenkasse Sanitas ihm ein Beileidsschreiben. «Zum Tod Ihrer Ehefrau möchte ich Ihnen mein herzliches Beileid aussprechen», steht im Brief, welcher der Redaktion vorliegt.

    Zudem versichert das Schreiben der Krankenkasse, die Versicherung für A.F. per Todestag «selbstverständlich» aufzuheben.

    «Is this Switzerland?»

    Zwei Tage nach der Beerdigung steht C.F. am Briefkasten.

    Wieder gibt es Post von der Sanitas. Er öffnet den an seine verstorbene Frau adressierten Brief.

    «Sehr geehrte Frau F., danke, dass Sie uns Ihr Vertrauen schenken!», schreibt die Krankenkasse erfreut.

    In der Beilage erhalte sie ihre neue Police mit aktuellen Anpassungen, steht weiter. Auch dieses Schreiben liegt der Redaktion vor.

    Hättest du Verständnis für die Panne?

    «Ich war schockiert und sprachlos», erinnert sich der 88-Jährige. «Is this Switzerland?», habe er sich gefragt, sagt der im Kanton Bern lebende Brite. Dass einer Versicherung ausgerechnet in einer solch emotionalen Angelegenheit ein Fehler passiere, sei fragwürdig.

    «Ich glaube, dass die Leute in den Firmen einfach nicht mehr miteinander reden», vermutet der Witwer. Deshalb wisse die linke Hand nicht, was die rechte tue.

    Krankenkasse erklärt Panne

    Christian Kuhn, Mediensprecher der Sanitas, erklärt die taktlose Korrespondenz auf Anfrage.

    Herr und Frau F. seien wie alle Ehepaare in ihren Systemen in einer gemeinsamen Police aufgeführt worden, sagt Kuhn. «Der falsche Versand des zweiten Briefes erfolgte aufgrund eines internen, technischen Prozesses.»

    Im Todesfall werde die versicherte Person technisch aus der gemeinsamen Police getrennt, damit die Vertragsführung korrekt abgeschlossen werden könne. «Dabei wurde in diesem Fall automatisch eine neue Police generiert, welche fälschlicherweise nicht rechtzeitig storniert wurde.»

    Brite hat Verständnis

    Gerne hätte die Sanitas Herrn F. telefonisch über diesen Fehler informiert, sagt Kuhn. Sie hätten ihr Bedauern ausdrücken und sich persönlich bei ihm entschuldigen wollen.

    Da sie ihn telefonisch nicht erreichen konnten, hat die Kundenberatung laut Kuhn einen Brief geschrieben. Darin erklärten sie den Grund für das falsche Schreiben und entschuldigten sich dafür.

    C.F. hat Verständnis für die Panne.

    Trotz allem hat der Brite den Humor nicht verloren. Er lebe seit 60 Jahren in der Schweiz.

    «Wenn jemand neu aus dem Ausland etwas in der Schweiz kritisiert, setze ich gedanklich jeweils meinen Jodlerhut auf und frage: ‹Wie lange bist du schon hier?» Er findet: «In der Schweiz funktioniere in der Regel alles perfekt ...»

    *Name der Redaktion bekannt.
    **Name der Redaktion bekannt.

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    Kommentare

    User #1197 (nicht angemeldet)

    Sollte nicht, kann aber passieren. Habe jahrelang bei einer KK im adm. Bereich gearbeitet. Dank der Digitalisierung und 24/7 via Kundenportal weiss man manchmal gar nicht mehr, wie man die tägliche Flut an E-Mails, Mutationen , Chats noch Herr werden will. Zudem arbeiten viele KK mit einem Minimalbestand an MA und die andere Hälfte der MA sind ständig an Kursen oder krank. Auch haben viele das Arbeiten nicht erfunden und tippen lieber auf ihrem Smartphone herum. Als MA der seine Arbeit sieht und macht ist man bei einer KK burnout gefâhrdet.

    User #1533 (nicht angemeldet)

    Typisch für die SANITAS, seit längerer Zeit schon weiss bei SANITAS die LINKE Hand nicht was die RECHTE Hand macht! Hauptsache der CEO hat das DOPPELTE Honorar wie ALLE seine Berufskollegen..

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