Bala Trachsel: «Plakate weg – und dann?»
In Bern wird erneut über ein Plakatverbot diskutiert. Die Initiative «Bern werbefrei» will kommerzielle Werbung aus dem Stadtbild verbannen.

In Bern wird gerade die Initiative «Bern werbefrei» lanciert – nach der knapp überwiesenen Motion von 2024 nun der nächste Anlauf, kommerzielle Plakate aus dem Stadtbild zu verbannen. Zürich hat im März 2025 ähnlich entschieden, mit 58 zu 57 Stimmen. Knapper geht nicht. Trotzdem wird so getan, als sei das der breite Wille der Stadt.
Als Werberin sehe ich täglich, was ein gutes Plakat leistet: Es bringt eine Botschaft auf den Punkt – in drei Sekunden, an der Tramhaltestelle, ohne Cookie-Banner. Stellen Sie sich Bern vor ohne diese Vielfalt. Sie wissen nicht mehr, dass die Bäckerei um die Ecke neu Sauerteigbrot führt, dass der Coop Aktionen hat oder dass das Fitnesscenter im Quartier eröffnet.

Stadtpräsident von Graffenried hat es treffend gesagt: «Zu viel Werbung macht krank, aber keine Werbung ist Nordkorea.» Die Alternativen sind übrigens charmant. Wir scrollen halt eine Stunde länger durch Meta, lassen uns von Algorithmen beschallen, die mehr über uns wissen als unsere Hausärztin.
Oder wir geniessen subversives Retargeting – jene Schuhe, die uns drei Wochen durchs Internet verfolgen. Variante drei: Vertreter klingeln wieder an der Tür. Viel Spass beim Znacht.
Plakate sind demokratisch. Sie erreichen alle – nicht nur die mit Smartphone und Datenflat. Sie beleben das Gewerbe, finanzieren der Stadt Bern jährlich 5,5 Millionen Franken und geben kleinen Berner Unternehmen eine Chance gegen die globalen Plattformen.
Wer Plakate verbietet, schiebt das Werbegeld direkt zu Google und Meta. Das kann niemand wollen – weder Bevölkerung noch Wirtschaft.
Bern lebt von Vielfalt. Auch auf seinen Plakatwänden.
Zur Autorin
Bala Trachsel ist Vorstandsmitglied des Handels- und Industrievereins Bern.






