Der Zürcher FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann, selber Bankdirektor, sieht im Zusammenhang mit den Enthüllungen der sogenannten Pandora Papers über Geldwäscherei das Problem nicht bei den Banken. «Schwarze Schafe» macht er vielmehr bei Anwälten und Treuhändern aus, die es nicht so genau nähmen mit der Prüfung verdächtiger Kunden.
Hans-Peter Portmann
Nationalrat Hans-Peter Portmann. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • «Die Banken haben Fortschritte bei der Abwehr von schmutzigen Geldern gemacht, bei den Beratern sehe ich die nicht», sagte Portmann in einem Interview mit den Tamedia-Online-Zeitungen vom Montag.

Gesetzeslücken seien ein grosses Problem, er habe in seiner Bankkarriere «schon etliche Fälle miterlebt», wo externe Berater Gelder eingebracht hätten und es sich am Schluss herausgestellt habe, dass diese «aus einem Verbrechen» stammten. «Es kann sogar sein, dass der Berater genau weiss, dass es hier um schmutziges Geld geht», sagte Portmann, Direktor der LGT Bank mit Sitz in Vaduz, Liechtenstein.

Die Bank könne die wahren Hintergründe von Transaktionen nicht in jedem Fall erkennen. Sie sehe häufig nur einen kleinen Ausschnitt der Vermögenssituation eines Kunden. Für Berater wäre es viel einfacher, schmutzige Gelder zu erkennen, sagte Portmann. «Nur haben sie dazu keinen Anreiz, weil sie eben in die Gesetzeslücke fallen.» Allerdings verhalte sich der überwiegende Teil der Berater korrekt.

Von der Selbstregulierung der Anwalts- und Treuhandbranche hält Portmann nichts. «Ich kenne fast keinen Fall, in dem eine Anwaltskammer wirklich hart gegen eigene Berufskollegen vorgegangen wäre. Die Anwälte und Treuhänder haben eine besondere Kultur untereinander und drücken auch mal ein Auge zu», sagte er.

Die Banken hingegen unterstünden der Finanzmarktaufsicht, und die gehe viel rigoroser vor, sagte Portmann. Mit seiner Haltung sei er in seiner eigenen Partei in der Minderheit gewesen. «Aber dass die Anwälte sich so stark gegen die Schliessung der Lücke gewehrt haben, erstaunt mich schon», betonte er. «Sie belasten damit ihre Beziehung zum Schweizer Finanzplatz.»

Rund 90 Schweizer Beratungsunternehmen, Anwaltskanzleien und Notariate sollen in den Korruptions- und Geldwäscherei-Skandal verwickelt sein, der durch die «Pandora Papers» aufgedeckt wurde. Mindestens 26 davon funktionierten als Vermittler, in dem sie Kunden mit Offshore-Dienstleistungsunternehmen zusammenbrachten. Das schreibt das Internationale Konsortium für Investigative Journalistinnen und Journalisten (ICIJ) auf seiner Webseite.

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