Bändeli für Passagiere mit Beeinträchtigung «kommen gut an»
Was sich bei der SBB bewährt hat, bringt die BLS zum Nachziehen: Sonnenblumen-Bändeli sollen Fahrgäste mit unsichtbarer Beeinträchtigung unterstützen.
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Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem 1. Mai bietet die BLS die international anerkannten «Sunflower Lanyards» an.
- Betroffenen von etwa Autismus soll mehr Rücksicht und Verständnis geboten werden.
- Mit über 10'000 verkauften Bändeli machte die SBB bereits 2025 den Anfang.
Gerüche aus dem Zug-WC oder vom Döner mit Extra-Portion Zwiebeln, den der Fahrgast im gleichen Abteil gerade isst?
Solche Reize kennen Pendler – und keiner dürfte sie als angenehm empfinden. Doch was dem einen lediglich ein bisschen die Fahrt vermiest, stellt für den anderen eine wahrliche Herausforderung dar.
So auch für den jungen Marius Iseli.

Was dem Pendler nebst den genannten olfaktorischen Eindrücken ebenfalls zu schaffen macht: «Das Umsteigen von einem Zug auf den anderen.» Aber auch «das Licht, quietschende Räder – alles Mögliche», erklärt der Mann.
Iseli hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus. Daher schätzt er, dass ihm die BLS bei seinen «anderen Bedürfnissen» unter die Arme greift.
BLS setzt auf international bekanntes Erkennungszeichen
Seit dem 1. Mai bietet die Schweizer Bahngesellschaft nämlich die international anerkannten «Sunflower Lanyards» für ihre Passagiere an. In einem Instagram-Reel ihres offiziellen Accounts porträtiert die BLS den Mann.
Und zeigt dadurch die Vorteile der grünen Bändeli, welche Menschen mit unsichtbaren Beeinträchtigungen gratis in allen BLS-Reisezentren beziehen können.
Nebst Autismus-Betroffenen profitieren auch etwa Menschen mit Epilepsie oder Demenz von dem Angebot.
Iseli findet die Initiative «super», wie er im Instagram-Video erklärt. Sichtbar zu machen, «dass ich andere Bedürfnisse habe, bringt mir etwas und den anderen Leuten auch».
«Menschen mit unsichtbarer Behinderung mehr Sichtbarkeit verschaffen»
Auf dem Badge des grünen, mit Sonnenblumen verzierten Bändeli steht die entsprechende Beeinträchtigung notiert.
«So weiss unser Personal, dass eine Person mit einem Sunflower Lanyard beispielsweise bei der Ticketkontrolle mehr Zeit und Geduld benötigt.» Das erklärt Helene Soltermann, Mediensprecherin der BLS, gegenüber Nau.ch.
Der Entschluss fiel, weil die Bahngesellschaft «Menschen mit einer unsichtbaren Behinderung mehr Sichtbarkeit verschaffen will».
Nach dem Startschuss Anfang des Monats zieht Soltermann nun eine erste Bilanz gegenüber Nau.ch.
Zwar habe man bis anhin «einige wenige Sonnenblumen-Schlüsselbänder an betroffene Personen verteilt».
Doch die Nachfrage dürfte zunehmend Fahrt aufnehmen: Das Bändeli «kommt gut an». Das zeigt die Resonanz auf unsere Kommunikationsmassnahmen.
BLS zieht nach: Die SBB machte den Anfang
Damit sprang die BLS auf einen Zug auf, den die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) schon seit Juni 2025 fahren.
Als erstes Bahnunternehmen der Schweiz startete die SBB damals das Pilotprojekt. Nach der erfolgreichen Testphase hat sie die Sonnenblumen-Bändeli im März diesen Jahres auf alle Reisezentren ausgedehnt.
Auch die SBB zieht gegenüber Nau.ch Bilanz. Betroffene schätzen, so Mediensprecher Reto Schärli, besonders die Offenlegung ihrer Beeinträchtigung «ohne Nachweispflicht».
«In den ersten sechs Monaten nach der Einführung wurden über 10’000 Lanyards abgegeben», resümiert Schärli.

















