Avenir Suisse: Elektronisches Patientendossier funktioniert nicht
Nur gut jede hundertste Person hat ein elektronisches Patientendossier eröffnet. Avenir Suisse fordert statt neuer Dossiers endlich besseren Datenaustausch.

Das Wichtigste in Kürze
- Avenir Suisse kritisiert das elektronische Patientendossier als gescheitert.
- Trotz über 80 Millionen Franken nutzt es nur gut jede hundertste Person.
- Das Hauptproblem sei fehlende Interoperabilität zwischen Leistungserbringern.
Das elektronische Patientendossier funktioniert trotz der Millionen vom Bund nicht. Zu diesem Schluss kommt die Denkfabrik Avenir Suisse. Den Grund dafür sieht sie im fehlenden Datenaustausch zwischen den Leistungserbringern.
Wie die Analyse zeige, hätten Länder wie Dänemark und die USA, die bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens Vorreiter seien, etwas gemeinsam, schrieb Avenir Suisse am Donnerstag.
Und das sei eine funktionierende digitale Interoperabilität, die Fähigkeit des Zusammenwirkens – und nicht ein staatliches Dossier.
Avenir Suisse kritisiert teures Patientendossier
Zwar werde seit längerem versucht, das Problem anzugehen. Doch bisher sei es vor allem teuer gewesen: Über 80 Millionen Franken habe allein der Bund ins elektronische Patientendossier (EPD) investiert.
Durchgesetzt habe er es aber nicht. Nur gut jede hundertste Person habe ein EPD eröffnet, und nur ein Bruchteil der Ärztinnen und Ärzte habe mitgemacht.
Nun plane der Bund mit dem elektronischen Gesundheitsdossier (E-GD) das nächste Grossprojekt. Doch das sei die falsche Priorität.
Die Defizite im elektronischen Austausch zeigten, dass nicht das fehlende elektronische Dossier der Digitalisierung im Weg stehe, sondern die Fähigkeit der Informationssysteme, Gesundheitsdaten sicher auszutauschen.
Bund soll verbindliche Standards setzen
Zur Digitalisierung des Gesundheitswesens braucht es nach Einschätzung von Avenir Suisse drei Schritte.
Erstens sollte der Bund verbindliche Standards und Schnittstellen für den Datenaustausch festlegen, diese Arbeiten finanzieren und deren Einhaltung überwachen. Die Interoperabilität, das Zusammenwirken, der Informationssysteme sei entscheidend.
Zweitens müssten die Informationssysteme und Anschlusslösungen diese staatlichen Vorgaben erfüllen. Und diese wiederum würden von privaten oder gemeinnützigen Prüfern zertifiziert.
Private sollen digitale Anwendungen entwickeln
Und – drittens – seien Standards und Schnittstellen einmal definiert und Informationssysteme zertifiziert, sollten Leistungserbringer, private Unternehmen und allenfalls Kantone digitale Anwendungen entwickeln sowie die Vernetzung unter den Akteuren vorantreiben.
Der Vorteil eines solchen Vorgehens ist aus Sicht von Avenir Suisse, dass nur Projekte in Angriff genommen würden, die den Beteiligten und den Patienten einen Mehrwert versprechen.
Dies mindere die Gefahr, dass Geld verschwendet werde, wie dies beim elektronischen Patientendossier der Fall gewesen sei.















